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: Francos Putsch und Papstes Segen

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Die Bürgerkriegsflüchtlinge und die spanischen Bischöfe haben den Papst offenbar genau verstanden. In seinem Hirtenbrief vom 30. September zitierte der Bischof von Salamanca, Enrique Pla y Deniel, ausgiebig die Audienzansprache des Papstes und zog daraus sogar den Schluss: "Der spanische Aufstand ist kein bloßer Bürgerkrieg, sondern er ist wesentlich ein Kreuzzug für die Religion, die Heimat und die Zivilisation gegen den Kommunismus." Ganz ähnlich hatte der Primas von Spanien und Erzbischof von Toledo, Kardinal Isidro Gomá, in einer Rundfunkansprache einen Tag vorher argumentiert.

Auf den ersten Blick scheint die Rechtfertigung des Spanischen Bürgerkrieges durch einen Papst nichts Ungewöhnliches zu sein. Immer wieder in der Geschichte hatten die katholische Kirche und ihr Lehramt schließlich mithilfe der Bellum-iustum-Lehre kriegerische Auseinandersetzungen legitimiert; Kreuzzüge und Türkenkriege sind hier nur zwei Beispiele für viele. Aber neben dieser Traditionslinie gibt es zumindest für die Päpste des zwanzigsten Jahrhunderts noch eine zweite, die spätestens mit der berühmten Friedensinitiative Benedikts XV. vom 1. August 1917 beginnt und bis heute reicht. Die neuere Papstgeschichte ist deshalb wiederholt als konsequent fortschreitende religiöse Delegitimation von Gewalt und Krieg interpretiert worden.

Auch wenn der Vermittlungsversuch Benedikts XV. im Ersten Weltkrieg scheiterte, brachte diese Initiative dem Papsttum doch ungeheures symbolisches und moralisches Kapital. Die Päpste galten seither auch bei dezidiert weltanschaulichen Gegnern als ehrliche Makler für den Frieden. Unvergessen sind die eindringlichen Mahnungen Pius XII. am Vorabend des Zweiten Weltkrieges 1939: "Nichts ist verloren mit dem Frieden. Alles kann verloren sein mit dem Krieg." Die Pastoralkonstitution Gaudium et spes des Zweiten Vatikanischen Konzils sprach sich dafür aus, dass die katholische Kirche mit all ihrer Kraft jene Zeit vorbereiten müsse, "in der auf der Basis einer Übereinkunft zwischen allen Nationen jeglicher Krieg absolut geächtet werden kann". Und Johannes Paul II. sprach sich am 13. Januar 2003 gegen den Irak-Krieg aus, den Präsident Bush als Kreuzzug deklariert hatte: "Nein zum Krieg! Er ist niemals unabwendbares Schicksal."

Pius XI. Legitimation von Francos Militärputsch als gerechten Krieg scheint in dieser Linie ein Rückfall zu sein. Handelte es sich um einen einmaligen Ausreißer? Oder hatte der Ratti-Papst eine grundsätzliche Repristination der Lehre vom gerechten Krieg vorgenommen? Dreimal in seinem siebzehn Jahre dauernden Pontifikat stand Pius XI. vor der Frage, wie er mit kriegerischen Auseinandersetzungen, in die Katholiken involviert waren, umgehen sollte.

In Mexiko waren durch eine dezidiert antiklerikale Regierung seit August 1926 die Rechte der katholischen Kirche fundamental beschnitten worden. Kirchliches Leben war fortan faktisch unmöglich. Katholische Laien gründeten eine "Liga zur Verteidigung der religiösen Freiheit", die im November 1926 zum bewaffneten Aufstand gegen die Regierung überging. Diese sogenannte Cristiada ging bis 1929 und forderte mehr als 90 000 Menschenleben.

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