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: Ende der Bindestrich-Föderation

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Als Präsident der CSFR hatte Havel von Januar bis Mai 1990 ein Dutzend Länder besucht, er war aber nur einmal in Pressburg gewesen. Milan Knazko, damals der einzige Slowake unter seinen acht Beratern, hatte Havel vergeblich geraten, regelmäßig auch auf der Burg von Pressburg zu residieren: „Als ich das vorschlug, war es eine Weile still. Dann fragte ein Berater, warum Havel das nicht auch in Budweis tun sollte.“

In Prag praktizierte man in den ersten beiden Jahren nach der „samtenen Revolution“ eine strikte Arbeitsteilung. Klaus und sein Team widmeten sich der ökonomischen Transformation und schufen sich in der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) ein Instrument, um den Wandel politisch abzusichern. Havel und sein Team deckten alle anderen Bereiche ab, auch die Beziehungen zwischen Prag und Pressburg, die sich immer schwieriger gestalteten. Am 28. Oktober 1991, dem tschechoslowakischen Nationalfeiertag, hinderten slowakische Nationalisten Havel in Pressburg daran, das Wort zu ergreifen, und warfen faule Eier auf ihn und seinen Kanzler. Die Verhandlungen über eine neue föderale Verfassung waren festgefahren. Im mährischen Kremsier hatten sich Tschechen und Slowaken grundsätzlich auf die Ausarbeitung eines Verfassungsvertrags verständigt, doch über dessen Inhalt herrschte ebenso wenig Einigkeit wie über dessen Rechtsverbindlichkeit. Die Tschechen wollten eine Willenserklärung zugunsten der Föderation, die Slowaken verlangten einen völkerrechtlich verbindlichen zwischenstaatlichen Vertrag, der ihnen volle Souveränität garantieren sollte.

Die Nervosität stieg. Im Sommer 1991 hatte der blutige Zerfall Jugoslawiens begonnen, in Moskau hatte der Putschversuch gegen Gorbatschow das sowjetische Kapitel der russischen Geschichte beendet. Die supranationalen Staatsideen hatten ausgedient. In der tschechoslowakischen Föderation drohte zwar kein Bürgerkrieg, wohl aber ein lähmender Dauerstreit flämisch-wallonischen Zuschnitts - ohne belgisches Wohlstandspolster. Im Februar 1992 endeten die tschechisch-slowakischen Verhandlungen über eine neue Verfassung ohne Ergebnis. In der Föderation und in den beiden Teilrepubliken standen Parlamentswahlen an, von denen jeder wusste, dass sie über die Zukunft des gemeinsamen Staates entscheiden würden. Die ODS zog in der Tschechischen Republik mit der Losung einer „funktionsfähigen Föderation“ in den Wahlkampf, was auf einen Einheitsstaat hinauslief - einen tschechoslowakischen Dualismus lehnte sie ab. In der Slowakei plädierte Vladimír Meciars „Bewegung für eine demokratische Slowakei“ für volle Souveränität im Rahmen einer neu zu bildenden Konföderation mit der Tschechischen Republik. Das Ergebnis der Wahlen im Juni 1992 veränderte die politische Landschaft in beiden Teilrepubliken von Grund auf. Havels „Bürgerforum“ (OF) und seine slowakische Entsprechung, die „Bewegung Öffentlichkeit gegen Gewalt“ (VPN), schieden aus den Parlamenten aus. Die christlichen Demokraten, die auf slowakischer Seite die Verfassungsverhandlungen geführt hatten, wechselten in die Opposition. In der Tschechischen Republik triumphierte die ODS, in der Slowakei die „Bewegung für eine demokratische Slowakei“. Jetzt war es an Klaus und Meciar, eine Lösung zu finden.

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