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Etihad Airways erobert Europa : Alitalia wird arabisch

Ein Alitalia-Maschine im Anflug auf Rom Fiumicino Bild: REUTERS

Monatelang hat die arabische Fluggesellschaft Etihad um den Einstig bei Alitalia gefeilscht. Jetzt sind die Scheichs endlich am Ziel. Sie haben es vor allem auf die Start- und Landerechte abgesehen.

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          Die Weichen für den Großeinstieg des Air-Berlin-Aktionärs Etihad Airways bei der verlustreichen Fluggesellschaft Alitalia sind gestellt. Am Freitag stimmten die Aktionäre von Alitalia dem Vertrag mit der arabischen Fluggesellschaft zu. Am späten Nachmittag haben die Vorstandschefs von Etihad und Alitalia, James Hogan und Gabriele Del Torchio, den Vorvertrag unterzeichnet.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Tobias Piller
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kurz zuvor erhielt Alitalia noch die Zustimmung von mehreren Gewerkschaften für den künftigen Tarifvertrag mit Gehaltskürzungen, während für den geplanten Umbau von Alitalia mit einer Reduzierung des Personals um 2251 Mitarbeiter die Zustimmung der wichtigsten Gewerkschaft für das Bodenpersonal noch aussteht. Nachdem fast eine Woche lang Passagiere von Alitalia teils ohne Gepäck reisen mussten, waren für Freitag massenhaft Krankmeldungen des Bodenpersonals angekündigt, doch startete der Flugbetrieb schließlich normal.

          Nachdem über den Einstieg von Etihad von Alitalia – mit dem Erwerb von 49 Prozent des Kapitals für 560 Millionen Euro – seit Februar verhandelt wurde, sind für die endgültigen Verträge noch einmal mindestens zwei Monate veranschlagt worden. Bis zuletzt bemühten sich Etihad und Alitalia-Chef Del Torchio, mit Kapitalerhöhungen und Überbrückungskrediten der alten Aktionäre das finanzielle Überleben der Fluggesellschaft bis in den Herbst zu sichern. Kommt Etihad tatsächlich bei Alitalia zum Zuge, würde sich das europäische Streckennetz der – hinter Emirates – zweitgrößten Fluggesellschaft aus der Golfregion beträchtlich vergrößern.

          Etihad-Chef James Hogan (l) und Alitalia-Chef Gabriele del Torchio unterzeichnen den Vorvertrag in Rom
          Etihad-Chef James Hogan (l) und Alitalia-Chef Gabriele del Torchio unterzeichnen den Vorvertrag in Rom : Bild: AFP

          Die aktuelle Palette der Beteiligungen in Europa umfasst den Anteil von rund 30 Prozent an Air Berlin ebenso wie 3 Prozent an der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus. Darüber hinaus ist Etihad am Einstieg in die Schweizer Regionalfluggesellschaft Darwin interessiert und kooperiert mit Air France, indem Flugpläne und Streckennetze aufeinander abgestimmt werden. Air France ist wiederum als Mitaktionär an Alitalia beteiligt.

          Für Etihad sind vor allem die Start- und Landerechte von Alitalia in Rom und Mailand besonders wertvoll. Von dort aus lassen sich die Passagierströme nach Asien über einen Zwischenstopp an der Heimatbasis von Etihad in Abu Dhabi umleiten.

          Da die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi nicht mit eigener Kraft die Größe europäischer Rivalen erreichen kann, muss das globale Streckennetz über eine Vielzahl an Partnern aufgebaut werden. Lufthansa-Managern ist dieses Vorgehen ein Dorn im Auge. Sie werfen den staatlichen Konkurrenten aus der Golfregion vor, bei der Expansion von Subventionen ihrer Eigentümer zu profitieren. Etihad-Chef James Hogan bestreitet das: „Wir arbeiten mit rund 70 nationalen und internationalen Finanziers zusammen, über die wir fast 9 Milliarden Dollar an frischem Kapital zu marktüblichen Konditionen beschaffen können“, sagte er vor kurzem.

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