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Öffentlicher Dienst : Manager in die Amtsstuben

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

Dem Staat droht ein drastischer Personalmangel. Die Behörden müssen lernen, ihre Mitarbeiter mit modernen Instrumenten zu managen. Das fällt vielen schwer.

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          Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Jeder dritte Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes wird sich in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand verabschieden. Bund, Länder und Kommunen werden nach Schätzungen des Bundesinnenministeriums 35 Prozent ihrer derzeit 4,6 Millionen Mitarbeiter verlieren. Alle Ebenen der öffentlichen Verwaltung sind in ähnlichem Maß betroffen von dem Generationswechsel. Es trifft die Kreispolizeibehörde Borken in Nordrhein-Westfalen, wo 2012 fast jeder zweite Polizist älter als 50 Jahre sein wird. Es trifft die aufgeblähten Berliner Senatsverwaltungen, deren Altersdurchschnitt durch einen jahrelangen Einstellungsstopp in die Höhe getrieben wurde. Es trifft den Stadtstaat Hamburg, den Landkreis Märkisch-Oderland und das Flächenland Baden-Württemberg.

          "In absoluten Zahlen sind Länder und Kommunen stärker betroffen als der Bund", sagt Reinhard Timmer, Leiter der Abteilung Verwaltungsmodernisierung im Bundesinnenministerium. "Aber die Probleme sind dieselben: ältere Belegschaften, weniger Frühpensionierungen, mehr Konkurrenzdruck durch private Arbeitgeber, weniger gute Bewerber", zählt Timmer auf.

          Die Probleme mögen dieselben sein, aber in vielen Behörden wird zu spät oder noch gar nicht nach Lösungen gesucht. Manchmal zeigen Konzepte auch nicht die erhoffte Wirkung oder sorgen für Konflikte. Wenn der Staat aber mit immer älteren Leuten und immer kleinerem Budget eine immer anspruchsvollere Kundschaft versorgen will, ist ein professionelles Personalmanagement unverzichtbar. Jeder Mitarbeiter muss auf dem richtigen Platz sitzen.

          „Personalmanagement wie ein Flickenteppich“

          Wie weit welche Personalverwaltungen schon gekommen sind, ist von außen schwer zu erkennen. "Das Personalmanagement des öffentlichen Dienstes ist wie ein Flickenteppich", sagt Martin Brüggemeier, Professor für Public Management an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. "Es gibt hier und da bemerkenswerte Konzepte und erfolgreiche Projekte. In der Regel fehlt aber eine integrierte Strategie." So nutzt der Staat die Idee des internen Arbeitsmarkts kaum: Selten wechseln Angestellte oder Beamte zwischen einzelnen Behörden, staatliche Stellenbörsen sind rar. Ministerien desselben Bundeslandes planen lieber auf eigene Faust als gemeinsam. Als eine lobenswerte Ausnahme gilt der Stadtstaat Hamburg, wo die Personalstrategie von einer zentralen Behörde entwickelt wird. Die Konzepte werden in den Fachbehörden notfalls angepasst.

          "Man kann sagen, dass die Kommunen in Fragen des Personalmanagements weiter sind als viele Länder oder der Bund", sagt Elke Holzrichter. Sie ist Expertin für Personalmanagement in der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement, in der mehr als 1600 Kommunen Mitglied sind. Holzrichter berät Kommunen und Länder zum Thema Personalmanagement. Den Vorsprung der Kommunen in Personalfragen erklärt sie mit der kommunalen Finanzkrise in den neunziger Jahren. "Außerdem arbeiten sie näher am Bürger", sagt Holzrichter. Sie spürten Unzufriedenheit mit ihrer Aufgabenerfüllung viel schneller.

          Lernen von der Privatwirtschaft

          Eine Kernfrage ist für Behörden, welche Instrumente sie von privaten Unternehmen übernehmen können und welche sich nicht mit dem öffentlichen Dienstrecht oder den Eigenarten der Verwaltung vereinbaren lassen. Ein Dauerbrenner ist dabei das Thema leistungsorientierte Vergütung. 2005 wurde im Tarifvertrag für die Angestellten der Kommunen und des Bundes (TVÖD) vereinbart, dass zunächst ein Prozent des Besoldungsetats für die Belohnung überdurchschnittlicher Leistungen verwendet werden soll. Und auch für Bundesbeamte sieht das Bundesbesoldungsgesetz seit 1997 Leistungsprämien vor. Im Topf liegen derzeit allerdings nur 30 Millionen Euro - 0,3 Prozent der Besoldungsmasse.

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