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Auktionsvorschau : Kafka, Wagner, Fragonard

1534 erschien in Wien die erste deutsche Ausgabe der „Chronica Hungarorum“ mit Holzschnitten von Peter Flötner (Taxe 12.000 Euro). Bild: Bassenge

Die Frühjahrsauktion bei Bassenge in Berlin hat mehr als dreitausend Bücher und 259 Autographen zu bieten - darunter auch frühe Drucke aus dem 15. Jahrhundert.

          Das Schwergewicht der Frühjahrsauktion bei Bassenge in Berlin, die vom 17. bis zum 20.April mehr als dreitausend Bücher und 259 Autographen anbietet, liegt bei dreißig Inkunabeln, Frühdrucken des 15.Jahrhunderts. Darunter befindet sich ein in Zinna gedrucktes Psalterium des kaiserlichen Kaplans Hermann Nitzschewitz mit 165 Textholzschnitten zum Leben des Erlösers und seiner Mutter (Taxe 80.000 Euro). Für 15.000 Euro abgegeben wird ein Sammelband mit philosophisch-naturwissenschaftlichen Werken von Albertus Magnus; 12.000 Euro soll die Predigtsammlung des Martinus Polonus von Troppau, Straßburg 1483, bringen. Zum gleichen Preis erhältlich ist die erste deutsche Ausgabe der „Chronica Hungarorum“ mit Holzschnitten von Peter Flötner, Wien 1534.

          Fasziniert von den Baudenkmälern Indonesiens brachte Francis Garnier 1873 ein reiches Reisewerk heraus, das auf 15.000 Euro geschätzt wird.
          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Den Altertümern in Süditalien gilt ein Ansichtenwerk mit Stichvorlagen von Fragonard und Hubert Robert (26.000). Fasziniert von den Baudenkmälern Indonesiens brachte Francis Garnier 1873 ein reiches Reisewerk heraus (15.000). In einer Schlangenlederkassette angeboten werden fünfzehn Kupferstiche Francesco Guittis zu Michelangelo Rossis Oper „Andromeda“ (20.000). Selten komplett verfügbar ist Schinkels Sammlung architektonischer Entwürfe (8000).

          Für 15.000 Euro abgegeben wird ein Sammelband mit philosophisch-naturwissenschaftlichen Werken von Albertus Magnus.

          In der Modernen Literatur und Kunstdokumentation taucht mehr als zwanzigmal der Name Kafka auf; mit 6000 Euro am teuersten ist die 1913 als Erstveröffentlichung des Dichters bei Rowohlt erschienene, Max Brod gewidmete „Betrachtung“. Walter Rheiners Novelle „Kokain“, illustriert von Conrad Felixmüller, ist für 3000 Euro abrufbar. Mit 41 Titeln versucht man, einen Teil der ursprünglich 204 Kinderbücher umfassenden Sammlung von Walter Benjamin zu rekonstruieren, darunter die Bilder-Enzyklopädie des Weimarer Verlegers Friedrich Johann Bertuch (9000). Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ aus der 299.Auflage lässt sich zum Schnäppchenpreis von 120 Euro ersteigern.

          „Kokain“ heißt Walter Rheiners Novelle aus dem Jahr 1917, die Conrad Felixmüller ausdrucksstark illustrierte. Das 43 Seiten umfassende Buch ist auf 3000 Euro taxiert.

          Zwölf Jahrgänge des von 1910 bis 1921 erschienenen Periodikums „Das Plakat“, ihrer Lagerung entsprechend „immanenten Kellergeruch“ verströmend, sind auf 20.000 Euro taxiert: Als engagierter Herausgeber wirkte damals der Berliner Sammler Hans Sachs, dessen dem Deutschen Historischen Museum anvertraute Kollektion vom Sohn des Stifters herausgeklagt wurde. Klage über die Unbilden der Zeit nach 1945 führt Gottfried Benn in zehn langen Briefen an Renée Sintenis (18.000).

          Weitaus unterhaltsamer lesen sich Cosima Wagners Mitteilungen an den in Wien residierenden kaiserlichen Beamten Rudolph Fürst von Liechtenstein, den die Liszt-Tochter beredt über Querelen vor der Eröffnung des Bayreuther Festspielhauses unterrichtet, wo „der in unsere Welt verbannte Genius“ - vulgo: der Ehemann Richard - „seine Stätte gefunden hat“. Die Fülle der Interna zu Wagners Schaffensräuschen rechtfertigt die Taxe von 4500 Euro für die hochpersönlichen Einblicke in Leben und Werk des „Meisters“ vom Grünen Hügel.

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