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Deutsche Bank : Die Aktionäre verlieren die Geduld

Drei Freunde: Die Ko-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen (rechts) und Anshu Jain (links) mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner Bild: dpa

Rechtsrisiken kosten die Deutsche Bank Milliarden. Die dafür verantwortlichen Investmentbanker verdienen Milliarden. Auf der Hauptversammlung bekommt der Vorstand die Wut der Anteilseigner zu spüren.

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          Die Aktionäre der Deutschen Bank verlieren die Geduld. Die beiden Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen mussten sich auf der Hauptversammlung harte Kritik an den hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten, der starken Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Investmentbanking, der überraschend hohen Kapitalerhöhung und der Anhebung der Boni-Grenze auf das Doppelte des Fixgehalts anhören. Vor allem die Belastungen durch die Rechtsrisiken und der damit verbundene Rufschaden beunruhigt die Anteilseigner. „Die Rechtsstreitigkeiten beschädigen nicht nur die Reputation, sondern fressen inzwischen mehr als die Hälfte des Betriebsergebnisses“, kritisierte Ingo Speich von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. „Die Deutsche Bank ist eine Rechtsabteilung mit angeschlossenem Bankgeschäft“, sagte Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW).

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffe eine riesige Lücke, warf Speich dem Vorstand vor und verwies dabei auf den niedrigen Börsenwert von 31 Milliarden Euro, mit dem die Deutsche Bank unter den Banken der Welt nur auf Rang 44 liegt. „Das beunruhigt uns in höchstem Maße“, sagte Nieding. Es müssten endlich gute Nachrichten her, forderte Speich. Einige Aktionäre vermissten eine klare Linie und verlässliche Kommunikation. Noch Anfang des Jahres hatten Jain und Fitschen eine Kapitalerhöhung ausgeschlossen. „Offenheit und Ehrlichkeit auch bei schlechten Nachrichten – das ist Kulturwandel“, sagte Nieding unter großem Beifall der Aktionäre. Zuvor hatte Jain, der wie schon im Vorjahr seine Rede auf Deutsch vorlas, unter anderem für Vertrauen geworben, „weil wir das, was wir gesagt haben, auch tun – Schritt für Schritt“. Er wurde kurz nach Beginn seiner Rede von linken Bankenkritikern unterbrochen. Jain räumte ein, dass einige Herausforderungen größer seien als erwartet. Er ging aber nicht auf die Rechtsrisiken und deren Kosten ein, obwohl diese größtenteils dem Investmentbanking, das er bis Juni 2012 geleitet hatte, zuzuordnen sind.

          „Den Aktionären und Investoren reißt langsam der Geduldsfaden“, sagte Fondsmanager Speich zu den Rechtsproblemen. „Wenn Vorstand und Aufsichtsrat jahrelang nichts von den Verfehlungen im eigenen Unternehmen wissen, läuft grundsätzlich etwas schief.“ Auch Nieding griff die Verantwortung von Mitgliedern des Vorstands und des Aufsichtsrats auf. Der Applaus für die kritischen Redebeiträge der Aktionärsvertreter fiel deutlich lauter aus als für die Vorstände.

          350 Millionen Euro für Anwälte und Rechtsberatung

          Zu Beginn der Hauptversammlung hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner für die Stärkung des Investmentbanking und die damit verbundene Kapitalerhöhung geworben. „Wir erleben im Internet, was es bedeutet, wenn kein europäischer Wettbewerber mehr vertreten ist“, warnte er mit Blick auf Google oder Amazon. Für die Kapitalerhöhung über 8 Milliarden Euro – davon gehen 1,75 Milliarden Euro an den neuen Ankeraktionär aus Qatar, Hamad Bin Dschassim Al Thani – schöpft der Vorstand die Ermächtigung aus der Hauptversammlung des Vorjahres aus. Den Schritt führte Fitschen auch auf die schwer abschätzbaren Kosten für Rechtsstreitigkeiten und möglichen neuen Anforderungen der Aufsichtsbehörden zurück. Die bisher angefallenen Kosten für neue Regulierungsvorschriften bezeichnete er als beträchtlich. Hinzu kommen in den beiden vergangenen Jahren Kosten für Rechtsstreitigkeiten, also Bußgelder und Vergleiche, von mehr als 5 Milliarden Euro. Den Aufwand für Anwälte und Rechtsberatung bezifferte Finanzvorstand Stefan Krause für das Jahr 2013 auf 350 Millionen Euro.

          Derzeit ist die Bank in mehr als 1000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt, die einen Streitwert von mindestens 100.000 Euro haben. Zudem ermitteln Aufseher in 118 Verfahren. Am Montag hatte Krause gegenüber Analysten auf Rechtsrisiken in den Vereinigten Staaten hingewiesen. Dort droht der Bank eine Strafe wegen der Absprachen bei Interbankenzinsen wie dem Libor. Aber auch die Manipulationen am Devisenmarkt oder Verstöße gegen Embargovorschriften können teuer zu stehen kommen.

          Kritik an Löhnen im Investmentbanking

          Nach den Worten von Jain ist die Kapitalerhöhung notwendig, um auf die strengeren aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalregeln zu reagieren, um sich im Wettbewerb noch besser aufzustellen und in das Wachstum der Kerngeschäfte zu investieren. Auf den Rückzug europäischer Wettbewerber wie Barclays oder UBS aus Teilen des Investmentbanking wies Fitschen hin. Seiner Ansicht nach ist die Deutsche Bank die einzige europäische Bank, die als Universalbank eine global führende Rolle spielen kann. Jain und Fitschen setzen auf das Geschäftsmodell der Universalbank, die das klassische Kundengeschäft mit dem kapitalmarktabhängigen Investmentbanking verknüpft.

          Doch die hohen Boni und Gehälter der Investmentbanker – im vergangenen Jahr insgesamt 4,5 Milliarden Euro, davon 2,1 Milliarden an Erfolgsprämien – können viele Aktionäre nicht nachvollziehen. Denn der Bereich ist für die hohen Rechtsrisiken verantwortlich. An die Aktionäre schüttet die Bank vom Gewinn des Vorjahres nur 765 Millionen Euro aus. DSW-Vertreter Nieding äußerte deshalb kein Verständnis für die Anhebung der Boni-Grenze auf das Doppelte des Fixgehalts. Dass die Dividendenausschüttung schon im zweiten Jahr höher ausfällt als der Nettogewinn und damit aus der Substanz gezahlt wird, stieß angesichts der Kapitalerhöhung ebenso auf Kritik. Letztlich stimmten aber 91 Prozent der Anleger einer Anhebung der Bonus-Obergrenze zu, nötig waren mindestens 75 Prozent.

          Die Abstimmung war notwendig, um die EU-Vorgabe zu umgehen, wonach die Boni nur noch dem Grundgehalt entsprechen dürfen. Allerdings ist damit auch eine Anhebung der Fixgehälter verbunden, damit das maximal mögliche Vergütungspaket gleich bleibt. Jain und Fitschen sollen deshalb ein um zwei Drittel höheres Grundgehalt von 3,8 Millionen Euro erhalten.

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