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Kuratoren für die Kommunikation : Die hohe Kunst der Banken

Kunst und Kultur als Kommunikationsmotor

Außen Prestigeprojekt, innen Kommunikationsmotor - diese Mischung scheint nur Kunst und Kultur zu gelingen. Schon vor Jahrhunderten sind Bankiers in die Rolle der reichen Mäzene geschlüpft, haben Kunstwerke gesammelt und damit mehr oder weniger bedürftige Künstler unterstützt. Das ist auch heute nicht anders, doch lange Jahre haben Banken und Unternehmer gerne Stillschweigen über ihr Engagement gewahrt und in hausinternen Ausstellungen allenfalls ihre Mitarbeiter mit ihren Schätzen beglückt. Spätestens der weithin beachtete Umbau und die Eröffnung des spektakulären Erweiterungsbaus des Frankfurter Städel-Museums Anfang des Jahres hat das Engagement der Banken wieder in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. Am Museumsufer spricht man ganz offen über die Schwächen der eigenen Sammlung, stolz verweist man auf die umfangreichen Dauerleihgaben aus dem Bankenviertel, die diese Lücken schließen. Die zeitgenössische Kunst im neuen Städel-Erweiterungsbau? Dank Leihgaben der Deutschen Bank ein Aushängeschild des Museums. Die Fotografie als aufstrebende Kunstrichtung? Ohne die DZ Bank quasi nicht vertreten.

Erst Anfang des Monats hat eine neue Stiftung des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK) das Licht der Kulturwelt erblickt. Das Stiftungsvermögen beläuft sich auf eine Million Euro und stammt aus einer Spende der Commerzbank aus dem Jahr 2010, als die finanzielle Lage der Bank eigentlich keine großen Sprünge zuließ. Das Geld floss aus dem Verkauf einer Plastik des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti. Das Kunstwerk hatte die Commerzbank nach dem ansonsten ziemlich missratenen Zusammenschluss mit der Dresdner Bank geerbt. 75 Millionen Euro spülte die Auktion in die Kasse der klammen Bank, ein Weltrekord. Damals übergab die Commerzbank dem MMK zusätzlich 17 Dauerleihgaben aus der Kunstsammlung der früheren Dresdner Bank, vier andere Museen in ganz Deutschland profitierten auch von Gemälden. „Mit den Dauerleihgaben konnten wir bei den Museen Lücken in bestimmten Sammlungsbereichen schließen“, sagt der Kurator Hannes Glock. Mit Spenden wolle man zudem nachhaltig die Bereiche Museumspädagogik und Restaurierung fördern. Und nun auch noch die neugegründete MMK-Stiftung: „Es schließt sich ein Kreis“, sagt er. „Damit haben wir vor zwei Jahren etwas angestoßen, das bleibt.“

Auch die DZ Bank hat etwas Bleibendes geschaffen, 6800 Kunstwerke von mehr als 600 Künstlern hat sie seit ihrer Gründung vor knapp zwanzig Jahren angeschafft. Damit gehört die Sammlung auf der ganzen Welt zu den größten ihrer Art. Der Bestand ist so üppig, dass er sich gar mit dem Städel messen kann: Das Frankfurter Museum hat mehr als 2900 Gemälde, 600 Skulpturen, 500 Fotografien und rund 100 000 Zeichnungen und Druckgrafiken. „Fotografie ist ein unglaublich demokratisches Medium“, betont Christina Leber - und deswegen geradezu prädestiniert für eine Genossenschaftsbank. „Fast jeder hat schon einmal fotografiert.“ Mit der Wahl, Fotos zu sammeln, hat die damalige Kunsthistorikerin Luminita Sabau ungewöhnlichen Weitblick bewiesen: Heute ist die Fotografie aus kaum einer zeitgenössischen Sammlung mehr hinwegzudenken. Ihre Vorreiterrolle begreift die DZ Bank deshalb auch als Aufgabe. „Wir legen Wert auf Vollständigkeit“, sagt Leber. Mit weiteren Ankäufen versucht die Bank alle Gattungen der Kunsttheorie abzudecken: Porträt, Landschaft, Stillleben, Stadtansichten, Interieurs und Konzeptkunst.

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