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Bundesliga-Übertragungsrechte : Ritterschlag für den Rekordpreis

Weiter in allen Stadien zu Hause: Sky sattelt kräftig auf – und verdrängt die Telekom erst einmal ganz aus dem Bundesligafußball Bild: dpa

Ein Tag der Superlative für den deutschen Fußball: Die Bundesliga kassiert aus dem Erlös der TV-Rechte-Vermarktung künftig 2,5 Milliarden Euro.

          Alles ging ganz schnell, berichtete Reinhard Rauball. „Ich habe kein einziges kritisches Wort vernommen“, sagte der Ligapräsident und bezog sich auf die unkomplizierte Diskussion unter den 36 Klubvertretern. Die Vorstände und Geschäftsführer der 36 stärksten deutschen Fußballklubs aus erster und zweiter Liga, die sich am Dienstag für anderthalb Stunden in einem Frankfurter Flughafenhotel zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingefunden hatten, mussten wohl erst mal kräftig durchatmen, als ihnen das Ergebnis der Fernsehvermarktung für die nächste vierjährige Rechteperiode zwischen 2013 und 2017 präsentiert wurde - so spektakulär wirkte das Zahlenwerk. „Das ist ein Quantensprung“, sagte Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer des alten und wohl auch nächsten deutschen Meisters Borussia Dortmund, während sein Schalker Managerkollege Peter Peters von einem „beeindruckenden Ergebnis“ sprach.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Tag der Superlative. Ein Tag der Überraschungen. „Ein guter Tag für die Bundesliga und den deutschen Fußball“, wie Rauball fast staatstragend formulierte. Nun steht fest: Statt 412 Millionen Euro, welche die Liga derzeit im Schnitt bis zum Ende der nächsten Saison erhält, wird der Erlös aus der TV-Rechte-Vermarktung für die folgenden vier Spielzeiten bis ins Jahr 2017 628 Millionen Euro betragen. Das sind insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro. Allein im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz ist das ein sensationelles Resultat. Während in der englischen Premier League, der Primera Division in Spanien oder bei den Italienern zuletzt neue Vertragsabschlüsse (auf höheren Niveau) nicht mehr als einstellige Steigerungsraten einbrachten, glänzt die Bundesliga nun mit 50 Prozent. Im benachbarten Frankreich sanken die Einnahmen sogar. „Das Ergebnis hat unsere Erwartungen stark übertroffen“, sagte Christian Seifert, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Vom ehrenamtlichen Ligapräsidenten erhielt er bei der Vorstellung der Zahlen den „Ritterschlag“.

          Die Duelle zwischen Schalke und Dortmund werden auch von 2013 an in Sportschau, Sportstudio und bei Sky zu sehen sein Bilderstrecke

          Seifert war der Verhandlungsführer. Die vergangenen drei Wochen hatte er die Auktion der Fernsehrechte mit einem kleinen Team der DFL in einem eigens gemieteten Raum eines Frankfurter Hotels vorangetrieben. Der Saal, Telefone und Internetleitungen wurden von einer Spezialfirma auf die Abhörsicherheit überprüft. Nichts sollte nach außen gelangen in diesem sensiblen Milliardengeschäft. Unternehmenskurse können allein durch Spekulationen in die Höhe, aber auch in den Keller schießen. Und die Nachrichtensperre hielt - bis Montagabend, als nach der Vorstandssitzung der Liga erste Informationen durchsickerten. Es handelte sich teilweise um falsche Spekulationen.

          Wie sich am Dienstag herausstellte, wurde der Überraschungspreis vor allem vom Zweikampf um die Liverechte im Bezahlfernsehen zwischen Sky und der Telekom hochgetrieben. Der hochdefizitäre Murdoch-Sender, der sich ohne Bundesliga in Deutschland wohl ganz abmelden könnte, sattelte in der Hoffnung auf den Durchbruch kräftig auf, verdrängte die Telekom nun erst einmal ganz aus dem bisherigen Bundesligafußball und zahlt künftig für alle Live-Rechte an der ersten und zweiten Bundesliga 485,7 statt bisher 250 Millionen Euro. Der Vertrag gilt für alle Technologien - Fernsehen, IPTV, Web-TV und mobile Endgeräte.

