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Der Gipfel ist erreicht : Die Art Basel ist die Art Basel ist die Art Basel

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Diese Messe kann nur noch sich selbst überbieten: Die 45. Ausgabe der weltbesten Leistungsschau ist auf der Höhe der Zeit - und der Preise.

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          Weil das ja längst alle interessiert, auch die, die bloß zuschauen: Angeführt wird die preisliche Hitliste von einem der späten Perücken-Bilder Andy Warhols, „Self-Portrait (Fright Wig)“ von 1986 in Pink, das die Skarstedt Gallery aus New York und London als verkauft meldet, zu einem asking price um 35 Millionen Dollar; selbstredend ist der Käufer ungenannt. Asking price - also die Summe, die von den Galeristen und Händlern in den Raum gestellt wird auf Nachfrage - ist das aktuelle Zauberwort seit Dienstag in Basel. Wie viele Dollars am Ende tatsächlich über den Tisch gehen, steht freilich auf einem anderen Blatt, dem des Kaufvertrags. Gern gesagt sind daneben zierliche Umschreibungen wie north of (es folgt die eine oder andere Million) oder, besonders kess, several millions (wer achtet schon so genau darauf).

          Die Art Basel steht an ihrem Zenit, bereits während der VIP-Previews - für das allgemeine Publikum eröffnete die Messe erst am Donnerstag -, jedenfalls was die laufend genannten Abschlüsse angeht: Damien Hirsts Arzneischrank „Nothing is a problem for me“ von 1992 für just under (klingt irgendwie bescheiden) sechs Millionen Dollar bei seiner Londoner Hausgalerie White Cube; Jeff Koons’ süßer Stahl-Delphin für fünf Millionen Dollar bei David Zwirner; Andreas Gurskys Inkjet-Print „Tote Hosen II“ von 2013, der selbst wie ein Mega-Chip aussieht, für 500.000 Euro bei Sprüth Magers; oder auch Georg Baselitz’ großer blauer Holz-Mann „Volk Ding Zero“ von 2009, den man auch schon einmal bei der Berliner Galerie Contemporary Fine Arts gesehen hat, für 2,3 Millionen Dollar. Bei so viel heller Freude lässt sich kaum sagen, ob diese 45. Ausgabe der Messe nun „besser“ sei als die im Vorjahr oder als die vor einem Jahrzehnt. Sagen lässt sich allerdings, dass ihre Erscheinung einen gewissen Grad der Perfektion erreicht hat, für die Moderne und für die, etablierte, Gegenwartskunst. In der Halle 2 im Erdgeschoss wie im ersten Stock nur zu flanieren, ist schon ein Lehrstück in Sachen aktuellem Markt. Spaß macht es außerdem, so viel Qualität sieht man, jenseits von Geschmacksfragen, an keinem anderen Ort der Welt auf Zeit versammelt.

          Die Markt-Maschine läuft auf Hochtouren. Dabei wird zunehmend evident, dass sich die, vor allem von den Händlern aufgerufenen Preise nach Auktionsergebnissen richten: Entsprechend lautete 2010 der bisher höchste Hammerpreis für einen vergleichbar riesigen Warhol-Kopf in Violett auf 29 Millionen Dollar. Oder wer, ebenfalls bei Skarstedt, nach Rosemarie Trockels zweiteiligem Strick-Bild „Untitled (Woolmark/Playboy Bunny)“ von 1985, in einer Auflage von 3, fragt, hört den - schon wieder! - asking price von 4,5 Millionen Dollar: Am 14. Mai wurde ein Exemplar dieses Werks in New York für 4,3 Millionen Dollar zugeschlagen. Das kann man ja mal probieren. Unbedingt war die deutsche Künstlerin, über Jahrzehnte sorgfältig aufgebaut und plaziert von ihrer langjährigen Galeristin Monika Sprüth, viel zu lange international unterschätzt. Solche Extreme allerdings - von denen es manche mehr gibt -, tun einem noch halbwegs vernünftigen Markt nicht wirklich gut.

          Selbst abgebrühte Szenegänger staunen in diesem Jahr über die atemnehmenden Preisvorstellungen (sofern auch sie überhaupt Auskunft bekommen) für die Marktheroen. Dass sie zum Teil wohl auch realisiert werden, bestätigt eine Erfahrung, die zunehmend signifikant wird - zugespitzt: Wer noch immer denkt, dass die, besonders zeitgenössische Kunst im Hoch- und Höchstpreissegment ihre Käufer ernsthaft als gewinnbringende Anlage interessieren würde, ist auf dem Holzweg; das glauben vermutlich diese Käufer selbst nicht. In solche Kunst wird von denen, die es sich leisten können - und das sind sehr viele Leute, in Basel bewegen sie sich zu den Previews zwei, drei Tage lang auf engstem Raum - investiert, weil Kunst wie kein anderes Accessoire als gesellschaftliche Prothese funktioniert.

          Diese Tatsache mindert die Attraktivität der Art Basel keineswegs; denn es wird ja nur vom Feinsten vorgezeigt - und gern auch gleich als gehobener Einrichtungsvorschlag präsentiert: wie bei der New Yorker Mnuchin Gallery, wo ein prächtiger Morris Louis, „Tzadik“ von 1958, hinter einem rasanten schimmernden frühen Chamberlain, „Miss Remember Ford“ von 1964 hängt, der von allen Seiten gut aussieht.

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