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: Der RAG-Konzern arbeitet weiterhin am Börsengang

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St. ESSEN, 31. Mai. Unter dem vor zwei Jahren als Vorstandsvorsitzender der RAG AG angetretenen früheren Wirtschaftsminister Werner Müller hat der Essener Energie- und Bergbaukonzern den tiefsten und umfassendsten Umbau seit der Gründung im Jahr 1969 weitgehend vollzogen.

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          St. ESSEN, 31. Mai. Unter dem vor zwei Jahren als Vorstandsvorsitzender der RAG AG angetretenen früheren Wirtschaftsminister Werner Müller hat der Essener Energie- und Bergbaukonzern den tiefsten und umfassendsten Umbau seit der Gründung im Jahr 1969 weitgehend vollzogen. "Grob betrachtet, sind wir jetzt fit für die Börse, einiger Feinschliff bleibt noch notwendig", hat der frühere Bundeswirtschaftsminister auf seiner zweiten Bilanzpressekonferenz erklärt.

          Die Umstrukturierung, die aus dem Rückzug aus 280 Gesellschaften mit 4,5 Milliarden Umsatz und 22000 Beschäftigten, dem Abbau der Schulden um 2,7 Milliarden Euro, der organisatorischen Neuaufstellung der Teilkonzerne Energie (Steag) und Bergbau (Deutsche Steinkohlen AG) sowie starken Veränderungen auf den oberen Führungsebenen bestand, dient nach Müllers Darstellung durch die damit erreichte erheblich höhere Ertragskraft dem Ziel, die RAG an die Börse zu bringen. Weil das Börsenkonzept, das die Übertragung des Haftungsverbundes auf die öffentliche Hand vorsieht, jeder Art von Steinkohlepolitik diene, also der geordneten Stilllegung der noch neun deutschen Zechen ebenso wie dem Erhalt eines Restsockels, hofft Müller auf politische Unterstützung auch nach dem Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen und der vorgezogenen Bundestagsneuwahl (siehe Porträt).

          Der RAG-Chef unterstrich das Recht der Bundesregierung, die Kohlepolitik festzulegen, und somit auch ihr Recht, die deutschen Zechen zu schließen. Aber er forderte, daß die festen Finanzierungszusagen bis zum Jahr 2012 mit verbindlichen Zuwendungsbescheiden bis Ende 2008 auf jeden Fall eingehalten werden. Zu der Diskussion über angeblich wegen der anziehenden internationalen Kohlepreise ungerechtfertigt hohen Zuschüsse bezeichnete der RAG-Chef die von einem Forschungsinstitut unlängst auf rund eine Milliarde Euro bezifferten überhöhten Subventionen als völlig falsch. Die Abrechnung werde über den Förderzeitraum 1998 bis 2005 erstellt. "Über all diese Jahre zusammen haben wir weniger Beihilfen erhalten, als wir hätten bekommen müssen", versicherte Müller.

          Aus rohstoffpolitischen Gründen will die RAG die Vorbereitungen zum Bau einer neuen Kokskohlenzeche am östlichen Ruhrgebiet vorantreiben. Obwohl die Suche nach privaten Investoren für dieses Werk erst in einigen Jahren anstünde, habe es bereits erste ernst zu nehmende Anfragen gegeben. Wenn der Weltkokspreis noch einige Jahre über den 190 Euro je Tonne liegen werde, die die RAG beim Bau dieser neuen Zeche langfristig garantieren will, dann werde das Projekt noch mehr Zustimmung erhalten, erwartet Müller. Von der geplanten Kapazitätsverdoppelung in der letzten RAG-Kokerei in Bottrop hat sich das Unternehmen allerdings verabschiedet. Da der Thyssen-Krupp-Konzern, der ein großer Abnehmer dieser Kokerei ist, nun selbst eine eigene Anlage in Duisburg erweitern will, drohe die Gefahr der Überkapazität.

          Bei den vor gut einem Jahr mit dem RWE-Konzern begonnenen Verhandlungen über ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau neuer Steinkohlenkraftwerke in Deutschland sieht die RAG nach einem erneuten Wechsel der RWE-Verhandlungsführung wieder bessere Chancen für eine Einigung.

          Der Konzernabschluß 2004 ist von einer Fülle von Sonderfaktoren geprägt. Nach dem Zukauf von Degussa-Aktien ist dieser Spezialchemiekonzern nun die mit Abstand größte Tochtergesellschaft. Obwohl 2004 nur für sieben Monate konsolidiert, bestimmen ihre Zahlen den kräftigen Anstieg bei Umsatz, Ergebnis, Zinsaufwand oder Mitarbeitern. Die Degussa hat ihr Ergebnis gegenüber dem schwierigen Jahr 2003 zwar erheblich verbessert, aber sie wird wegen der starken Verteuerung ihrer Rohstoffe wahrscheinlich auch 2005 noch nicht ganz ihre Kapitalkosten verdienen. Müller bekundete zwar Interesse für das 46 Prozent betragende Degussa-Paket, das der Energiekonzern Eon spätestens 2007 verkaufen will. Aber er ließ offen, ob die RAG dann zukaufen wird.

          Nach einem kleinen Jahresfehlbetrag 2003 zeigt die RAG nun zwar 114 Millionen Euro Konzernüberschuß. Aber nach Berücksichtigung der Ansprüche Dritter bleibt dennoch ein, wenngleich um 53 Millionen auf 13 Millionen Euro verringerter Konzernverlust. Dafür hat der Konzern im ersten Quartal ein Vorsteuerergebnis von 194 Millionen Euro erwirtschaftet und damit die Planung um 81 Millionenübertroffen.

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