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: Francos Putsch und Papstes Segen

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Eine faktische Anerkennung Francos durch den Heiligen Stuhl fand vor der offiziellen statt. Kardinal Giulio Serafini führte 1937 aus: "Der Heilige Stuhl hat der Welt schon bekannt gemacht, dass die Sache von Franco die Sache der Kirche und der Seelen ist." Pacelli gab das Dilemma, vor dem die vatikanische Politik stand, zu Protokoll: "Ist es für den Heiligen Stuhl nützlich, sich im faschistischen Block zu positionieren, der wesentlich aus Italien und Deutschland (Japan ist zu weit entfernt) besteht? Und was ist denn mit NS-Deutschland, das die Kirche verfolgt? Und auch ohne dass der Heilige Stuhl dies beabsichtigt, könnte der Eindruck entstehen, der Heilige Stuhl sei einverstanden mit einer Gruppe, die die Religion zerstören will. Denn auch unter den Anhängern Francos sind solche, die nazistischen Tendenzen huldigen und Hitler anbeten."

Im Herbst 1937 kam es dann doch zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Franco-Regime. Der Nuntius Ildebrando Antoniutti sprach bei der Übergabe seines Kreditivs von einer "katholischen Wiedergeburt" Spaniens. Wie die Spanier im sechzehnten Jahrhundert "gemeinsam mit dem Heiligen Pontifex Pius V." bei Lepanto gegen die Türken gekämpft hätten, so kämpften sie jetzt mit dem Papst gegen die Kommunisten. Damit ist die eigentliche causa iusta des gerechten Krieges Francos genannt: der Kampf gegen den Kommunismus.

Nach dem Sieg Francos wandte sich Pacelli, nunmehr Papst Pius XII., in einer Rundfunkansprache "mit immenser Freude" an die "geliebten Söhne des katholischen Spanien", um ihnen zum Sieg zu gratulieren. Die "von Gott als Hauptinstrument zur Evangelisierung der Neuen Welt und unerschütterliches Bollwerk des katholischen Glaubens auserwählte Nation" habe sich auf dem Schlachtfeld im Kampf gegen die "Proselyten des materialistischen Atheismus" durchgesetzt. Gott würde Spanien weiter auf dem sicheren Weg zu seiner traditionellen katholischen Größe führen. Dazu trügen auch die "sehr edlen christlichen Gefühle, welche der Staatschef und seine treuen Mitarbeiter so sicher" gezeigt hätten, bei.

Pius XI. und vor allem dessen Staatssekretär Pacelli betrachteten den Spanischen Bürgerkrieg also tatsächlich als Sonderfall: Er war in ihren Augen ein gerechter Krieg, weil durch ihn das katholische Abendland verteidigt wurde. Die Seligsprechung von nahezu fünfhundert "Märtyrern" im Jahr 2007 durch Benedikt XVI. stand in der Konsequenz dieser Auffassung, auch wenn sie Gefahr lief, im Kontext der Auseinandersetzungen der katholischen Kirche Spaniens mit der derzeitigen sozialistischen Regierung instrumentalisiert zu werden. Franco hatte schnell begriffen, dass ihm das Bündnis mit der katholischen Kirche eine breite und treue Anhängerschaft sicherte. So erhielt seine Herrschaft eine kirchliche Legitimation, die am Beginn seines Putsches noch kaum eine Rolle gespielt hatte.

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