https://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/erfolg-mit-arbeitshosen-kitteln-und-schutzkleidung-12015071.html

: Erfolg mit Arbeitshosen, Kitteln und Schutzkleidung

  • Aktualisiert am

BIEBERGEMÜND. Wer Berufskleidung braucht, kommt heute an dem weißen Straußenvogel auf rotem Grund kaum vorbei. Er ziert immer häufiger den Kittel des Arztes ...

          3 Min.

          BIEBERGEMÜND. Wer Berufskleidung braucht, kommt heute an dem weißen Straußenvogel auf rotem Grund kaum vorbei. Er ziert immer häufiger den Kittel des Arztes ebenso wie die Arbeitshose des Technikers. Das Tier begleitet als immer bekannter werdendes Markenzeichen den Aufstieg des Familienunternehmens Engelbert Strauss mit Hauptsitz in Biebergemünd im Main-Kinzig-Kreis. Das Versand- und Einzelhandelsunternehmen für Berufsbekleidung und Arbeitsschutz hat nach Angaben einer Firmensprecherin in den vergangenen drei Jahren jeweils 150 bis 200 Mitarbeiter neu eingestellt. Derzeit zählt das Unternehmen rund 800 Mitarbeiter, dazu kommen je nach Saison mehr als 100 Zeitarbeitskräfte für Spitzenzeiten. 26 junge Menschen bildet das Unternehmen derzeit aus, in diesem Jahr sollen 15 weitere in das Unternehmen eintreten. Mit Inbetriebnahme des Neubaus im Jahr 2014 dürfte abermals Personal in ähnlicher Größenordnung hinzukommen.

          Der weitaus größte Teil der Mitarbeiter hat den Arbeitsplatz am Hauptsitz in Biebergemünd. Hier, im Gewerbegebiet des Ortsteils Wirtheim, wird es nach einer Ankündigung des Unternehmens in diesem Sommer den Spatenstich für ein zusätzliches Firmengebäude geben. Auf einem 50 000 Quadratmeter großen Grundstück ist der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes vorgesehen. Das Investitionsvolumen beziffert das Unternehmen auf einen „höheren zweistelligen Millionenbetrag“. Neben Büroräumen wird hier auch der bestehende Verkaufsladen der Engelbert Strauss GmbH & Co. KG ein neues Domizil finden. Weitere, vom Unternehmen „Stores“ genannte Einzelhandelsgeschäfte gibt es seit Oktober in München sowie seit dem Jahr 2010 in Hockenheim.

          Die Notwendigkeit zum Ausbau des „Stores“ in Biebergemünd begründet das Unternehmen mit der stetigen Produkterweiterung und dem wachsenden Zuspruch der Menschen aus der Region. Der Verkaufsraum, entstanden aus dem früheren Lagerverkauf, habe seine Kapazitätsgrenzen erreicht. Wert gelegt werde bei dem Neubau auf ein harmonisches Einfügen in die Landschaft und auf den Einsatz erneuerbarer Energieformen. So werde der Energiebedarf zu hundert Prozent aus Sonnenenergie und Erdwärme gedeckt. Teile der Verwaltung, Logistik und Versand werden in den derzeitigen Firmengebäuden bleiben.

          Den Ausbau versteht das Familienunternehmen auch als ein Bekenntnis zum Heimatstandort Biebergemünd. Gegründet wurde es hier einst von August Strauß, der mit Bürsten und Besen handelte. Im Jahr 1948 machte sein Sohn Engelbert Strauß daraus das Unternehmen Engelbert Strauss, das er zehn Jahre später zu einem Versandhandel für überwiegend aus dem Baugewerbe stammende Kunden umfunktionierte. Im Jahr 1994 entstand der heutige Firmenbau auf dem 40 000 Quadratmeter großen Gelände in Biebergemünd. Er wurde von 2000 bis 2006 deutlich erweitert. Ende der neunziger Jahre gründete Engelbert Strauss die erste Tochtergesellschaft in England, es folgten weitere in den Niederlanden, in Belgien, Luxemburg, Tschechien, Slowenien und in der Schweiz. Heute gilt Engelbert Strauss als Marktführer beim Versand von Berufskleidung einschließlich Schuhen. Zum Sortiment zählen auch Arbeitsschutzmittel, Industriebedarf, Werkzeuge und Büroartikel. Der jährliche Umsatz des Betriebes, der vom Sohn des Firmengründers Norbert Strauss, dessen Ehefrau Gerlinde sowie deren Söhnen Steffen und Henning geleitet wird, liegt bei mehr als 100 Millionen Euro.

