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Ein Gespräch mit Elfi Mikesch : Im Mittelpunkt eines ganz kleinen Feldes

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Von Bert RebhandlFRAGE: Frau Mikesch, Sie wussten schon lange, dass Werner Schroeter schwer krank war. Als er dann im April vergangenen Jahres starb, waren Sie darauf gefasst?ANTWORT: Wir hatten bis zuletzt an "Mondo ...

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          Von Bert Rebhandl

          FRAGE: Frau Mikesch, Sie wussten schon lange, dass Werner Schroeter schwer krank war. Als er dann im April vergangenen Jahres starb, waren Sie darauf gefasst?

          ANTWORT: Wir hatten bis zuletzt an "Mondo Lux" gearbeitet, dazu hat er an der Volksbühne in Berlin "Antigone/Elektra" einstudiert, und parallel haben wir an dem Film schon geschnitten. Ich war gerade bei einer Szene aus "Eika Katappa", in der Carla Alaulu auf diese Landstraße fällt und dabei sagt: "Das Leben ist etwas ganz Besonderes - gerade jetzt." In diesem Moment haben wir einen Anruf bekommen aus Kassel, wo Werner in der Klinik war, um sich zu erholen. Wir sind sofort losgefahren: Christian Holzfuß, sein Kunsthändler, und ich. Monika Keppler, die Dramaturgin, war schon da. Auf halber Strecke haben wir die Nachricht seines Todes bekommen. Ich sehe das als Bestätigung, dass der Film und die Arbeit und die Kunst eng verknüpft und einfach nicht zu trennen sind. Besonders nicht bei Werner.

          FRAGE: Sie sehen seinen Tod im Zeichen der Kunst?

          IANTWORT: ch sehe ihn im Zeichen des Lebens, und so, wie Werner das in seiner Kunst umgesetzt hat - sehr konsequent und sehr eindrucksvoll.

          FRAGE: Es geht in "Mondo Lux" nicht so sehr um eine persönliche Biographie von Werner Schroeter, aber es ist dabei ein sehr diskreter und doch sehr freimütiger Film geworden.

          Ja, es ist doch alles zu sehen. Die Ahnung ist ja auch ein großes Potential, zu erkennen, was hinter den Bildern oder hinter den Worten ist. Eine der letzten Szenen zeigt einen Ausschnitt aus seinem Film "Generalprobe". Das ist so ein Bild, das steht auch für mich für das Ende des Lebens von Werner Schroeter. In allen Szenen ist sehr viel Intimes oder Privates, es wird nur nicht ausgestellt, das war nie die Absicht. Die Intensität, die ein solches Leben ausmacht, zeigt sich in seiner Arbeit - das lässt sehr, sehr tief schauen. Und die heiteren Szenen mit Rosa von Praunheim zeigen ja jede Menge Privates. Das Intime ist für mich immer auch der Respekt davor.

          FRAGE: Angesichts seiner schweren Krebserkrankung betont Werner Schroeter immer wieder, wie wichtig "Würde" für ihn war.

          ANTWORT: Das ist das Erbe seiner Großmutter, die ihm etwas eröffnet hat für sein Leben, nämlich Phantasie und Kreativität und eine Haltung, die er mit der Würde des Lebens verbindet. Er ging ja durch sehr schwierige Situationen in seinem Leben und hat sich nicht gewehrt, wenn er bedrängt wurde. Diese Haltung hat er bis zuletzt mit großer Stärke aufrechterhalten. Man kann ihn ja in dem Film beobachten, mit welcher Disziplin er bei der Arbeit in Erscheinung tritt.

          FRAGE: In den letzten Jahren hat Schroeter in Deutschland ein Comeback erlebt, nachdem er lange Zeit am Rande stand. In "Mondo Lux" zeigen Sie ihn als Mittelpunkt eines ganz kleinen Feldes. Mit Absicht?

          ANTWORT: Es gibt ein kleines und ein sehr großes Feld. Ich musste einen Fokus herstellen, zum Teil auch aufgrund der Wünsche, die Werner Schroeter selbst angemeldet hatte. Die Arbeit mit den Schauspielern ist so kostbar, dem haben wir viel Platz eingeräumt. Ich hätte noch viele Freunde und Mitarbeiter befragen können, aber ich wollte das Schwergewicht auf die letzten Arbeiten legen.

          FRAGE: Zu denen zählt auch eine Fotoausstellung, in denen er eine interessante Form der großformatigen Intimität gefunden zu haben scheint.

          ANTWORT: Diese vergrößerten Fotografien waren auch für mich eine große Überraschung, denken Sie an das eine, auf dem er sich selbst nackt im Hotelzimmer ANTWORT: darstellt. Da kann ich mir Gedanken machen: Was ist das für ein Leben? Diese Ausstellung hat ihn sehr glücklich gemacht. Ich war ja dabei, als der Plan dazu aus dem Nichts entstand. Es gab die Idee, das in einem größeren Rahmen zu präsentieren, dann aber war die Möglichkeit schneller da, an einem merkwürdigen Tag, am 25. Dezember, zu eröffnen. Diese Fotografien sind die Türen für den Film. Sie eröffnen den Zugang zu den Geschichten, die Werner Schroeter erzählen wollte.

          FRAGE: Schroeter hat mehrmals in seinem Leben für ihn wichtige Menschen verloren. Wie konnte er diesen Schmerz in Würde verwandeln?

          ANTWORT: Was sich im Inneren eines Menschen abspielt, der mit dem Tod der Freunde konfrontiert wurde und schließlich mit der eigenen Sterblichkeit, bleibt bis zu einem gewissen Grad unerschließbar. Ich denke, dass sein letzter Film, "Diese Nacht", eine Summe von Erfahrungen und Bewältigungen dieses auch gewaltsamen Sterbenmüssens darstellt, gerade auch vor dem Hintergrund des Zustands der Welt. Das hat ihn nicht losgelassen: die Welt als Kriegsschauplatz, als Auseinandersetzung mit Extremen. Deswegen auch diese doppelte Tragödie am Theater: Antigone und Elektra. FRAGE:

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