https://www.faz.net/-1v0-7kw81

„Dinner for one“ auf Kölsch : Miss Sophie im Karneval

  • Aktualisiert am

Ralf Schmitz und Annette Frier dinieren und servieren „op kölsch“ Bild: dpa

Der Silvester-Klassiker „Dinner for one“ erhält im Jubiläumsjahr auch eine kölnische Variante - dicht am Original, aber mit Karnevalsanleihen und Geißbockfell.

          Ist nicht jede Suppe einmal ausgelöffelt? Keine Sorge, wir plädieren nicht für das Ende des „Dinner for One“-Kultes. Freddie Frinton und May Warden mögen sich weiter Jahr für Jahr auf den dritten Programmen in Schlafzimmerlaune trinkstolpern. Aber in ihrer Gegessen-wird-was-auf-den-Tisch-kommt-Mentalität stellen uns silvesterböllerig gelaunte Programmchefs immer weitere Same-Procedere-Töpfe vor die Nase, bis der letzte Zuschauer stöhnt: „Oh, must I, Miss Sophie?“

          Nach Adaptionen auf Schweizerdeutsch, auf Plattdeutsch, auf Rheinhessisch und auf Nordhessisch, auf Sächsisch, auf Fränkisch, auf Schwäbisch, auf Ruhrgebietisch und auf Gothaer Mundart, nach Erkan und Stefans „Döner for One“, nach der Stefan-Raab-Bully-Herbig-Version (mit Elton als Tigerfell), nach Otto Waalkes „Miss-Otti“-Geburtstagsschmaus mit den Geistern von Heinz Erhardt, Rudi Carell, Hans Moser und Heinz Rühmann, bei dem Ralf Schmitz als Butler fungierte, nach all diesen Suppenaufwärmungen kommen zum fünfzigsten Jubiläum des neunzigsten Geburtstags nun also noch die Kölner um die Ecke, denen eine propere kölsche Drink-doch-ene-met-Variante fehlte.

          Mit echtem Tigerfell: Freddie Frinton als Diener James im Original aus dem Jahr 1963

          Zwar gibt es seit zwei Jahrzehnten einen ziemlich kölschen Absacker-for-One-Sketch aus der „Stunksitzung“, der auch ständig im Lokalfernsehen wiederholt wird, aber ein betrunkenes Funkenmariechen am Aschermittwoch, das ist doch recht weit von der Heinz-Dunkhase-Vorlage entfernt. So musste für das WDR-Fernsehen Ralf Schmitz noch einmal ran als Butler und trefflicher Stimmenimitator. Annette Frier spielt eine senile Version ihrer selbst, und FC-Geißbock Hennes dient als Stolperfell. Das Essen findet 2064 statt, der 1. FC Köln ist Meister, die U-Bahn ist immer noch nicht fertig, und bei den Gästen handelt es sich um lebende Tote: Hans Süper (in Köln ein Held des Karnevals), Alfred Biolek und Reiner Calmund. Allein Dirk Bach, auf der Sir-Toby-Position „Stößchen Popöchen“ rufend, weilt schon heute nicht mehr unter uns.

          Das im Kölner „Gloria“ nachgebaute Ambiente und der Plot ähneln stark dem Original, das Kölsch ist eine fernsehtaugliche Version des Dialekts, und wenn statt des Gongs ein Karnevalstusch erklingt, liegt das Kölner Publikum bereits am Boden. Auf diesem Niveau sind sämtliche Renovierungen: Es heißt „Alaaf“ statt „Skol“, es setzt „Dat Kostümsche sitz jet spack“-Kommentare, serviert werden Ähzezupp (Erbsensuppe) oder Himmel un Ääd, die Anreden lauten „Du lecker Frikadellsche du“. Aber wenn das auch im Vergleich zur Mulligatawny-Originalsuppe wie das Kölner Käsebrötchen „Halver Hahn“ anmutet, haben Schauspieler und Publikum hier so viel Spaß, dass wir artig die Hacken zusammenschlagen und mit Admiralsschneidigkeit „ne jode Appetik“ wünschen.

          Topmeldungen

          Anwalt Michael Cohen : Tricksen für Trump

          Der ehemalige Anwalt des Präsidenten soll vor dem Wahlkampf eine Firma bezahlt haben, Online-Umfragen für Trump zu manipulieren. Für Cohen sprang ein Fake-Fanclub heraus, dessen Huldigungen immer noch online sind.