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: Der politische Kandidat Skrzypek

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Ein langjähriger Vertrauter des polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski wird wahrscheinlich in Zukunft die Polnische Nationalbank leiten. Kaczynski schlug am Mittwochabend überraschend Slawomir Skrzypek als neuen Notenbankgouverneur ...

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          Ein langjähriger Vertrauter des polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski wird wahrscheinlich in Zukunft die Polnische Nationalbank leiten. Kaczynski schlug am Mittwochabend überraschend Slawomir Skrzypek als neuen Notenbankgouverneur vor, den niemand der Beobachter bislang auf der Rechnung hatte. Skrzypek soll Leszek Balcerowicz ablösen, der bei der konservativen Regierung wegen seiner strikt stabilitätsorientierten Geldpolitik und wegen seiner marktliberalen Haltung in Ungnade gefallen war.

          Der 42 Jahre alte Skrzypek ist bislang mit Kommentaren zur Geldpolitik nicht aufgefallen. Volkswirte von privaten Banken zeigten sich über die Nominierung entsprechend überrascht. Skrzypek hat in Warschau Volkswirtschaftslehre und an der Universität von Wisconsin Betriebswirtschaftslehre studiert. Er wird als Manager beschrieben, dessen Erfahrung im Bankwesen vergleichsweise dünn sei. Seit September hilft er zwar als amtierender Vorstandsvorsitzender des größten Kreditgebers im Land, der staatseigenen PKO Bank Polski, aus. Bekannt ist der Kandidat aber vor allem als Stellvertreter Kaczynskis in den Jahren 2002 bis 2005, als dieser Bürgermeister von Warschau war. Erfahrungen hat der Nominierte zudem als früheres Vorstandsmitglied der Polnischen Eisenbahngesellschaft. Die Zustimmung des Parlaments zu Skrzypek gilt angesichts der Mehrheit der Regierungskoalition als sicher, wenn auch Oppositionspolitiker bestreiten, dass er die notwendige Qualifikation für das Amt mitbringt. Unklar ist, ob die Bestätigung rechtzeitig zum 10. Januar erfolgen kann. Dann endet die sechs Jahre dauernde Amtszeit des bisherigen Notenbankgouverneurs Balcerowicz.

          Skrzypek ist nicht die erste Wahl des polnischen Präsidenten. Im Dezember hatte Kaczynski den Wirtschaftsprofessor Jan Sulmicki präsentiert, der nach zwei Tagen aus familiären Gründen von der Nominierung zurücktrat. Kaczynski wünscht sich einen Notenbankpräsidenten, der im scheinbaren Gegensatz von Preisstabilität und Wirtschaftswachstum mehr Wert auf das Wachstum legt und nicht so vehement wie Balcerowicz für die Einführung des Euro in Polen eintritt. Balcerowicz, der in den neunziger Jahren als Finanzminister Polen mit einer Schocktherapie erfolgreich in die Marktwirtschaft führte, war dem Präsidenten und seinem Zwillingsbruder, Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski, immer ein Dorn im Auge gewesen, zumal er unerbittlich für eine solide Finanzpolitik eintritt. Im vergangenen Jahr eskalierten die Querelen im Streit über die Fusion zweier Tochtergesellschaften der italienischen Großbank Unicredit. Die Regierung will der Notenbank die Bankenaufsicht entziehen und sinniert über eine Änderung des Mandats der Notenbank. Balcerowicz sieht deren Unabhängigkeit in Gefahr und wird darin von der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Kommission unterstützt.

          Skrzypek erklärte in einer Stellungnahme, die auf der Internetseite des polnischen Präsidenten veröffentlicht wurde, er wolle den Wert des Zloty und das Wirtschaftswachstum schützen, wenn dies nicht zu größeren Inflationsgefahren führe. Er sei für eine stabile und glaubwürdige Geldpolitik und gegen rasche Änderungen in dieser Hinsicht. An den Finanzmärkten wurde die Nominierung Skrzypeks dennoch mit Skepsis aufgenommen. Der Wert des Zloty verlor gegenüber dem Euro deutlich; der Kurs fiel auf ein Zweimonatstief. (pwe.)

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