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: Die Quote macht den Zucker knapp

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jagr. FRANKFURT, 3. Dezember. Die Süßwarenindustrie klagt kurz vor Weihnachten über Zuckerknappheit und macht Brüssel dafür verantwortlich.

          jagr. FRANKFURT, 3. Dezember. Die Süßwarenindustrie klagt kurz vor Weihnachten über Zuckerknappheit und macht Brüssel dafür verantwortlich. Die EU-Zuckerquote habe schon zu ersten Insolvenzen in der Branche geführt. Einige Hersteller bekämen nicht mehr genügend Zucker und müssten die Produktion drosseln, etwa für den Export, sagte eine Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). In manchen Regionen gebe es einen starken Engpass, bestätigte ein Sprecher des Konzerns August Storck KG. „Für manche Unternehmen war es ausgesprochen schwierig, die benötigten Mengen zu bekommen.“

          Es war eine bewusste politische Entscheidung, Zucker von 2006 an künstlich zu verknappen. Seitdem dürfen nur noch 85 Prozent der in der EU für die Nahrungsmittelherstellung verbrauchten Menge aus EU-Erzeugung kommen. Der Rest soll vor allem aus Schwellen- und Entwicklungsländern kommen, um diese in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zu fördern, lautete das Hauptargument.

          Seitdem stiegen die Preise tendenziell. Die Verteuerung führte angeblich sogar zu ersten Firmeninsolvenzen. Die drei - freilich kleinen - Bonbon- oder Zuckerwarenfabriken Sadex (Brausestäbchen), Henri (Bonbons) und Sugar and Fruits (Flüssigzuckerprodukte) hätten in den vergangenen Monaten aufgeben müssen, Insolvenz beantragt oder angekündigt, die Produktion einzustellen, heißt es beim BDSI. Mit dem Verweis auf hohen Preisdruck im Lebensmittelhandel und zugleich teurer werdendem Zucker hatte vor wenigen Tagen auch Bahlsen bekanntgegeben, kein Weihnachtsgebäck mehr für den deutschen Markt herzustellen. Zum Jahresende will die Hirsch GmbH ihre Bonbonfabrik Henri schließen, die noch rund 50 Mitarbeiter beschäftigt. Die Schließung beruhe „ausschließlich auf den extremen Preissteigerungen der Rohstoffe, hauptsächlich Zucker“, behauptet das Unternehmen. Zucker sei für Henri im vergangenen Jahr 50 Prozent und in diesem Jahr noch einmal 5 Prozent teurer geworden. Und auch der Insolvenzverwalter von Sadex nannte den Zuckerpreisanstieg als Grund.

          Die Branche, die an sich gute Geschäfte macht und auch einen großen Teil der Erzeugnisse ins Ausland verkauft, sieht weitere Wolken aufziehen. Erstmals seit vielen Jahren ging zuletzt die Ausfuhr von Süßwaren aus Deutschland im ersten Halbjahr laut Statistischem Bundesamt zurück - um rund 7 Prozent im Vorjahresvergleich. Das liegt zwar allen voran, gibt der Lobbyverband BDSI zu, an der Rezession und Kaufzurückhaltung in Südeuropa. Aber auch der Export in Drittstaaten nahm leicht ab. Und der Grund hierfür sei „insbesondere der Zuckerengpass“, meint Klaus Reingen, der Hauptgeschäftsführer des Verbands. Denn in Asien oder Osteuropa konkurrierten deutsche Hersteller mit Unternehmen, die mehr günstigeren Zucker auch in nicht „quotierten“ Märkten beziehen. Schon vor Wochen hatte schon der Aachener Gebäckhersteller Lambertz Kritik an der künstlichen Verknappung von Zucker geäußert und gesagt, für viele Unternehmen gehe es an die Existenz (F.A.Z. vom 5. Oktober).

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