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Femen und die Medien : Die Nackte auf dem Altar

Am ersten Weihnachtsfeiertag hatte er einen ungebetenen Gast auf dem Altar. Sein Eröffnungsgottesdienst des Dreikönigssingens blieb ungestört: Kardinal Joachim Meisner am 30. Dezember 2013 im Kölner Dom Bild: dpa

Der Femen-Auftritt im Kölner Dom war genau mit dem „Express“ abgestimmt. Nun prüft das Erzbistum Köln Rechtsmittel gegen das Boulevardblatt - die Geschichte einer Inszenierung.

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          Man stelle sich vor, eine Femen-Aktivistin stört das Pontifikalamt am 1. Weihnachtsfeiertag im Kölner Dom, indem sie, den nackten Oberkörper mit „I am God“ bepinselt, auf den Altar springt – und keiner ist da, der knipst. Der „Protest“ würde verpuffen und nicht die internationale Aufmerksamkeit finden, die ihm zuteil wurde. Erst die Medienresonanz hat die dreiste Provokation zum Skandal gemacht. (Auch faz.net berichtete mit Bild, Anm. d. Red) Die Aufnahmen waren Geld wert, wurden heiß gehandelt. „Das Bild einer nackten Frau auf dem Altar ist ein Bild, das bleibt,“ resümierte die zwanzig Jahre alte Josephine Witt ihre Exhibition zufrieden: „Wir sind weltweit in den Medien.“

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Der Weihnachtsgottesdienst als lukratives Fotoshooting. Mehrere Journalisten müssen vorab informiert gewesen sein. Schon zwei Tage vor Heiligabend hatte der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff eine E-Mail mit einem Hinweis auf die Aktion erhalten, in der es hieß, dass „höchstwahrscheinlich...ein oder mehrere Vertreter der Presse eingeweiht und zur Aufnahme des Protestes anwesend“ seien. Dazu gehörte neben einem Kameramann der „Hans Paul Media“ offenbar auch das Kölner Boulevardblatt „Express“, für das der Termin höchste Priorität hatte: Zwei Text- und ein Bildreporter berichteten und stellten „das Video vom Nackt-Eklat im Kölner Dom“ ins Netz.

          Die Vorarbeit des Boulevardblatts

          Nachdem das Erzbistum gegen die Femen-Aktivistin Strafanzeige wegen „Störung der Religionsausübung“ gestellt hatte, erwägt es nun auch rechtliche Schritte gegen anwesende Journalisten. Ihnen könnte ein Verfahren wegen Beihilfe drohen. „Wir prüfen in aller Ruhe und werden das erst in der nächsten Woche entscheiden“, sagte Dompropst Norbert Feldhoff dieser Zeitung. Offenbar gibt es Indizien dafür, dass der „Express“ vorab genau über den Ablauf der Aktion informiert war und eine Veröffentlichung vorbereitet hatte: So soll das Boulevardblatt die Nachricht über die Störung, die zwischen 10.05 und 10.10 Uhr stattfand, um 10.11 Uhr online gestellt und zunächst mit dem Fehler verbreitet haben, die Sache habe sich nach der Segnung abgespielt.

          Auch lichtete der „Express“ die junge Frau schon vor der Aktion ab, als sie mit einem Tuch um den Kopf in der ersten Reihe saß. Dagegen hat der ebenfalls im Verlag M. DuMont Schauberg erscheinende „Kölner Stadt-Anzeiger“ kein eigenes Foto der Aktion veröffentlicht, sondern dieses von der Deutschen Presse-Agentur bezogen. „Wir haben zwei Bilder erst nach dem Vorfall von einer freien Fotografin angekauft,“ sagte der dpa-Sprecher Christian Röwekamp auf Nachfrage.

          Obwohl Filmaufnahmen in der Hohen Domkirche grundsätzlich der schriftlichen Genehmigung bedürfen, hält Feldhoff, der sich juristisch beraten ließ, es für „ziemlich aussichtslos,“ die Firma des Paparazzo Hans Paul zu belangen: „Der hat seinen Sitz in Sydney und ist nicht zu greifen.“ Aber die Möglichkeit, gegen das Kölner Boulevardblatt, das sein tägliches Oben-ohne-Modell für gewöhnlich nicht im Dom ablichten lässt, vorzugehen, möchte er „nach sachlichen Gesichtspunkten prüfen“. Alle Interviewwünsche des „Express“, „zu dem ich immer ein gutes Verhältnis hatte“, hat der Dompropst erst mal abgesagt.

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