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Bundespräsident Gauck in Israel : Vergiß nicht! Niemals.

  • -Aktualisiert am

Bundespräsident Gauck legte in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem einen Kranz nieder. Hinter ihm stehen seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, der israelische Präsident Schimon Peres und der Leiter der Gedenkstätte, Avner Shalev (v.l.) Bild: dapd

Bundespräsident Gauck weiß gut, dass er Politik nicht zu betreiben hat, sondern zu repräsentieren. Gesten sind es daher, die bisher seinen Israel-Besuch prägen.

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          „Es gibt ein Leben nach der Schoa“, hat Noa Mkayton gesagt. Sie ist Leiterin des Forschungsinstituts von Yad Vashem, und sie hat an diesem ersten und bedeutsamen Tag des Staatsbesuches von Joachim Gauck in Israel dem Bundespräsidenten die Besonderheiten des Museums erläutert. „Nicht wegen der Schoa hat es den Staat Israel gegeben“, sagt sie, „sondern trotz der Schoa.“ Es ist eine ziemlich realistische Führung durch das Museum. Sämtliche Namen der sechs Millionen von den deutschen Nationalsozialisten ermordeten Juden, berichtet Frau Mkayton dem Bundespräsidenten und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt, sollten hier, in der „Halle der Namen“ dokumentiert werden. Bei vier Millionen Namen sei man gegenwärtig angelangt. Aus der Erinnerungsstätte Yad Vashem sei ein „globales Projekt“ geworden.

          Der Vorsitzende der Gedenkstätte, Avner Shalev, führt Gauck durch das Museum, Frau Mkayton spricht, und die technischen Möglichkeiten des Museums erlauben es, dass die große Gruppe der Begleiter mithören kann, was besprochen wird. Sie stehen vor Bildern und anderen Dokumenten jener Menschen, die Juden in Deutschland und anderen Ländern Europas geholfen und sie auch gerettet haben: Raoul Wallenberg, Oskar Schindler und andere, weniger bekannte. Frau Mkayton drängt zur Eile - Präsident Schimon Peres sei schon auf dem Weg zur „Halle der Namen“.

          Gauck fragt, wo denn die „Geschichte der Helfer“ in Deutschland sei. Die fehle, bestätigt die Gesprächspartnerin - vor zwölf Jahren kam die in München geborene Wissenschaftlerin nach Jerusalem. „Wenn sich die Eltern mit Nazis verglichen haben, kamen sie gut weg“, sagt Gauck - ein „meistens jedenfalls“ schwingt mit. Wenn sie sich aber mit den Helfern verglichen hätten, sagt Gauck, wären sie mit der Frage „Und ich?“ konfrontiert gewesen. Deshalb gebe es die Geschichte der Helfer nicht.

          Eindrucksvoll und bedrückend

          Von neuen Quellen-Editionen wird berichtet, von Briefen der Opfer. Gauck hat sich mit der Materie befasst. Früher hat er in dem „Verein gegen das Vergessen“ gearbeitet, der wiederum den Verantwortlichen in Yad Vashem bekannt ist. Und mit dem Umgang und der Bedeutung von Akten hat Gauck schon früher Erfahrungen gesammelt - mit den Stasi-Akten, die die von ihm geleitete Behörde verwaltet hat. Von einer dreifachen Vernichtung der Juden wird berichtet - von der psychischen und dann von der physischen Ermordung der Juden. Darüber hinaus hätten die Nationalsozialisten den Versuch gemacht, auch die Erinnerung an die Opfer zu vernichten. Dem solle begegnet werden.

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          Es ist eine Führung, die die Staatsgäste betroffen macht. Ein Fotoplakat der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. „Da ist mein Vater befreit worden“, sagt Dieter Graumann. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland ist als Gast Teil der Delegation Gaucks. Er zeigt sich erfreut darüber, dass der Bundespräsident nach Ankunft am Montagabend in Tel Aviv als erstes das Grab von Ignatz Bubis, eines seiner Vorgänger, besucht hat. Graumann nennt Bubis seinen Lehrmeister und die Geste Gaucks einen „guten Start“ dieses Besuchs.

          Zum protokollarischen Standard der Besuche von Yad Vashem gehört der „Gang durch das Mahnmal für die ermordeten Kinder“ - der etwa 500.000 jüdischen Kinder. Der Gang ist eindrucksvoll und bedrückend. Am Ende - im Freien - hat der Gast ein paar Worte in das „Gästebuch“ zu schreiben. Freundlich und bewegend sind die meisten darin - und kurz. Gauck schreibt. Er schreibt sich selbst ab, und es wird erzählt, erste Entwürfe des Präsidialamtes habe er verworfen.

          Eine Seite lang ist handschriftlich der Text, und als Gauck ihn - pflichtgemäß - vorträgt, kommt der Prediger in ihm zum Vorschein. „Wenn du hier gewesen bist, sollst du wiederkommen. Zuerst nur: die Flut der Gefühle, erschrecken vor dem Ausmaß des Bösen, mitleiden, mitfühlen, trauern - wegen eines einzigen Kinderschicksals oder wegen der Millionen unschuldigen Opfer. Und wiederkommen sollst du, weil auch du wissen kannst: Namen der Opfer - wie viele kennst du? Namen der Täter - deutsche zumeist - Verursacher, Vollstrecker, auch Namen von Schreckensorten wirst du dir einprägen und wirst erschrecken vor dem brutalen Interesse von Herrenmenschen. So wirst du dann hier stehen und dein Gefühl, dein Verstand und dein Gewissen werden dir sagen: Vergiß nicht! Niemals. Und steh zu dem Land, das hier derer gedenkt, die nicht leben durften.“

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