https://www.faz.net/-1v0-73m40

Doping-Skandal : Armstrong an den Lügendetektor

  • Aktualisiert am

Mehr als ein Test auf Herz und Nieren: Lance Armstrong soll an den Lügendetektor Bild: AFP

Der Radsport-Weltverband UCI gerät im Dopingskandal um Lance Armstrong immer stärker unter Druck. Der Anwalt des Amerikaners macht nun einen neuen Vorschlag, um die Unschuld seines Mandanten zu beweisen.

          2 Min.

          Der Skandal um Lance Armstrong zieht Kreise - und dabei gerät auch der Internationale Radsportverband (UCI) immer stärker unter Druck. Tyler Hamilton, ehemaliger Doping-Sünder, belastete die UCI jedenfalls wieder schwer. Er berichtete dem Fernsehsender CNN von einer weiteren positiven Doping-Probe bei seinem langjährigen Weggefährten Armstrong, die von der UCI kaschiert worden sei.

          „Im Jahr 1999 gab es einen positiven Test auf Kortison. Dieser wurde mit einem zurückdatierten Rezept verheimlicht. Die UCI wusste davon. Sie haben das akzeptiert“, sagte Hamilton, der früher bereits erklärt hatte, die UCI habe von einem positiven Test bei Armstrong aus dem Jahr 2001 bei der Tour de Suisse gewusst.

          Heftige Kritik an der UCI übte nun zudem abermals der britische Profi David Millar. Und auch Richard Pound, der frühere Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur, attackierte den Verband. „Es ist nicht glaubwürdig, dass sie von all dem nichts wussten. Ich hatte dies über Jahre bei der UCI reklamiert“, sagte Pound.

          Millar hat die Absetzung des Niederländers Hein Verbruggen als Ehrenpräsident des Weltverbandes gefordert. „Als Erstes muss die UCI Verbruggen aus seinem Amt entfernen. UCI-Präsident Pat McQuaid muss sich von seinem Vorgänger distanzieren, denn unter Verbruggens Präsidentschaft war es am schlimmsten und es gab außerdem die meisten Dementis zu Doping-Verdächtigungen. Verbruggen war der Kopf der Organisation mit dem größten Doping-Problem in der Geschichte des Sports“, behauptete Millar laut der englischen Tageszeitung „Daily Telegraph“.

          Bilderstrecke

          Verbruggen stand von 1991 bis 2005 an der UCI-Spitze. In seiner Ära installierten Armstrong und seine Gehilfen wie der Belgier Johan Bruyneel - er ist inzwischen sein Amt als Teamchef von RadioShack los - laut Akten der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (Usada) ein umfangreiches Doping-Netzwerk. Millar war selbst wegen Dopings zwei Jahre gesperrt.

          Die UCI scheint somit in einer Bredouille zu stecken. Der Verband, dem stets eine gewisse Nähe zu Armstrong nachgesagt wurde, muss sich innerhalb einer gewissen Zeit mit den schweren Anschuldigungen der Usada gegen den Texaner beschäftigen.

          Die Angelegenheit ist so brisant, dass die UCI vermutlich nicht umhin kommen wird, die Sanktionen der amerikanischen Doping-Jäger zu übernehmen. Sollten Armstrong tatsächlich alle sieben Tour-Siege zwischen 1999 und 2005 aberkannt werden, soll es in diesen Fällen keine Nachrücker geben.

          Dafür sprach sich Tour-Chef Christian Prudhomme aus, quasi als Mahnmal eines „verlorenen Jahrzehnts“. Eine Zeitung, die Londoner „Sunday Times“, verlangt inzwischen eine Million Dollar von dem Texaner zurück. Diese Summe hatte Armstrong 2004 in einer Klage gegen das Blatt erstritten; in Artikeln war Armstrong des Dopings bezichtigt worden.

          „Es macht mich traurig“

          Wegen der umfassenden Enthüllungen in der Causa Armstrong hat nun ein weiterer früherer Mitstreiter des Amerikaners, Matt White, die Einnahme verbotener Mittel zugegeben; White räumte daraufhin seine Posten als Sportdirektor des australischen Teams GreenEdge und bei seinem Heimatverband. „Es macht mich traurig zu bekennen, dass ich Teil einer Mannschaft war, in der Doping Bestandteil der Teamstrategie war.“

          Armstrong selbst, der von der Usada sogar des Meineids überführt werden könnte, schweigt weiter zu dem mehr als 1000 Seiten starken Dokument der Usada. Via Twitter verwies der Texaner lediglich auf die Erfolge seiner Stiftung „Livestrong“, die ihr 15-jähriges Bestehen begeht. „So stolz auf das, was wir zusammen erreicht haben“, schrieb Armstrong, dessen Anwalt Tim Herman jetzt darauf hinwies, dass sein Mandant seine Unschuld eventuell durch einen Lügendetektor beweisen wolle.

          Eigenwillig reagierte jetzt auch ein ehemaliger Verantwortlicher von Telekom/T-Mobile auf die Schatten der Armstrong-Zeit. Trotz des harten Konkurrenzkampfes „hatten wir nie Zweifel“, im eigenen Team dopingfrei unterwegs zu sein, behauptete Jürgen Kindervater, einst Kommunikationschef bei dem Bonner Konzern. Von dem Belgier Rudy Pevenage, einem der engsten Vertrauten von Jan Ullrich, hatte man das ganz anders gehört.

          Topmeldungen

          Ermittlungen: Apotheker und Ärzte werfen dem Angeklagten vor, Verfahren gegen sie aufgebläht zu haben (Symbolbild).

          Frankfurter Korruptionsaffäre : Mediziner erheben schwere Vorwürfe

          In der Korruptionsaffäre um einen Frankfurter Oberstaatsanwalt sollen Ermittlungen nur geführt worden sein, um Geld zu generieren. Das könnte sich noch zu einem weitaus größeren Skandal auswachsen.