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China : Deutschlands wichtigster Handelspartner

Autowerk in Peking: Reiche Chinesen kaufen gerne deutsche Luxusfahrzeuge Bild: AFP

Der Außenhandel steigt rapide an, die Investitionen legen zu. Trotzdem wird Kanzlerin Merkel in Peking auch über einige Benachteiligungen sprechen müssen.

          Angela Merkel muss sich warm anziehen, wenn sie nach China kommt, doch zugleich kann sie sich sonnen. In Peking, wo sie an diesem Donnerstag eintrifft, herrschen eisige Minustemperaturen. Im südchinesischen Kanton (Guangzhou), wohin die Kanzlerin am Freitag reist, ist es bis zu 17 Grad warm. Merkel reist als Repräsentantin eines angeschlagenen Europas. Die Chinesen werden ihr abermals sagen, dass die EU endlich aus ihrem Schulden- und Wachstumsschlamassel herausfinden müsse, um nicht die ganze Weltwirtschaft zu gefährden.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Für China ist Europa der größte Markt und eine führende Quelle für Investitionen und Technologien. Der Euro ist die zweitwichtigste Anlagewährung im größten Devisenschatz der Welt von 3200 Milliarden Dollar.

          Doch wenn Merkels Gesprächspartner, darunter Staats- und Parteioberhaupt Hu Jintao, Regierungschef Wen Jiabao und der Volkskongressvorsitzende Wu Bangguo, überhaupt einer Kraft zutrauen, Europa zu retten, dann Deutschland. Dieses Vertrauen drückt sich auch im Geschäftsleben aus. „Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China sind so dynamisch wie lange nicht", sagt die Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Peking, Alexandra Voss. Jedes zweite Unternehmen plane weiterer Niederlassungen in China, jedes vierte wolle bis 2015 die Investitionen deutlich erhöhen.

          Das Tor nach Europa

          Der Fünfjahresplan bis 2015 setze auf grüne Technologien und industrienahe Dienstleistungen, wovon die Deutschen profitieren könnten. Vom Besuch der Kanzlerin erhofft sich Voss, „dass auch heikle Punkte angesprochen werden". Dazu zählt sie Marktzugangsbeschränkungen und die gezielte Bevorzugung chinesischer Wettbewerber in Ausschreibungen oder durch Subventionen. Am meisten hapert es beim Personal. Qualifizierte Beschäftigte sind schwer zu finden und werden teurer. Die Lohnkostensteigerung beziffert Voss in manchen Branchen auf bis zu 20 Prozent im Jahr. „Das geht auf die Margen."

          Unterdessen nutzen die Chinesen die Schwäche des Euro und mancher Unternehmen, um sich in Europa einzukaufen oder niederzulassen. Schon jetzt sind rund 700 chinesische Unternehmen mit 6600 Beschäftigten in Deutschland aktiv. „Die Chinesen sehen uns als Tor nach Europa. Noch nie haben sie so stark in Deutschland investiert wie jetzt“, sagt der China-Repräsentant von Germany Trade and Invest (GTAI), Markus Hempel. Allerdings sei das Volumen noch gering.

          Der deutsche Export nach China Bilderstrecke

          Der Handel zwischen Deutschland und China läuft auf Hochtouren. Längst steht die Volksrepublik nicht mehr nur für billige Importe, sie ist der am schnellsten wachsende Auslandsmarkt für die deutsche Wirtschaft. „Im vergangenen Jahr hat der Export um fast ein Viertel zugelegt, in diesem Jahr erwarten wir ein zweistelliges Wachstum, vielleicht um 15 Prozent“, sagt Jens Nagel, Geschäftsführer im Außenhandelsverband BGA. Nach dieser Schätzung könnte der Export nach China 2011 auf rund 65 Milliarden Euro gestiegen sein. Es gebe einen ungeheuren „Hunger auf deutsche Produkte", sagt Nagel. Chinas Anteil am deutschen Gesamtexport hat sich in wenigen Jahren auf 6 Prozent verdoppelt.

          Unbegründete Angst vor Importen

          Der Import aus China legte vergangenes Jahr wie schon in den Vorjahren viel langsamer zu, um rund 5 Prozent auf gut 80 Milliarden. Das waren knapp 9 Prozent des Gesamtimports. Aus keinem anderen Land der Erde bezieht Deutschland mehr Einfuhren. Lange Zeit waren es Textilien, Spielwaren, Glas, Keramik, inzwischen zunehmend auch elektronische Geräte. „Die Angst vor einer Billigimportschwemme aus China ist unbegründet“, sagt Nagel. Nimmt man Import und Export zusammen, ist China der wichtigste deutsche Handelspartner.

          Mehr als ein Viertel des Exports besteht aus Maschinen und Anlagen. „China ist für deutsche Maschinen und Anlagen seit drei Jahren der wichtigste Absatzmarkt", sagt Oliver Wack vom Branchenverband VDMA. Ein weiteres Viertel des Exports machen Automobile und Autoteile aus. Ob Volkswagen, Daimler, BMW oder Audi - alle schwärmen vom chinesischen Markt. Der Marktanteil deutscher Marken erreicht rund 20 Prozent, bei teuren Autos ist er viel höher. „Drei Viertel aller Premiumfahrzeuge, die 2010 in China zugelassen wurden, zählten zu deutschen Marken“, freut sich Mathias Wissmann, der Vorsitzende des Verbands der Automobilhersteller (VDA).

          Keine Rezession dank Schwellenländern

          Innerhalb von nur fünfzehn Jahren hat sich die Zahl der Fertigungsstandorte deutscher Autohersteller in China auf 190 nahezu verdreifacht, betonte VDA-Geschäftsführer Klaus Bräunig. Die Chemieindustrie hat mehr als 150 Tochterunternehmen, wobei Bayer und BASF die Pioniere waren. Der Maschinenbau berichtet von etwa 500 kleineren Tochterunternehmen und 300 Produktionsstätten. Insgesamt sind nach Schätzung der Handelskammer mehr als 5000 deutsche Unternehmen mit 220 000 Mitarbeitern in China aktiv. China ist heute das wichtigste Ziel deutscher Direktinvestitionen mit zuletzt 18 Milliarden Dollar im Jahr.

          Wie lange das Land sein hohes Wachstumstempo halten kann, ist eine heiß diskutierte Frage. Nach 9,2 Prozent Anstieg des Bruttoinlandsprodukts 2011 erwarten Ökonomen in diesem Jahr deutlich weniger als 9 Prozent. Doch eines ist klar: Ohne Schwellenländer wie China läge die Weltwirtschaft wohl schon in der Rezession.

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