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BKA-Präsident Jörg Ziercke : Staatstreuer Sozialdemokrat

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BKA-Präsident Jörg Ziercke: Kein Ruhestand, sondern im Kreuzfeuer des politischen Streits Bild: dpa

Gegen Ende seiner Berufslaufbahn ist der BKA-Präsident im Zuge des Falles Edathy in das Visier des politischen Streites geraten. Selbst ein Spitzenbeamter wie Jörg Ziercke tut sich schwer, wenn in einer Affäre Bauernopfer gesucht werden.

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          Am vergangenen Freitag schien Jörg Ziercke, der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), aus der Haut fahren zu wollen - angesichts der bohrenden Fragen, weshalb seine Behörde aus der Liste jener 800 (mutmaßlichen) Käufer kinderpornographischen Materials nicht früher auf den Namen „Sebastian Edathy“ gestoßen sei.

          Es war seine zweite Befragung im Bundestagsinnenausschuss. Er wolle nicht wissen, rief er Teilnehmern zufolge, was die Abgeordneten wohl alles sagen würden, wenn das BKA entsprechende Verdächtigenlisten zu allererst „nach Prominenten“ durchforsten würde. Den Sachverhalt selbst hatte er schon zwei Tage zuvor im selben Gremium so beschrieben: „Hier hat niemand gesucht, ist da jemand, der besonders bekannt ist, sondern hier ist jeder gleich behandelt worden.“

          „Bauernopfer“ gesucht

          Verschiedener Umstände wegen ist Ziercke gegen Ende seiner Berufslaufbahn in das Visier des politischen Streites geraten - im Umfeld des „Falles Edathy“. Sein Telefongespräch mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann und die lange Dauer, die das BKA gebraucht habe, bis die aus Kanada stammende Kundenliste an die Landeskriminalämter weitergeleitet worden sei, stehen im Mittelpunkt der Vorwürfe. Er hatte sich zu rechtfertigen.

          Sogar Spitzenbeamte tun sich mit der Verteidigung schwer, wenn sie in überhitzten Auseinandersetzungen zwischen die Mühlsteine unterschiedlicher Interessen geraten - und „Bauernopfer“ gesucht werden.

          Hohes Ansehen

          Dabei verfügt Ziercke offenkundig über hohes Ansehen in der Politik. Ziercke, 1947 in Lübeck geboren, hat die Altersgrenze längst überschritten. Vom früheren Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist er gebeten worden, im Amt zu bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sei.

          Mehrfach wäre es zudem ein Leichtes gewesen, Ziercke - ohne Angabe von Gründen - in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen. Der BKA-Präsident fällt in die Kategorie jener „politischen Beamten“, bei denen das möglich ist. 2004 war Ziercke von Innenminister Otto Schily (SPD) zum BKA-Chef gemacht worden. Er blieb es auch unter den Innenministern Wolfgang Schäuble (CDU), Thomas de Maizière (CDU) und Friedrich.

          Ziercke ist ein Mann der Polizeipraxis. Nach dem Abitur wurde er Bereitschaftspolizist und Kriminalbeamter im mittleren Dienst. Es folgte ein Studium am Kriminologischen Institut der Universität Kiel und an der Polizeiführungsakademie in Münster. Zu Beginn der achtziger Jahre war er leitend mit der Aufklärung von Straftaten im Umfeld der Anti-Kernkraft-Demonstrationen in Brokdorf befasst.

          Verschiedene Verwendungen in der schleswig-holsteinischen Polizei und im dortigen Innenministerium folgten. Auch hernach beim BKA in Wiesbaden war auf Ziercke, den staatstreuen Sozialdemokraten, Verlass - etwa im politischen Streit zwischen dem Innenminister der Union und der Justizministerin der FDP über die Vorratsdatenspeicherung. Die letzten Monate seiner Tätigkeit aber dürfte sich Ziercke anders vorgestellt haben. Bald schon soll ein Nachfolger gefunden sein.

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