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Eine neue Rechte : Der Flashmob marschiert

  • -Aktualisiert am

Das schwarze Lambda auf gelbem Grund: „Identitäre“ Flaggen bei antiislamischen Protesten gegen den Umbau der ehemaligen Kapernaum-Kirche in Hamburg. Bild: dpa

Sie protestieren mit Masken gegen „Multikulti“ und bringen Ghettoblaster mit: Angeblich stehen die jugendlichen Anhänger der „Identitären Bewegung“ weder links noch rechts. Aber die Rhetorik trügt.

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          Dass etwas ganz und gar nicht neu ist, bedeutet nicht, dass es nicht gefährlich werden kann. Im Falle der „Identitären Bewegung“, über die in letzter Zeit in einigen deutschsprachigen Medien berichtet wurde, haben sich mehrere Konzepte zusammengefunden, die in ihrer Synthese zumindest beunruhigend sind. Die „Identitäre Bewegung“ inszeniert sich - hauptsächlich im Internet - als neue Jugendbewegung, die fernab aller Kategorisierungen von „rechts“ oder „links“ ihrer Wut und Frustration über die moderne westliche multikulturelle Gesellschaft Ausdruck verleiht.

          Moscheebesetzung in Poitiers

          Ihren Ursprung hat die Bewegung in Frankreich, wo sich der „Bloc Identitaire“ 2003 im Umkreis des rechten „Front National“ gründete. Nun nennt er sich auch, weniger militant und kollektiv vereinnahmender, „Génération Identaire“. Einige sich diesem Konstrukt einer „identitären Generation“ zugehörig fühlende, zumal junge Menschen besetzten im Oktober des vergangenen Jahres eine Moschee in Poitiers, um gegen die „Islamisierung“ Frankreichs zu demonstrieren. Poitiers hatte dabei Symbolwert, weil dort im Jahre 732 der Frankenherrscher Karl Martell das weitere Vordringen der Mauren nach Mitteleuropa verhinderte.

          In Österreich protestierten „Identitäre“ gegen Asylbewerber, in Deutschland ist die „Identitäre Bewegung“ vor allem durch einen recht professionellen Internetauftritt aufgefallen - auf Facebook gewinnt man den Eindruck, es gebe Ableger in vielen deutschen Städten -, auch durch vereinzelte Aktionen. Drei maskierte, schwarzgekleidete Menschen stürmten Ende Oktober die Eröffnung der „Interkulturellen Wochen“ in Frankfurt mit einem Ghettoblaster, tanzten in „Flashmob“-Manier durchs Publikum und hielten Schilder in die Höhe, auf denen zu lesen stand: „Multikulti wegbassen“.

          Interview in der „Jungen Freiheit“

          Was aber soll das eigentlich sein, eine identitäre Bewegung? Auf ihrer Internetseite schreiben die Identitären, sie sprächen für eine Generation, die sich „entwurzelt“ fühle, die liberale Mainstream-Ideologie habe jungen Menschen die Möglichkeit genommen, sich mit einem Staat, einer Religion, einem „Ganzen“ zu identifizieren. Aufmerksamkeit haben die französischen Identitären vor allem mit ihrem Youtube-Video auf sich gezogen, in welchem junge Männer im schwarzweißen Close-up verkünden, sie seien die Generation der „aufgezwungenen Vermischung“, die gelernt habe, dass man „für einen falschen Blick getötet“ werden könne.

          Das von den Identitären empfohlene Gegenmittel nennt sich „Ethnopluralismus“, es sieht vor, dass die Völker Europas sich auf ihre jeweiligen Werte und Identitäten besinnen auf der Grundlage eines „territorialen Imperativs“ - so nannte es der Chef des französischen „Bloc Identitaire“ in einem Interview mit der rechtskonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Im Klartext also: jeder für sich und auf seinem Boden. Der Islam gehöre nicht nach Europa.

          Das „Lambda“ ist auch das Symbol der Homosexuellen-Bewegung

          Das zugrundeliegende Identitätskonzept ist brachial und unterkomplex, die Identitären vermeiden Begriffe wie „Rasse“ und ersetzen sie durch pseudodifferenzierte wie den einer regional verwurzelten „Fleischlichkeit“. Das alles ist nicht neu. Man kann es ähnlich bei Alain de Benoist nachlesen, dem Theoretiker der französischen „Nouvelle droite“. Ebenfalls nicht neu, aber im Zusammenhang rechtsextremen Protests zumindest feststellenswert sind die Anleihen bei eher linken Protestformen. Dass die Trennung als solche nun ins Differenzierungsgetriebe neuer politischer Ausdrucksformen gerät, muss man kaum noch erwähnen.

          Auch bei den Identitären gibt es „Flashmobs“, Guy-Fawkes-Masken und, vielleicht passender, Scream-Masken. Schwarz-gelbes Symbol der Bewegung ist der griechische Buchstabe Lambda, ein Haken im Kreis, bei Rechtsextremen vor allem wegen der amerikanischen Comicverfilmung „300“ beliebt, in der die zahlenmäßig unterlegenen Spartaner mit diesem Symbol auf dem Schild gegen persische Heerscharen kämpfen.

          Man fragt sich, ob die Identitären bei der Wahl ihres Logos recherchiert haben, dass dieses auch für die Schwulen- und Lesbenbewegung steht. Einer der Slogans ist „Hundert Prozent Identität, null Prozent Rassismus“. Aber der Bremer Ableger wurde gerade vom Verfassungsschutz als „rechtsextremistisch“ eingestuft, Begründer der dortigen Internetseite soll ein bekannter Rechtsextremer sein. Aus den Facebook-Kommentaren derjenigen zu zitieren, welche die Identitären „liken“ und zum Beispiel schreiben, man solle „das Gesocks“ einfach abschieben, könnte den Eindruck erwecken, man habe es mit als Anonymous verkleideten Schlägern zu tun. Sowohl Verteufelungen als auch Verharmlosungen bedeuten jedoch unbeabsichtigte Werbung für solche Gruppen. Berichterstattung über sie natürlich auch.

          So sei hier nur darauf hingewiesen, dass ein rechtsextremistischer Diskurs ein rechtsextremistischer Diskurs bleibt, auch wenn Springerstiefel out sind, auch wenn er sich differenziert und jugendlich gibt. Und als solcher muss er erkannt werden.

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