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: Der Schiedsrichter und seine heimlichen Vorgesetzten

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Alle zwei Wochen gehe ich mit ein paar Freunden zu den Spielen von Hellas Verona ins Bentegodi-Stadion. Vor Spielbeginn werden wir an diverse Verbote erinnert. Wir dürfen keine Gegenstände auf den Rasen werfen.

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          Alle zwei Wochen gehe ich mit ein paar Freunden zu den Spielen von Hellas Verona ins Bentegodi-Stadion. Vor Spielbeginn werden wir an diverse Verbote erinnert. Wir dürfen keine Gegenstände auf den Rasen werfen. Rassistische Parolen und Verunglimpfungen der gegnerischen Mannschaft werden mit Stadionsperre geahndet. Was wir tatsächlich erlebt haben, denn in diesem Jahr fanden zwei Spiele vor leeren Rängen statt. Außerdem sollen wir unser Team "sportlich und fair" unterstützen, was immer das heißt. Schlechtes Verhalten ist offenbar leichter zu definieren als gutes. Niemand hört hin. Niemand glaubt, daß unser Stadion einzig wegen rassistischer Parolen bestraft wurde, denn die gleichen Parolen haben in anderen Stadien - San Siro, dem Olimpico - nicht zu ähnlichen Strafen geführt.

          Der Schiedsrichter pfeift das Spiel an. Für die Zuschauer ist er ein Mann von großer Autorität, der über ein beeindruckendes Repertoire an gebieterischen Gesten verfügt. Seine Aufgabe ist es, für ein faires Spiel zu sorgen und zu verhindern, daß es in Krieg ausartet. Seine Entscheidungen gelten. Als unser Kapitän gegen einen reichlich spät gegebenen Elfmeter protestiert, reckt sich ein langer schwarzer Arm mit der Roten Karte in die Luft. Platzverweis! Als sich in der Kurve spöttisches Geraune erhebt, notiert er das in seinem kleinen Heft. Alle haben sich anständig zu benehmen.

          Stets erfahren wir, woher der Schiedsrichter kommt - aus einem Ort, der weit entfernt ist von den beiden Teams. Das soll uns die Gewißheit geben, daß der Mann wirklich unparteiisch ist. Wer sich fragt, warum die eigene Mannschaft so viele Gelbe Karten sieht, weiß also, daß seine Überlegungen reinste Paranoia sind. Der Schiedsrichter muß einfach unparteiisch sein, das verlangt sein Beruf. Diesen Mann, dessen ganzes Auftreten Autorität ausstrahlt, kann doch niemand unter Druck setzen oder einschüchtern.

          Falsch. Heute wissen wir, daß das Gegenteil der Fall ist. Der Schiedsrichter wird in der Kabine von dem einen oder anderen Clubmanager zur Schnecke gemacht. Er wird am Telefon bedroht. Er weiß, daß er für ein Spiel nominiert wurde, weil ein bestimmtes Ergebnis gewünscht wird. Und wenn die Dinge nicht völlig klar sind, überlegt er, welches Ergebnis sich diejenigen wünschen, die die Macht haben, ihm Arbeit zu geben. Macht er einen Fehler auf Kosten der Mannschaft, die gewinnen soll, wird man ihn beschimpfen, ihn beleidigen; macht er einen Fehler auf Kosten der Mannschaft, die verlieren soll, wird man ihn loben. Ihn interessiert also nicht die Fairness der Spieler, sondern das Lob seiner "Vorgesetzten". Seine imposanten Handbewegungen auf dem Spielfeld sind womöglich nur eine kleine Entschädigung für seine Ohnmacht außerhalb des Stadions.

          Wirklich aufschlußreich an diesem Skandal ist nicht das Verhalten von Juventus-Manager Luciano Moggi, der mehr oder weniger festlegte, wer welches Spiel mit welchem Ergebnis pfeifen würde. Es wird immer irgendeinen Boss geben, der seinen Willen rücksichtslos durchsetzt. Nein, bemerkenswert ist, daß sich kein einziger Schiedsrichter zu Wort gemeldet hat. Diese Männer, die so gern ihre entschiedene Autorität herauskehren, waren nicht bereit, auch nur ein Wort über den Druck zu verlieren, dem sie ausgesetzt sind. Seit Jahren. Alle wußten Bescheid, auch Collina. Collina war sich gewiß im klaren darüber, daß er dank seines Renommees eine Freiheit genoß, die seine Kollegen nicht hatten. Er war das Feigenblatt des Systems. Doch die Vorstellung, seine herausragende Stellung zu nutzen, um eine grundlegende Erneuerung herbeizuführen, war ihm offenbar fremd.

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