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CDU und AfD : Weitermachen, als wäre nichts passiert

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Die Herren von der AfD genossen am Montag die Lage. Erstmal die eigene, selbstverständlich, und die ihrer Partei. „In Hochstimmung“ sei man, verkündete der Bundesvorsitzende Bernd Lucke in Berlin. Schon um neun Uhr, vor den anderen, war er in den langen, schmalen Raum im Haus der Bundespressekonferenz gekommen, in dem die AfD häufiger ihre Berliner Auftritte abhält. An seiner Seite saßen die Spitzenkandidaten Alexander Gauland aus Brandenburg und Björn Höcke aus Thüringen. Und Hans-Olaf Henkel war dabei, der Mann aus Hamburg, der damit kokettierte, Sonntag sei kein guter Tag für ihn gewesen, da der HSV schon wieder verloren habe. Henkel wird in der nächsten Schlacht, der Bürgerschaftswahl in Hamburg Anfang des kommenden Jahres, als Wahlkämpfer eine wichtige Rolle spielen. Dann soll das erste westdeutsche Parlament erobert werden. Henkel saß wie eine Ankündigung dabei. Aus Sicht mancher der Parteien, die die AfD gerne als Altparteien bezeichnet, könnte er auch als Drohung wahrgenommen worden sein.

Doch erstmal reichte dem AfD-Führungspersonal der Blick auf die Gegenwart, um sich zu freuen. Diese Freude bezog sich erkennbar nicht nur auf die eigenen guten Resultate, sondern auch auf die Not der anderen, denen man Stimmen weggenommen hatte. Vor allem aber scheint die Lucke-Truppe nicht ohne Genugtuung auf die Zwangslage der CDU zu schauen. „Die Strategie der Altparteien, uns auszugrenzen, ist gescheitert“, triumphierte der Parteivorsitzende und wagte sich anschließend an ein etwas schiefes sprachliches Bild: „Je mehr sie uns schneiden, desto besser schneiden wir ab.

FDP ist keine Alternative mehr

Vor allem die CDU hatte versucht, die AfD durch Nichtbeachtung zu bekämpfen. Vergebens. Nun kam die Rache. Man sei keineswegs auf eine Koalition mit der CDU festgelegt, sagte Lucke. Auch mit der SPD könne man sich das vorstellen. Während also in der CDU erste Stimmen laut werden, man dürfe das Phänomen AfD nicht einfach ignorieren, tut die Alternative so, als habe sie eine Alternative. Anders als neue Parteien aus dem linken Spektrum wie die Grünen oder die Linkspartei es anfangs machten, ziert sich die AfD nicht lange mit der Frage, ob man mitregieren will. Man will. Über Koalitionsoptionen wird offen geredet.

Die Leute in der AfD genießen es zu sehen, wie die Union sich windet. „Die CDU wird so bald mit der Ausgrenzung nicht aufhören“, sagte der Parteivorsitzende am Montag. Das sei ein „zäher Prozess“. Viel innerparteiliche Diskussion habe es ja ohnehin nie gegeben in der CDU, sagte Lucke. Er war lange Mitglied jener Partei, deren Vorsitzende Merkel ihr politisches Handeln gern als alternativlos bezeichnet. Irgendwann werde vielleicht ein Umdenken einsetzen in der CDU, sagte Lucke. Aber nicht in den nächsten Monaten.

Vor allem die eine, die jahrzehntelange, die scheinbar ewige Alternative ist zumindest fürs Erste nicht mehr da: das Bündnis der Union mit der FDP. Als die AfD-Granden am Montag stolz aufzählten, von welchen Konkurrenten sie ihre Stimmen bekommen hätten, wurde die Wanderungsbewegung aus dem FDP-Lager mit einer hämischen Ergänzung versehen: Fast alles, was zu holen gewesen sei, habe man bekommen. In der FDP-Bundespartei wehren sie sich mit Händen und Füßen gegen die Behauptung, dass man der entscheidende Stimmenspender für die AfD sei. Was die absoluten Zahlen angeht, stimmt das. Relativ betrachtet, mussten die Freien Demokraten aber sehr viel abgeben an die AfD. Etwa ein Viertel aller FDP-Stimmen wanderten in Thüringen zur AfD, in Brandenburg waren es mehr als die Hälfte. Wie hatte die Brandenburger FDP kurz vor der Wahl plakatiert? „FDP oder Rechtspopulisten“. Genutzt hat dieser Versuch der Panikmache nichts. Aber die FDP-Bundesführung fand die Kampagne der brandenburgischen Parteifreunde ohnehin nicht besonders gelungen.

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