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Berliner Museumsstreit : Plädoyer für eine zweite Museumsinsel

Raum für die Kunst: Am Kulturforum hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Chance, ihre großen Gemäldesammlungen zusammenzuführen Bild: picture-alliance / Helga Lade Fo

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz braucht dringend ein Museum für die klassische Moderne. Warum baut man es nicht dort, wo es am nötigsten wäre: am Kulturforum hinter dem Potsdamer Platz?

          Der Hinterhof Berlins beginnt am Potsdamer Platz. Wer den zugigen Glaspalast des Sony-Centers und die fliehenden Linien und senfgelben Kuben von Scharouns Philharmonie in seinem Rücken hat, kommt an einen Ort, der keiner ist. Links türmt sich die Staatsbibliothek wie ein am Landwehrkanal gestrandeter und langsam zerfallender Supertanker auf, rechts schiebt sich neben dem Bausparkassen-Imitat des Kunstgewerbemuseums eine Art Festungsvorwerk in den Blick, dem nur die Geschütze fehlen, mit Sperrwehren, Zickzackmauern, Beobachtungstürmen und spiegelglatten Treppen, eine schimmernde Bastion, deren vordringlicher Zweck darin zu bestehen scheint, möglichst viele Menschen vom Besuch der Gemäldegalerie abzuschrecken.

          Nur die „Alibar“ sorgt für Leben an der Brache

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Geradeaus aber, auf den gut hundert Metern, die man an der wieder aufgebauten Matthäuskirche vorbei zur Neuen Nationalgalerie zurücklegen muss, breitet sich die Leere aus. Eine Handvoll verkümmerter Bäumchen krallt sich mutlos in den kiesbestreuten Boden. Zwischen Glasscherben und Hundekot lagern Steinbrocken verschiedener Größen und Formen, denen man beim Näherkommen die künstlerische Absicht, wenn auch kein Gelingen ansieht. Zur Neuen Potsdamer Straße hin, auf der vierspurig der Autoverkehr vorbeidröhnt, öffnet bei schönem Wetter die „Alibar“ ihre Pforten, eine Imbissbretterbude, die müde Berlin-Wanderer mit Pommes und Bier versorgt.

          Der Berliner Senat hat diesen Ort im Zentrum der Hauptstadt vor zwei Jahren aufgegeben. Im Herbst 2010 beschloss die Koalition aus SPD und Linkspartei, die „freie Sichtbeziehung über den Stadtlandschaftsraum von der Nationalgalerie zur Philharmonie“ müsse erhalten und der leere Platz zwischen ihnen deshalb leer bleiben. Das ist genau so absurd gedacht, wie es klingt: Damit man sich mit der Brache nicht weiter abgeben muss, wird sie zum Stadtlandschaftsraum geadelt.

          Dabei wurzeln hier, in der Wüste der Berliner Stadtplanung, ein paar der edelsten Kulturstätten der Republik: die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe, der schönste aller Museumspavillons; die Gemäldegalerie mit ihren Alten Meistern; die Philharmonie mit ihrem Orchester von internationalem Ruf; dazu das notorisch unterschätzte Kupferstichkabinett, das eine der weltgrößten Sammlungen von Zeichnungen, Drucken und Aquarellen aller Epochen besitzt; das Kunstgewerbemuseum mit seinen Gold- und Silberschätzen und die Kunstbibliothek.

          Diese Umgebung, sollte man meinen, müsste die Berliner Politik zu mutigen Plänen und sinnvollen Taten herausfordern. Aber offenbar genügt es den Verantwortlichen, dass hier die „Alibar“ steht.

          Vom Kulturkampf zur Machbarkeitsstudie

          Und nun ist um das „Kulturforum“, wie sich das Ensemble in mutwilliger Beschönigung seines baulichen Zustands nennt, auch noch ein Museumsstreit entbrannt. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will die Alten Meister aus der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel umsiedeln und an ihrer Stelle die Bestände der Neuen Nationalgalerie sowie die Sammlungen Marx und Pietzsch zu einem neuen Haus der klassischen Moderne vereinigen.

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