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DEG-Retter Campino : „Wir können das Ruder noch herumreißen“

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„Die DEG war lange das einzige deutsche Sportteam, das ich gut fand - weil es in England keine Eishockeyliga gab“: Campino Bild: Kaufhold, Marcus

Punkrocker Campino will mit seiner Band die Düsseldorfer EG retten. Der Frontmann der Toten Hosen im Gespräch über Glücksmomente durch Sport, seine konservative Seite und Uli Hoeneß.

          Ein hitziges Konzert oder ein großes Spiel im Stadion: Was geht Ihnen näher?

          Das sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Wenn im Stadion die Gesänge losgehen, dann geht mir das manchmal durch Mark und Bein. Da laufen mir gelegentlich Schauer den Rücken runter, die nicht von schlechten Eltern sind. Ein Konzert vor ausverkauftem Haus kann eine Band eigentlich gar nicht vermasseln, es sei denn, sie macht große Fehler. Eine Show ist relativ berechenbar. Beim Sport ist es immer die Frage, ob die Jungs als Helden oder Verlierer vom Spielfeld kommen.

          Sie haben sich immer zu den Vereinen aus ihrer Heimatstadt Düsseldorf bekannt. Was gewinnen Sie als Punkrocker der oft so aalglatten Profisportwelt ab?

          Ich bin eben ein leidenschaftlicher Fan. Als ich 14 war, habe ich bei der DEG im Fanblock mit meinen Kumpels immer gewettet, wer es schafft, einen Schlachtruf für das gesamte Stadion anzustimmen. Das war meine früheste Gesangsausbildung - wenn ich überhaupt eine hatte. Mit Fortuna habe ich zunächst gefremdelt. Denn als ich anfing, meine Haare zu tragen wie ein Punk, waren Fußballfans eher auf der Suche nach einer Schlägerei mit mir. Heute hört man in den Fußballstadien gottseidank mehr ,London calling' als ,Schöne Maid'.

          Die Punkrockband Die Toten Hosen hilft der kriselnden Düsseldorfer EG. Um den Verbleib in der DEL über die aktuelle Saison hinaus zu sichern, ist sie als erstes Mitglied dem DEG-Club 2012 beigetreten. „Wir gar nicht mitbekommen, wie schlecht es der DEG geht“, sagte Sänger Campino (Foto rechts). Er will für 10.000 Euro ein Bekennerpaket kaufen. Unternehmen und Privatpersonen soll auch ein Rettungspaket von 20.000 Euro angeboten werden.

          Was ist mit dem deutschen Eishockey und der DEG seitdem geschehen?

          Ich bin kein Freund davon gewesen, die erste Liga nach amerikanischem Modell aufzuziehen. Eine Liga, in der es keinen Auf- und Abstieg gibt, ist für mich persönlich unattraktiv. Dem kann ich nichts abgewinnen. Vielleicht bin ich auch zu konservativ. Es gibt ja auch Beispiele wie die Berliner Eisbären, bei denen die Entwicklung gut gegangen ist. Die zeigen, dass man das Haus Woche für Woche voll machen kann.

          Woran liegt die Negativstimmung, die sich auf den ganzen Eishockeybetrieb ausgebreitet zu haben scheint?

          Eishockey ist immer noch ein beliebter Sport. Aber in meinen Augen fing es an schiefzugehen, als Eishockey in Privatsender beziehungsweise Bezahlsender abgewandert ist und im Fernsehen nur noch für wenige Menschen empfangbar war. Das hat das Unglück bundesweit wohl perfekt gemacht.

          Und bei der DEG?

          Ein Punkt war der Umzug vom Eisstadion an der Brehmstraße in den ISS Dome. Das war den Fans schwieriger zu vermitteln als erwartet. Aber es war zuletzt eigentlich keine unglückliche Zeit: Die Metro hatte sich als Hauptsponsor engagiert, und im Verein hat man sich jahrelang darauf verlassen. Man war nicht mehr gewöhnt, sich auf eigenen Füßen durchzukämpfen. Nun steht die DEG vor dem Konkurs. Ob es weiter geht, ist noch nicht geklärt

          Die Hilfe der Toten Hosen ist nun ein Teil der Lösung?

          Wir können gar nicht mehr als das sein. Im Übrigen hat niemand ein Interesse daran, dass die DEG über Nacht zugemacht wird. Das wäre ein großer Schaden, auch für die ganze Liga. Das kann sogar den Kölnern nicht recht sein. Die aktuellen Erfolge der Fußballer von Fortuna haben in der Stadt das Eishockeyproblem überstrahlt - da ist den Leuten die Notsituation der DEG gar nicht richtig bewusst geworden. Erst jetzt, wo es um die Vertragsverlängerungen der Spieler geht, zeigt sich die Größe der Katastrophe. Die DEG braucht dringend Unterstützung.

          Wie sieht das Engagement der Hosen konkret aus?

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