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Leistungszentrum in Frankfurt : DFB beschließt „Jahrhundertprojekt“

Dieses Bild wird es in Frankfurt ab 2016 nicht mehr geben: Die Galopprennbahn weicht einem DFB-Zentrum. Bild: dpa

Der Deutsche Fußballbund will bis 2018 ein Leistungszentrum und die Zentrale auf dem Gelände der Frankfurter Galopprennbahn in Niederrad bauen.

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          Auch der Ort, an dem eine Nachricht verkündet wird, hat seine Symbolik: Dass im Kaisersaal im Frankfurter Römer eine Pressekonferenz stattfindet, ist eine Seltenheit. Für den Deutschen Fußball-Bund machte der Magistrat gestern eine Ausnahme vom Protokoll. Schließlich hatte das DFB-Präsidium wenige Stunden zuvor entschieden, bis 2018 für 50 Millionen Euro seine Fußballakademie auf dem Gelände der Galopprennbahn in Sachsenhausen zu errichten, die zu diesem Zweck aufgegeben wird. Auch die Zentrale des Verbands soll von der Otto-Fleck-Schneise auf das Gelände der Rennbahn ziehen und für weitere zehn Millionen Euro gebaut werden.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf dem südlichen Drittel der Rennbahn stehen rund 15 Hektar für die „Fußballstadt“ zur Verfügung. Zu Jahresbeginn 2016 erhält der DFB das Grundstück, Mitte 2016 tritt dann voraussichtlich der Bebauungsplan in Kraft. Die Akademie soll über Fitness- und Besprechungsräume, ein Athletenhaus, eine Turnhalle, einen großen Fußballplatz und drei kleinere Trainingsfelder verfügen. Außerdem soll es ein Beachsoccer-Feld und einen Laufhügel geben. In Abstimmung mit dem DFB will die Stadt einen Planungswettbewerb ausloben, um Fragen der städtebaulichen und architektonischen Gestaltung zu lösen. Auf den übrigen zwei Dritteln der Rennbahn soll ein Park angelegt werden. „Idealerweise rollen 2017 die Bagger“, sagte der DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock.

          Große Dankbarkeit gegenüber der Stadt

          Wie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sagte, ist die Entscheidung, auf die Rennbahn zu ziehen, „einstimmig, einmütig und mit voller Überzeugung“ gefallen. Es handele sich um ein Jahrhundertprojekt auf einem einmalig schönen Gelände. „Wir nehmen das Angebot der Stadt mit großer Dankbarkeit an“, sagte er.

          Für welche Summe der DFB das Gelände in Erbpacht erwirbt, steht noch nicht fest. Frankfurts Sportdezernent Markus Frank (CDU) sprach von einem „äußerst attraktiven“ Preis. Die Stadt habe dem DFB mit der Rennbahn ein Angebot machen wollen, „das er nicht ablehnen kann“. Sonst wären andere Städte zum Zug gekommen. Der Mehrwert für Frankfurt liege in der sportpolitischen Bedeutung. Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) zufolge muss die Höhe der Erbpacht noch verhandelt werden. „Wir werden aber mehr einnehmen als mit der alten Nutzung“, sagte er. Der Rennbetrieb auf dem Gelände ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen.

          Bierhoff: „Leidenschaft“ bei der Stadt Frankfurt

          Frank zufolge geht die Ansiedlung der DFB-Akademie auf eine Initiative vor fünf Jahren zurück. Damals habe er gemeinsam mit der damaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) einen Brief an den DFB geschrieben und Unterstützung auf der Suche nach einem passenden Standort für ein Leistungszentrum angeboten. Eine Sportstadt wie Frankfurt müsse sich immer wieder neu erfinden, sagte er. „Wir hätten mit der Rennbahn allergrößte Probleme bekommen.“ Die Entscheidung, die „Kaderschmiede des Deutschen Fußballs“ nach Frankfurt zu bringen, gebe der Stadt Sicherheit.

          Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff sagte, er habe „Leidenschaft“ bei der Stadt gespürt. Er beschrieb die DFB-Akademie nicht als Sportschule, sondern als Campus ähnlich einer kleinen Privat-Universität. Die Nationalmannschaften sollen dort optimale Bedingungen vorfinden und vor Heimspielen die Leistungstests absolvieren. Die DFB-Akademie soll drei Schwerpunkte haben: Aus- und Fortbildung, Forschung und Entwicklung sowie Elite-Förderung. Auch die Trainerausbildung soll künftig dort stattfinden.

          Was mit dem übrigen Gelände der Rennbahn geschieht, steht noch nicht fest. Von der Beibehaltung des Golfplatzes bis hin zur Anlage eines Sportparks ist vieles möglich. Auch über ein Angebot für therapeutisches Reiten werde nachgedacht, sagte Frank. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) sagte, sie wolle aus dem Gelände einen „place to be“ machen, ähnlich wie es mit dem Hafenpark schon gelungen sei. Sport und Naturschutz seien kein Gegensatz. „Wir wollen das Gelände für die Menschen in Niederrad öffnen“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der von einer „phantastischen Entscheidung für die Stadt“ sprach. „Wir betrachten uns als Heimathafen des deutschen Fußballs“, sagte er.

          Wohnungsbau schließt die Stadt auf der zum Grüngürtel zählenden Fläche aus. Die Tribüne des Rennvereins kann in den DFB-Stützpunkt integriert werden, die Driving Range des Golfplatzes ist allerdings im Weg. Auch die Nachnutzung der DFB-Zentrale im Stadtwald ist noch offen. Dezernent Frank berichtete, auch andere Verbände wie der Deutsche Olympische Sportbund seien „sehr expansiv“.

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