          Der weiße Strauß auf rotem Grund macht zunehmend auch die Menschen neugierig, die sich auf dem Markt der Arbeitskleidung nicht auskennen. Dafür sorgt eine breit angelegte Werbestrategie des Unternehmens, die im Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag kostet. Die Marketingstrategie zielt darauf ab, Engelbert Strauss als Lifestylemarke für Berufsbekleidung und Arbeitsschutz zu etablieren. Deshalb stellen die „Stores“ auch mehr als reine Verkaufsläden dar, sondern sind für das Unternehmen „Erlebniswelten“ in moderner Architektur. Außerdem setzt Engelbert Strauss auf die Zugkraft des Sports, etwa über die Bandenwerbung in deutschen Fußballstadien bei Spielen um den DFB-Pokal, den ÖFB-Cup oder bei Länderspielen der deutschen Fußballnationalmannschaft. Zur Partnerschaft mit der Vierschanzentournee passen Produkte, die Arbeitswelt mit alpinem Wintersport kombinieren wie die aktuelle Kollektion „e.s. vision snow“. Dafür wurden Werbespots für Kino und Fernsehen gedreht.

          Hergestellt werden die meisten Produkte in Asien. Fertigungsorte für die Kleidung liegen aber auch in europäischen Ländern wie Italien oder Irland. Das Unternehmen verweist darauf, dass es insbesondere bei den asiatischen Fertigungsstätten auf die Qualität der Arbeitsbedingungen achte. Soziales Engagement zähle zur unternehmerischen Verantwortung des Familienbetriebs. Deshalb versuche man stets, die Lebensbedingungen der Menschen dort zu verbessern. Die Produktionsstandorte lägen in Regionen, in denen die Textilindustrie neben der Landwirtschaft die wichtigste Einnahmequelle bedeute.

          Die Ausrichtung auf die Textilverarbeitung und die Nähe zu den Rohstoffquellen sicherten die Wettbewerbsfähigkeit und die Qualität der Produkte. Die Lieferanten seien dem Unternehmen persönlich bekannt, Subunternehmer würden nicht eingesetzt. Mitglieder der Firmenleitung reisten mit fachkundigem Personal regelmäßig zu den Fertigungsstätten und überprüften die Herstellungsbedingungen. Auch soziale Projekte würden unterstützt wie der Unterhalt einer Schule in der Nähe einer Produktionsstätte in Laos. Sowohl Kindern von Mitarbeitern als auch Kindern aus der Nachbarschaft werde hier eine Schulausbildung ermöglicht.

          Topmeldungen

          Zwei Frauen sitzen in einem Lieferwagen. Russlands Truppen streben im Donbass ukrainischen Angaben zufolge weiterhin die Eroberung des Gebiets an.

          Die Nacht in der Ukraine : Ukrainische Verteidigungslinie im Donbass wankt

          Russland greift laut Präsident Selenskyj im Stahl- und Kohlerevier im Osten der Ukraine „mit allen noch zur Verfügung stehenden Kräften“ an. Russland will eine sichere Seepassage aus der eroberten ukrainischen Hafenstadt Mariupol einrichten. Der Überblick.
          Wurde heftig dafür kritisiert, dass er Eintracht-Kapitän Sebastian Rode und Trainer Oliver Glasner (links), die Trophäe aus den Händen nahm: Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (rechts, SPD)

          Frankfurts OB unter Druck : Eine Peinlichkeit zu viel

          Eine schlüpfrige Durchsage im Fan-Flieger der Eintracht hat den Frankfurter Oberbürgermeister den letzten Rückhalt gekostet. Die jüngsten Vorfälle zeigen: Selbstreflexion scheint nicht Peter Feldmanns Stärke zu sein.