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Epigenomprojekt „Deep“ : Deutschland endlich vorne dran in der Genomforschung

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Frühe Epigenomik-Konsortien lieferten zuerst kaum Resultate. „Erst mit der Einführung neuer Techniken begann die wirklich produktive Phase der Epigenom-Kartierung“, sagt Alexander Meissner, der an der Harvard University und dem ebenfalls in Boston beheimateten Broad Institute die Epigenomik vorantreibt. Vor knapp vier Jahren startete mit Meissners Beteiligung das erste moderne Epigenomik-Programm, das „NIH Roadmap Epigenome Project“, das mit 190 Millionen Dollar unterstützt wurde. Verteilt auf vier Zentren, kartieren die Forscher seitdem in den Vereinigten Staaten die epigenetischen Schalter von 50 verschiedenen menschlichen Zelltypen, die bis Ende dieses Jahres der internationalen Wissen-schaft zur freien Verfügung gestellt werden sollen.

Computer-Modell der (nackten) DNA-Doppel-Helix. Jetzt geht es darum, die Schalter im und auf dem Genom, welche die Gene steuern, zu identifizieren.

Zwei Jahre nach dem Roadmap Project gründeten Epigenetiker aus aller Welt ein internationales Konsortium, das „International Human Epigenome Consortium“ (IHEC). Insgesamt wollen sie tausend Epigenome verschiedenster Zelltypen vollständig entziffern. Diese sollen danach als Vergleichsbasis für künftige Untersuchungen dienen. Eines Tages könnte der Bochumer Meinlschmidt also in einer Datenbank nachschauen, ob der Abgleich der öffentlichen Daten mit seinen Messergebnissen das dringend gesuchte epigenetische Stressmuster verrät.

Nach dem Vorbild des Humanen Genomprojekts Hugo, das entscheidend zur einstigen Entschlüsselung des menschlichen Erbguts beigetragen hat, wird IHEC durch die Förderorganisationen der beteiligten Partnerländer finanziert. Zunächst ist das Ziel, 130 Millionen Dollar einzusammeln, wobei jedes Land mindestens 10 Millionen beisteuern muss. Den Beginn machte die Europäische Union, die schon vor einem Jahr ein eigenes IHEC-Programm zur Epigenomik von Blutzellen (“Blueprint“) vorstellte. Nun folgt - als erstes einzelnes Land, das ein ganzes Programm als IHEC-Beitrag auf die Beine stellt - Deutschland. Das Deutsche Epigenomprogramm „Deep“ wird vom Bundesforschungsministerium unterstützt. In den kommenden Jahren sollen 21 Arbeitsgruppen aus ganz Deutschland mit insgesamt 16 Millionen Euro gefördert werden. Sie werden 70 Epigenom-Karten von Zellen erstellen, die bei Stoffwechsel- und Entzündungskrankheiten wie Fettsucht, Rheumatoider Arthritis, Fettleber und entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn eine zentrale Rolle spielen.

Da die Epigenetik das entscheidende Bindeglied zwischen Erbe und Umwelt-einfluss sei und weil dieses Bindeglied von der biomedizinischen Forschung bislang weitgehend ausgeblendet worden sei, ist Walter sehr zuversichtlich, dass gerade die Epigenomik neue Ansätze für die Vorbeugung und Behandlung der meisten Volkskrankheiten liefern werde. Und vielleicht findet sie ja auch eine befriedigende Antwort darauf, wie stark die menschliche Intelligenz tatsächlich vom DNA-Code festgelegt ist.

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