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: Francos Putsch und Papstes Segen

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Am 18. November 1926 wandte sich Pius XI. mit der Enzyklika Iniquis afflectisque an den mexikanischen Episkopat. Der Text ging auf drei mexikanische Bischöfe zurück, die sich in Rom für die Cristiada einsetzten. Sie vermieden geflissentlich, von einem bewaffneten Kampf zu sprechen. Der Papst, der über die Vorbereitung eines gewaltsamen Aufstands bewusst im Unklaren gelassen wurde, wollte - wie die vatikanischen Akten belegen - den friedlichen Widerstand der Katholiken dem Regime gegenüber stärken, als er in der Enzyklika Priester und Laien in Mexiko lobte, die sich "erhoben und eine Mauer der Verteidigung des Hauses Israel errichtet haben und in ihrem Kampf festgeblieben sind".

In Mexiko wurden diese Formulierungen ganz im Sinne der bischöflichen Ghostwriter jedoch als päpstliche Legitimation des bewaffneten Kampfes verstanden. Als die Cristiada im Frühjahr 1927, gestützt auf die Enzyklika, voll ausbrach, ließ der Vatikan die Dinge zunächst laufen. Erst als Kardinalstaatssekretär Gasparri erfuhr, dass einige mexikanische Bischöfe mit der Enzyklika im Gepäck in Europa sogar Geld für Waffen sammelten, entschloss sich der Vatikan zur Eindämmung des Konflikts und im Juni 1929 zu einem Modus Vivendi mit der mexikanischen Regierung.

Als im Dezember 1931 die Cristiada wieder aufzuflackern drohte, machte der Papst seinem neuen Staatssekretär Eugenio Pacelli in einer Privataudienz unmissverständlich klar, dass man in Mexiko "unter den gegenwärtigen Umständen" den "bewaffneten Widerstand weder autorisieren noch dazu ermutigen" könne. Pius XI. fügte hinzu, in der Geschichte hätten Päpste zwar durchaus "Kreuzzüge nicht nur autorisiert, sondern sogar ausdrücklich initiiert", im Falle Mexikos jedoch missbillige er "den bewaffneten Kampf ausdrücklich".

Der Überfall Mussolinis auf Äthiopien am 3. Oktober 1935 hatte die Mehrheit der italienischen Gesellschaft in einen Freudentaumel versetzt. Auch ein Großteil des italienischen Klerus, sogar Bischöfe und Kardinäle, waren begeistert: "Wir arbeiten mit Gott zusammen in dieser nationalen und katholischen Mission des Guten - vor allem in diesem Augenblick, in dem auf den Schlachtfeldern Äthiopiens die Fahne Italiens im Triumph das Kreuz Christi vorwärts trägt", sagte Alfredo Ildefonso Kardinal Schuster, der Erzbischof von Mailand, als er am 9. Mai 1936 heimkehrende Soldaten segnete. Da hatte der brutale Krieg schon eine Dreiviertelmillion Menschenleben gefordert.

Wie verhielt sich der Papst? Pius XI. befand sich in einem Dilemma, wie die geheimen Tagebuchaufzeichnungen des Untersekretärs der Kongregation für die Außerordentlichen Kirchlichen Angelegenheiten, Domenico Tardini, eindrücklich belegen. "Ganz Italien scheint den Kopf verloren zu haben", schrieb Tardini am 1. Dezember 1935 und fuhr fort: "Die Führer führen das Land offenkundig in den Ruin, sie bringen die ganze Welt gegen Italien auf. Das Volk überschlägt sich beim Gedanken an den Krieg und, erzogen zur Gewalt, glaubt es, die ganze Welt besiegen zu können. Und der Klerus? Das ist das größte Desaster. Der Klerus muss ruhig sein, diszipliniert, gehorsam dem Ruf des Vaterlands gegenüber, das ist klar. Aber dieses Mal ist er ungestüm, überschwenglich und kriegshetzerisch. Und die Kirche Italiens ist angeklagt, mit dem Faschismus unter einer Decke zu stecken. Und mit der italienischen Kirche der Heilige Stuhl. Ich glaube, der Heilige Stuhl hat nie eine schwierigere Periode durchlaufen als diese."

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