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: Francos Putsch und Papstes Segen

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Am 14. September 1936, dem Fest der Kreuzerhöhung, empfing Pius XI. mehr als fünfhundert spanische Katholiken, denen die Flucht vor den Schrecken des Bürgerkriegs in ihrem Heimatland nach Italien gelungen war, zu einer Audienz in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo.

          Von Hubert Wolf

          Am 14. September 1936, dem Fest der Kreuzerhöhung, empfing Pius XI. mehr als fünfhundert spanische Katholiken, denen die Flucht vor den Schrecken des Bürgerkriegs in ihrem Heimatland nach Italien gelungen war, zu einer Audienz in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo. Diese entschiedenen Gegner der republikanischen Regierung waren Anhänger der Putschisten um General Franco und erwarteten ein klärendes Wort des Papstes zu dem bewaffneten Konflikt. Schließlich waren Tausende von Priestern, Ordensleuten und Laien bereits in den wenigen Wochen seit dem Militärputsch vom 17. Juli im republikanischen Spanien ermordet worden; eine Kirchenverfolgung größten Ausmaßes hatte begonnen. Die katholische Kirche wurde von den Republikanern pauschal als Drahtzieherin der Aktionen der Franquisten gebrandmarkt, obwohl der Umsturz sich zunächst keine religiöse Legitimation gesucht hatte.

          Tatsächlich bezog der Papst in Castel Gandolfo erstmals öffentlich Stellung, auch wenn die Formulierungen wenig spektakulär klingen und theologisch verklausuliert daherkommen. Am Schluss seiner Ansprache spendete Pius XI. seinen besonderen Segen denjenigen, "die sich der schwierigen und gefährlichen Aufgabe gestellt haben, die göttlichen und religiösen Rechte und die Ehre zu verteidigen und wiederherzustellen". Dieser Kampf sei deshalb schwierig - so der Papst weiter -, weil man bei der Verteidigung "allzu schnell ins Exzessive treiben kann", was ihre Rechtfertigung "nicht mehr gänzlich" abdecke. "Nicht weniger einfach wird sie dadurch, dass unredliche Absichten oder egoistische beziehungsweise parteiische Interessen dazu betragen könnten, die ganze moralische Vertretbarkeit der Handlung zu trüben oder zu verdrehen."

          Pius XI. legitimierte mit seiner Rede Francos Militärputsch, indem er Formulierungen verwandte, die in das Sprachspiel der klassischen Lehre vom gerechten Krieg gehören. Die vier Bedingungen für einen solchen bellum iustum waren: Er darf erstens nur aufgrund eines eindeutigen Befehls der zuständigen politischen Autorität, zweitens nur wegen eines gerechten Grundes, drittens nur in redlicher Absicht (wie etwa zum Schutz der Kirche) und viertens auf gerechte Art und Weise nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel geführt werden. Die "moralische Vertretbarkeit der Handlung", von der der Papst sprach, meint einen gerechten Krieg. Die redliche Absicht sah er mit der Verteidigung der göttlichen und kirchlichen Rechte gegeben. Um das Prinzip der Verhältnismäßigkeit gewahrt zu sehen, warnte der Papst vor "Übertreibungen". Der gerechte Grund für einen bellum iustum bildete nicht nur den Hintergrund der Rede vom 14. September, sondern ist der Basso continuo fast aller Äußerungen von Pius XI. in jenen Monaten: Es ist der notwendige Kampf gegen die "größte und umfassendste Gefahr" des "Kommunismus in all seinen Formen und Abstufungen".

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