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Das Saarland : Nicht zu klein, nicht groß genug

Weltoffen, selbstverliebt: Die Saarschleife bei Orscholz Bild: Sick, Cornelia

Was ist Heimat? Das Saarland, zum Beispiel. Dort ist viel von Geschichte, Kohle und Oskar die Rede. Doch für viele Deutsche ist das Saarland ein seltsam fremdes Bundesland.

          Gleich hinter der Autobahnraststätte Waldmohr in der Westpfalz beginnt eine verborgene kleine Welt. Mit der charmant schüchternen Begrüßung „Saarland - schön, dass du da bist“ macht ein seltsam fremdes Bundesland im Südwestzipfel Deutschlands auf sich aufmerksam. Eine Region, die viele allenfalls mit den Namen Honecker, Lafontaine, Nicole, Restauranttester Rach und mit dem dauernörgelnden „Dommschwätzer“ und „Batschkapp“-Träger Heinz Becker alias Gerd Dudenhöffer verbinden. Nur etwas mehr als 35 Kilometer sind es bis zur französischen Grenze, dann hat man das kleinste deutsche Flächenland in zwanzig Minuten von Nord nach Süd flott durchquert.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Wenige Autominuten hinter dem Abzweig nach Paris, im kleinbürgerlichen Saarbrücker Ortsteil Bübingen sitzt Charly Lehnert in seiner Buchhandlung. Der kleine Laden liegt an einem tristen Parkplatz, der zu einem großen „Schlecker“-Drogeriemarkt gegenüber führt. Lehnert ist Jahrgang 1938 und „Berufssaarländer“. Bücher und Leben sind einem Thema gewidmet: „Alles über das Saarland“. Wer meint, in Bayern lebten die glühendsten Lokalpatrioten und Heimatfreunde, kennt Saarländer wie Charly Lehnert nicht. In mehr als 60 Büchern, dazu in zahllosen Gesangsauftritten und Talkshows hat er alle Facetten des Saarländertums inklusive der dortzulande gepflegten Weihnachtsbräuche ausgeleuchtet.

          Die SPD war seine Heimat fast so wie das Saarland

          Lehnert stammt aus Dudweiler, „dem größten Dorf im Saarland“, das 1974 ohne große Begeisterung seiner Bewohner der Landeshauptstadt Saarbrücken zugeschlagen wurde. Dort kennen viele den studierten Grafikdesigner seit Jahrzehnten als langjährigen Kolumnisten der „Saarbrücker Zeitung“ und Werbefachmann für Wahlkämpfe links von CDU und FDP. Für die mit dem jungen Saarbrücker Oberbürgermeister Lafontaine an die Macht drängende SPD erfand der Selfmade-Werbemann zu Beginn der achtziger Jahre die freche Erfolgsmarke „Oskar“, die dem CDU-Konkurrenzprodukt „Herr Ministerpräsident Zeyer“ bei der Landtagswahl 1985 mit absoluter Mehrheit den Rang ablief. Nach dem Machtverlust der SPD im Saarland durch Lafontaines Flucht aus Bonn 1999 versiegten auch die Aufträge an Lehnert.

          Willkommen im Saarland: Gleich hinter der Autobahnraststätte Waldmohr in der Westpfalz beginnt eine verborgene kleine Welt Bilderstrecke

          Zur Landtagswahl 2009 reaktivierte ihn der „Oskar“ für seine Neuschöpfung Linkspartei, die SPD mit ihrem jungen Lafontaine-Nachfolger Heiko Maas warf den Genossen Charly deshalb nach 35 Jahren Mitgliedschaft aus der Partei. Lehnert erzählt die Geschichte mit leiser Stimme und einem bitteren Lächeln. Die SPD war seine Heimat fast so wie das Saarland.

          „Gibt es nichts Schönes, das so groß ist wie das Saarland?“

          Auf einem der Regale steht das noch recht frische Enthüllungsbuch „Die Jamaika-Clique“. Eine chronique scandaleuse eines Frankfurter Journalisten über die von Verschwörungstheorien umwehte „Jamaika“-Koalition und ihre Schöpfer von CDU, FDP und Grünen. „Die Bücher kann ich jetzt wegwerfen. Die kauft ja keiner mehr“, lacht Lehnert. Seit dem 6. Januar ist das politische Experiment dank der Skandalpartei FDP Geschichte. Doch über das Saarland wird nach langer Pause zur Freude vieler Saarländer draußen im „Reich“ wieder einmal groß berichtet, zumindest bis sich eine neue Koalition mit oder ohne Neuwahl gefunden hat.

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