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Fortsetzung von der vorigen Seite : Die Welt altert, doch Kuba wird immer jünger

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Diese Menschen, so suggerieren die Bilder, leben nachts, unter ihresgleichen, und gewiss gibt es viele unter ihnen, die der Maler mit dem Künstlernamen Salvador gern von der Straße holen würde. An einem dieser Tage von Havanna habe ...

          Diese Menschen, so suggerieren die Bilder, leben nachts, unter ihresgleichen, und gewiss gibt es viele unter ihnen, die der Maler mit dem Künstlernamen Salvador gern von der Straße holen würde.

          An einem dieser Tage von Havanna habe ich das Vergnügen, bei Dreharbeiten zu dem Kollektivfilm "Sieben Tage in Havanna" dabei zu sein, der von der Rumfirma Havana Club gefördert wird - Alejandro González ist für die Setfotografie zuständig. Sieben Regisseure, darunter Benicio del Toro, Elia Suleiman, Laurent Cantet und Juan Carlos Tabío, erzählen je einen Tag aus dem Leben der Hauptstadt, die durch emblematische Schauplätze zwischen Alt-Havanna, dem Malecón oder dem Hotel Nacional zum wahrhaften Mitspieler wird. Manche der Kurzfilme beruhen auf Geschichten des kubanischen Kriminalautors Leonardo Padura; die Handlung soll jeweils vom Morgen bis zum Abend dauern und keine der Stories mehr als eine Woche Drehzeit beanspruchen.

          Es ist seltsam, wie sich das wirkliche Leben in die erfundenen Geschichten schleicht. Die alte Martha, eine fromme, von Heiligenstatuen umgebene Frau, so erzählt es der Kurzfilm des französischen Regisseurs Laurent Cantet, hat geträumt, die Göttin Oshun fordere, dass sie ihre baufällige Wohnung in einen Tempel verwandelt. Die Wünsche sind so ausgefallen, dass innerhalb kurzem die ganze Familie und Nachbarschaft mithelfen muss, die Bude bis zum Abend desselben Tages umzukrempeln: Wenn der natürliche Verfall schon keine Ruinen liefert, machen die Leute sich selbst welche.

          Ich beobachte die jugendlichen Statisten, die an dem Film mitwirken. Sie sitzen vor dem Haus und warten klaglos. Mehr, ihr Warten hat etwas merkwürdig Aktives, es ist weniger ein Nichtstun als eine Haltung, die Erkenntnis und lange Übung verrät. Hier bin ich und weiche nicht! In der Wohnung selbst geht es drunter und drüber. Kubaner wissen zu improvisieren, im Leben und im Film. Wenn dann noch Aberglauben hinzukommt, ist das Abbild des kubanischen Alltags perfekt.

          Tags darauf lerne ich den Regisseur Juan Carlos Tabío kennen, der zusammen mit dem verstorbenen Tomás Gutiérrez Alea 1994 den Film "Erdbeer und Schokolade" gedreht hat, das größte kubanische Kinoereignis der letzten Jahrzehnte. Tabío ist ein weiser Mann von achtundsechzig Jahren, unbeeindruckbar vom Lärmen der Welt. Einer seiner Filme heißt charakteristischerweise "Lista de espera", Warteliste.

          Wem er sich denn verpflichtet fühle, wenn er drehe, frage ich ihn. An wen er zuerst denke? "An das Publikum", sagt Tabío. "An die Menschen. Der Regisseur ist einer von ihnen. Die Sünde Kubas ist die Metaphysik." Was er damit meine? "Dass die Ideen wichtiger sein sollen als die Tatsachen", antwortet Tabío. Im kubanischen Kino gehe es immer ums Überleben, darum, den Alltag zu meistern. Die Probleme seien seit Ewigkeiten dieselben.

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