Studienplatzwahl : Hauptsache, nicht zu weit weg von zu Hause
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Bild: Seuffert, Felix
Deutsche Studienanfänger sind immobil. Die Nähe zum Heimatort ist das wichtigste Kriterium bei Wahl der Hochschule, Forschungsrankings sind nur Nebensache.
Es ist noch nicht lange her, da wurde die deutsche Hochschullandschaft als recht homogen wahrgenommen. Doch seit einigen Jahren stellen Hochschulen im Wettbewerb um die guten Studenten ihre Unterschiede immer stärker heraus. Gerne berichten sie, wenn sie in Rankings gut abgeschnitten haben oder wenn sie Geld aus der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern, die besonders forschungsstarke Universitäten fördert, bekommen haben.
Doch inwieweit lassen sich Abiturienten bei der Wahl der Hochschule von Ranglisten und der Klassifizierung einer Einrichtung als exzellent leiten? Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) hat herausgefunden, dass Exzellenz und Ranglisten Studienanfänger in der Wahl der Hochschule nur moderat beeinflussen. Für die Studie hat das Institut 4500 Bewerbungen für einen Studienplatz in Medizin ausgewertet. Alle Bewerber hatten das Abitur mit 1,0 abgeschlossen und an allen Hochschulen beste Chancen, genommen zu werden.
Die Nähe der Hochschule zum Wohnort ist das wichtigste Kriterium
Das ZEW fand heraus, dass sich Studienplatzbewerber mit herausragenden schulischen Leistungen zwar durchaus von dem Gütesignal "Exzellenz-Universität" und vorderen Plätzen in Ranglisten leiten lassen. Im Vergleich zu anderen Kriterien spielten sie aber nur eine untergeordnete Rolle. "Nach wie vor ist die Nähe der Hochschule zum Wohnort das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung für eine Hochschule", erläutert die Autorin der Studie, Julia Horstschräer. Sie hat berechnet, dass jeder Kilometer, den eine Hochschule weiter vom Wohnort entfernt ist, die Wahrscheinlichkeit einer Bewerbung um 1,7 Prozent verringert. "Deutsche Studienbewerber sind ziemlich immobil", schlussfolgert sie.
Die Plätze in den Rankings werden nach verschiedenen Indikatoren vergeben. Nach der Untersuchung achten Studienanfänger, wenn sie Ranglisten heranziehen, weniger auf Merkmale, die die Forschungsqualität beschreiben, als auf solche, die auf die Unterrichtsbedingungen hinweisen: zum Beispiel auf das Betreuungsverhältnis, die Infrastruktur und die Zufriedenheit der jetzigen Studierenden. Das bedeute aber nicht, dass sich Studienbewerber mit besonders guten schulischen Leistungen nicht für die Forschungsqualität einer Hochschule interessierten, erläutert Horstschräer. Im Gegenteil: Sie bewürben sich überdurchschnittlich oft an forschungsstarken Universitäten.
Forschungsbezogene Rankings bieten Studienbewerbern keine zusätzlichen Informationen
Dabei würden sie aber kaum von den Ergebnissen in den Rankings oder der Exzellenzinitiative geleitet. "Da die Forschungsqualität der Hochschulen allgemein bekannt ist und zu einem Großteil über die Zeit als konstant wahrgenommen wird, bieten die forschungsbezogenen Indikatoren der Rankings keine zusätzlichen Informationen für die Bewerber", erklärt die Wissenschaftlerin. Deutlich mehr werde die Hochschulwahl davon beeinflusst, wie eine Einrichtung bei den Indikatoren abgeschnitten habe, die sich nicht auf die Forschung bezögen. Horstschräer folgert daraus, dass eine Hochschule besonders viele Bewerber anzieht, wenn sie in den Ranglisten mit Merkmalen vorne liege, die nichts mit Forschung zu tun haben.
Insgesamt spricht sich die Wissenschaftlerin für Ranglisten aus, die viele verschiedene Indikatoren berücksichtigen. Diese unterstützten eine wohlüberlegte Wahl und erhöhten damit die Wahrscheinlichkeit, dass ein Student zur Hochschule passe. "Das wiederum kann zu besseren Bildungsergebnissen führen und so dem Gemeinwohl dienen." Zudem hofft Horstschräer, dass die multidimensionalen Rankings auch den Spitzeneinrichtungen Anreize geben, in Betreuung und Infrastruktur zu investieren.