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: Zu Mittag einen Picasso und ein Sandwich

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Als der schwedische Museumsmann Pontus Hultén vom Centre Pompidou in Paris nach Los Angeles gezogen war, um dort Direktor des jungen "Museum of Contemporary Art" zu werden, überraschte man ihn zur Begrüßung mit den Worten: "Sie sind unser Mann.

          6 Min.

          Von Lisa Zeitz

          Als der schwedische Museumsmann Pontus Hultén vom Centre Pompidou in Paris nach Los Angeles gezogen war, um dort Direktor des jungen "Museum of Contemporary Art" zu werden, überraschte man ihn zur Begrüßung mit den Worten: "Sie sind unser Mann. Wir wollen, dass sie jeden Abend ausgehen und Gelder auftreiben." Das war vor dreißig Jahren, aber das Thema Fundraising ist in der amerikanischen Museumslandschaft heute noch genauso wichtig.

          Für kulturelle Belange gibt es in den Vereinigten Staaten von staatlicher Seite nur sehr wenig Geld, vor allem im Vergleich mit Europa. Das sogenannte National Endowment for the Arts (NDA), die einzige nationale Kulturfördereinrichtung, hatte im letzten Jahr rund 150 Millionen Dollar zur Verfügung, um in allen fünfzig Bundesstaaten Institutionen und Veranstaltungen zu unterstützen, die von Musikfestivals über Theateraufführungen und von Künstlerstipendien bis zu Kunstausstellungen reichten. Wenn es nach dem rechten Flügel der Republikaner ginge, würde das NDA gleich ganz gestrichen.

          Die meisten amerikanischen Museen sind private Einrichtungen. Ausnahmen sind die staatlich unterhaltene National Gallery in Washington und die Smithsonian Institution mit ihren neunzehn Museen und dem Zoo in Washington. Obwohl die Regierung für die meisten Bereiche Kürzungen vorgesehen hat, wurde das Budget der Smithsonian Institution für das Jahr 2012 um hundert Millionen auf rund 860 Millionen Dollar erhöht, um den Neubau für das lange geplante National Museum of African American History and Culture in Washington zu ermöglichen.

          Die anderen Häuser, darunter rund achthundert Kunstmuseen, müssen selbst für ihr Budget sorgen, das heißt, sie verwalten Stiftungsgelder, sammeln Spenden, werben um Mitglieder, geben Benefiz-Galas. Eintrittsgelder decken durchschnittlich nur fünf Prozent der laufenden Kosten ab. Der Rang von Museumsdirektoren bemisst sich deshalb auch am Fundraising: Maxwell Anderson, der Direktor des Indianapolis Museum of Modern Art, betont in seinem Lebenslauf, dass er anlässlich der 125-Jahr-Feier seiner Institution 125 Schenkungen bedeutender Kunstwerke sowie dreißig Millionen Dollar eingesammelt hat.

          Eine aktuelle Studie belegt, dass die größten New Yorker Museen ihre Einnahmen in den letzten vierzehn Jahren fast verdreifacht haben, während die kleinsten Institutionen nur noch halb so viel einnehmen: Auch in der Museumswelt öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter. Immer öfter verkaufen Museen Kunst aus ihren Sammlungen, wobei die Regel gilt, dass jeder Verkauf nur dem Ankaufsbudget zugutekommen soll und nicht für die laufenden Kosten verwendet wird. Doch hohe Kunstmarktpreise wecken Begehrlichkeiten, was vor allem Universitätsmuseen zu spüren bekommen: Derzeit bangt das University of Iowa Museum of Art um sein berühmtes Wandbild von Jackson Pollock, das die örtlichen Politiker gerne verkaufen würden, um damit unter anderem die Kosten des Lehrbetriebs an der Hochschule zu decken.

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