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Bundespräsident Gauck in Israel : Vergiß nicht! Niemals.

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Gauck beherrscht die Sprache

Gauck war, erzählt er seinen Gesprächspartnern, vor acht Jahren schon einmal in Israel gewesen - als „Bürger“, wie er zu ergänzen pflegt. Nun aber komme er als Bundespräsident, als Vertreter des Staates. Für Gauck, den Pfarrer, den Prediger, selbst den Behördenleiter, der zum Schriftsteller wurde, ist es eine neue Situation. Er weiß, dass er sich an die außenpolitischen Vorgaben der Bundesregierung und - wie er ebenfalls zu sagen pflegt - „seiner Bundeskanzlerin“ zu halten hat. Das wäre - auch aus seiner Sicht - sozusagen „noch schöner“, wenn ausgerechnet er, der von allen Bundespräsidenten aus dem politikfernsten Teil des öffentlichen Lebens stammt, einen Verfassungskonflikt vom Zaun bräche.

Doch übernimmt Gauck ausdrücklich nicht den Terminus von Frau Merkel, die Sicherheit Israels sei „deutsche Staatsräson“. Er spricht vom „Eintreten für die Sicherheit“ Israels. Mit Blick auf die Kriege im Nahen Osten äußert er, die Vergangenheit zeige, wie schwer der andere Begriff umzusetzen sei. Als Bundespräsident wolle er nicht in „Szenarien“ denken. Mit dem Schriftsteller David Grossman, teilt er später im Garten des King David Hotels mit, habe er darüber gesprochen. „Bei unserer Geschichte sollte Deutschland das allerletzte Land sein, das Israel seine Solidarität aufkündigt.“ Und sodann - mit Blick auf die israelische Siedlungspolitik: „Freundschaft ist Freundschaft. Aber nicht totale Übereinstimmung.“

Gauck weiß auch, dass er Politik nicht zu betreiben, sondern zu repräsentieren hat. Gesten sind es also, die seinen Israel-Besuch prägen könnten. Das ist seine Linie. Gauck beherrscht die Sprache: „Dies ist ein ergreifender Moment für mich. Sieben Jahrzehnte nach dem am jüdischen Volk begangenen Menschheitsverbrechen der Schoa komme ich als höchster Vertreter der Bundesrepublik Deutschland zu Ihnen“, sagt er frühmorgens, als ihn Schimon Peres am Sitz des israelischen Staatspräsidenten an der Hanassi Street in Jerusalem empfängt. Spät am Abend dann sollte Gauck mit persönlichem Impetus ergänzen. „Die Trauer um die von Nazideutschland ermordeten Juden hat alles durchdrungen. Doch zugleich, und mit Ihnen an meiner Seite, Herr Präsident, spüre ich, wie unermesslich großzügig das Geschenk des Vertrauens ist, das Deutschland erhalten hat“, sagt er den Gästen, die Peres eingeladen hat.

„Günter Grass hat seine persönliche Meinung geäußert“

Die Nationalhymnen am Morgen desselben Tages sind wohl geübt worden, im Garten gibt es Kaffee für die Soldaten und Soldatinnen, Tische sind schon präpariert für den Staatsempfang am Abend. „Das Eintreten für die Sicherheit und das Existenzrecht Israels ist für deutsche Politik bestimmend; Israel soll in Frieden und in gesicherten Grenzen leben“, sagt Gauck. „Auf Dauer, davon bin ich überzeugt, wird dies nur mit einer durch beide Konfliktparteien direkt verhandelten Zwei-Staaten-Lösung möglich sein.“ Er verstehe auch israelische Bedenken, ob sich die Rebellionen in arabischen Ländern behaupten könnten - und auch welche Richtung sie nähmen. „Und sie müssen vor allem mit einer verantwortlichen Außenpolitik einhergehen, gerade gegenüber Israel.“

Dass Günter Grass mit seinem Politgedicht über Israel und seine Politik nicht seiner Meinung entspreche, hatte Gauck die daran interessierte israelische Öffentlichkeit über ein Zeitungsgespräch (mit „Haaretz“) wissen lassen. „Günter Grass hat seine persönliche Meinung geäußert. Das darf er. Ich stimme ihm ausdrücklich nicht zu, und Günter Grass’ Haltung entspricht auch nicht der deutschen Politik gegenüber Israel.“

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