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Kuratoren für die Kommunikation : Die hohe Kunst der Banken

So rege ist das Kulturleben in Frankfurts Bankentürmen , dass eine Ausstellung die andere jagt. Die Commerzbank zeigt mehrmals im Jahr in ihrem zentralen Hochhaus am Kaiserplatz die Plaza-Schau. In der DZ Bank stellt die Leiterin Christina Leber mit ihrem Team von insgesamt fünf Leuten je Jahr 12 neue Etagenausstellungen zusammen, bei denen die Kollegen ein gewichtiges Wort mitreden. Längst vergangen scheinen die Zeiten, in denen die Kunstwerke ausschließlich die Vorstandsbüros in der obersten Etage zierten. Zu Hannes Glock kann jeder Mitarbeiter kommen, der seine weiße Wand mit einem Bild verzieren will. Dann verschwinden beide im Depot der Bank, in dem Tausende von Bildern aufbewahrt werden. Der Austausch mit den Kollegen ist so rege, dass Glock irritiert blinzelt, als er nach seiner Exotenstellung inmitten einer Welt von Collateral Debt Obligations und Swap-Geschäften gefragt wird. „Ich fühle mich hier in der Bank nicht als Exot“, sagt der Kunsthistoriker, der mit seiner modisch geschnittenen Brille optisch zumindest einen dezenten Kontrapunkt zum standardisierten Banker-Schick setzt. Er ist mit der Schnittstelle von Kunst und Wirtschaft ohnehin bestens vertraut. Glock hat Kunstgeschichte und Betriebswirtschaftslehre studiert. Er arbeitete beim berühmten Auktionshaus Sotheby’s, bevor er im Jahr 2005 vor dem Zusammenschluss mit der Commerzbank bei der Dresdner Bank einstieg.

Kunstworkshops für Kinder

Auch Christina Leber fühlt sich in der Genossenschaftsbank als fester Bestandteil der Belegschaft, betont sie doch gleich zu Beginn des Gesprächs, dass die Kunstsammlung vor allem gegründet wurde, um die Kommunikation im Hause zu fördern. Über die Jahre hat die Bank ihre Mitarbeiter immer wieder in Kunstprojekte eingebunden, die übermalten Porträts von Robert Barry sind nur ein Beispiel von insgesamt zehn. Im 26. Stock des DZ-Bank-Towers „Westend“ zieren Fotos der Münchner Künstlerin Tamara Grcic die langen Wände der Flure. Stillleben im Handelssaal der Genossenschaftsbank hat sie fotografiert, und die Motive erinnern an die Vielfältigkeit des Büroalltags. Auch nach Jahren ist Kuratorin Christina Leber sichtlich amüsiert von dem liebenswerten Chaos, in das die Kollegen ihren Arbeitsalltag einbetten: hier ein leicht lädierter Schokokuss in der Schublade, dort in Alufolie eingewickelte Stullen. Mal hängt der Mantel schief über dem Stuhl, mal liegt er sorgfältig zusammengefaltet auf dem Nebentisch. Im Großraumbüro reiht sich Schreibtisch an Schreibtisch, und jeder sieht anders aus.

Über die Ausstellungen im Haus, aber auch außerhalb fänden die Mitarbeiter immer wieder ins Gespräch, berichtet auch die Kuratorin Janina Vitale. Sie veranstaltet für die Kinder der DZ-Bank-Mitarbeiter in den Ferien Kunstworkshops. Diese Angebote sind so beliebt, dass sie meist binnen einer Stunde ausgebucht sind.

Ähnlich populär war auch die Fotoausstellung „Real“ 2008 im Städel. Vor der Ausstellung habe sie mit zwei Mitarbeiterführungen gerechnet, berichtet Leber. Am Ende waren es 56. Fast die Hälfte der insgesamt 3000 Mitarbeiter in Frankfurt haben sich die Ausstellung angesehen. Die Erinnerung daran verursacht ihr immer noch Gänsehaut. „Diese Erfahrung hat uns gezeigt, dass unsere Arbeit nach 15 Jahren angekommen ist.“

Kunst im Tower

So viele Kunstwerke haben sich in den Frankfurter Bankentürmen angesammelt, dass eine Ausstellung die andere jagt. Die Commerzbank zeigt mehrmals im Jahr in ihrem zentralen Hochhaus am Kaiserplatz in der Frankfurter City die Plaza-Show, in der junge Künstler oft zum ersten Mal ihre Werke ausstellen können. Vom 22. Juni an sind Arbeiten von Dominik Gohla und Hannes Michanek zu sehen. Die Dauerausstellung im Hochhaus „Galileo“ können Besucher in einer öffentlichen Kunstführung an jedem 3. Mittwoch im Monat um 18.30 Uhr sehen. Die DZ Bank veranstaltet neben ihrer Zusammenarbeit mit dem Städel in ihrem Art Foyer mehrmals im Jahr thematische und monografische Ausstellungen, ab August zum Thema Gruppenporträts, im November zu Religion und Riten. In ihrem Ausstellungsraum „Schaufenster“ zeigt sie derzeit Fotografien des Künstlers Emanuel Raab. Außerdem stellt das sechsköpfige Kunstteam für die Mitarbeiter der DZ Bank je Jahr zwölf neue Etagenausstellungen zusammen, bei denen die Kollegen ein gewichtiges Wort mitreden können.

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