          Springer als fünfter Partner

          Die DFL hatte eine eigene Software erstellt, um während der streng geheimen Auktionswochen den Überblick zu behalten über die verschiedenen Szenarien, Angebote und Paketversionen. Mehr oder minder bleibt für den Fußballkonsumenten alles beim Alten - bei gleichen Spielplänen: Sky im Bezahlfernsehen, die ARD-Sportschau am Samstag (von 18.30 Uhr an) mit der ersten frei empfangbaren Zusammenfassung sowie am Sonntagabend (21.15 Uhr), das ZDF am Samstagabend mit dem Sportstudio. Sport 1 zeigt das Topspiel der zweiten Liga am Montag live und frei empfangbar, die ARD erhält zusätzlich die Übertragungsrechte an den Eröffnungsspielen der Vor- und Rückrunde in der Bundesliga, den vier Relegationsspielen und am Supercup. „In allen Segmenten haben die Bieter ambitionierte Angebote vorgelegt“, sagte Seifert. Neu hinzugekommen als fünfter Partner ist der Axel-Springer-Verlag. Der Medienkonzern kann von der übernächsten Saison an die Bundesligaspiele in Sechsminuten-Clips auf seinen Internetportalen und für mobile Endgeräte den Kunden anbieten - eine Stunde nach Spielschluss für Geld, ab Mitternacht dann frei. Genauso könnte die ARD-Sportschau ihre Berichterstattung am Samstag parallel ins Internet bringen.

          Die größte Einzelabhängigkeit besteht für die Liga zum Bezahlsender Sky, der mit bisher rund drei Millionen Abonnements endlich profitabel gemacht werden soll. Um das wirtschaftliche Risiko zu vermindern, bestätigte DFL-Mann Seifert, dass alle Verträge durch „hundertprozentige Bankgarantien“ der Rechteerwerber abzusichern sind. Er fügte hinzu: „Ich kenne Sky als verlässlichen Partner.“ Bei so viel frischem Geld stellen sich natürlich auf allen Seiten Fragen. Nicht nur, ob der hoch verschuldete Bezahlfernsehsender sein Ziel am Ende durchhalten kann. Ein wenig Besorgnis schimmerte schließlich noch beim Ligapräsidenten Rauball durch, der an die Vereine appellierte, die zusätzlichen Millionen nicht gleich in Beine zu investieren. „Die finanzielle Beweglichkeit der Klubs hat sich deutlich erhöht. Aber wir müssen weiter mit Augenmaß wirtschaften und darauf achten, dass Spielergehälter und Ablösesummen nicht inflationär in die Höhe gehen.“

          Die Medienrechte für die Bundesligen ab 2013

          BUNDESLIGA:

          Live-Rechte Pay-TV (alle 306 Spiele) - Sky
          Live-Rechte IPTV (alle 306 Spiele) - Sky
          Live-Rechte Web- und Mobile-TV (alle 306 Spiele) - Sky
          Live-Rechte Free-TV (7 Spiele) - ARD

          Erstverwertung Pay-TV (Samstag/17.30-18.30+20.30-21.30) - Sky
          Erstverwertung Pay-TV (Sonntag/19.00-20.00) - Sky
          Erstverwertung Free (Samstag/18.30-20.15) - ARD
          Erstverwertung Free (Sonntag/21.15-23.00) - ARD
          Erst- und Zweitverwertung Free (Samstag/21.45-24.00) - ZDF
          Drittverwertung Free (Sonntag/06.00-15.00) - SPORT1
          Web- und Mobile-TV (Pay/ab 1 Stunde nach Spielende) - Springer
          Web- und Mobile-TV (Free/ab Mitternacht des Spieltages) - Springer

          2. BUNDESLIGA:

          Live-Rechte Pay-TV (alle 306 Spiele) - Sky
          Live-Rechte Free-TV (Montag/20.15) - SPORT1

          Erstverwertung Free-TV (Freitag/22.30-24.00) - SPORT1
          Erstverwertung Free-TV (Samstag/18.30-20.15) - ARD
          Zweitverwertung Free-TV (Samstag/21.45-24.00) - ZDF
          Erstverwertung Free-TV (Sonntag/19.15-21.00) - SPORT1
          Web- und Mobile-TV (Pay/ab 1 Stunde nach Spielende) - Springer
          Web- und Mobile-TV (Free/ab Mitternacht des Spieltages) - Springer
           

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