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Bayreuther Festspiele : Gebt dem Marx endlich eins auf die Nase!

  • -Aktualisiert am

Kapitalismuskritik trifft Trash: Catherine Foster als Brünnhilde in Frank Castorfs Bayreuther „Ring“-Regie Bild: Bayreuther Festspiele

Trash, Kalauer und Versatzstücke aus der Volksbühne: Frank Castorfs Inszenierung von Wagners „Ring“ fällt bei den Bayreuther Festspielen auch im zweiten Jahr durch.

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          Vielleicht nehmen ihn alle viel zu ernst. Als Frank Castorf nach der Wiederaufführung seiner „Ring“-Inszenierung von 2013 bei den Bayreuther Festspielen die Bühne betritt und provozierend in die Runde grinst, ist den meisten Zuschauern nicht mehr nach Lachen zumute. Große Gereiztheit hat sich breitgemacht, nicht erst mit der Wiederaufnahme von „Siegfried“, dem dritten Tag der Tetralogie, und die Aufführung der finalen „Götterdämmerung“ hat wenig zur Befriedung der Gemüter beigetragen. Jetzt, nach gut sechzehn Stunden Musiktheater, will ein Teil des Publikums Köpfe rollen sehen, mindestens: So spürbar ist der Hass auf den Regisseur. Die angestaute Wut entlädt sich in einem Buh-Sturm, wie ihn auch die Festspiele in Bayreuth nicht alle Tage erleben. Wagners Mythentempel - ein Tollhaus. Was hat die Leute so erzürnt?

          Mit viel Wohlwollen könnte man sagen: Das verheerende Echo war vorhersehbar, denn es beruht auf falschen Erwartungen. Castorf hat nämlich über weite Strecken gar nicht Wagners Nibelungen-Saga inszeniert, jedenfalls nicht nach den Maßstäben herkömmlicher Opernregie. Er hat vielmehr eine freie szenische Phantasie über die vier Teile des Zyklus ausgebreitet, die nur an wenigen Stellen konkret das Geschehen nachzeichnet. Stattdessen greift Castorf immer wieder einzelne Themen aus Wagners Mythengefüge heraus und spinnt sie leitmotivartig fort zu einer eigenen Erzählung. Die daraus erwachsenden Vorgänge auf der Bühne haben stellenweise kaum mehr Berührung mit der Vorlage, doch wollen auch sie, wie einst Richard Wagner, von der Pervertierung des Menschen durch materielle Gier erzählen und vom Scheitern aller Utopien. Die Spannung zwischen beiden Erzählsträngen - um von „Dialektik“ nicht zu reden - ist der interessante Teil des Konzepts. Daraus hätte etwas werden können.

          Weniger wohlwollend betrachtet, liegt genau in dieser Verdoppelung das Problem. Castorfs Erzählung ist nämlich weder originell noch dicht genug, um es mit Wagners musiktheatralischer Weltschöpfung aufnehmen zu können. Viele Ideen sind Versatzstücke aus einem Vierteljahrhundert Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, die meisten szenischen Einfälle folgen noch immer einem zwanghaften Reflex zur Aktualisierung, die freilich nur selten Erkenntnis bringt. Dass Teile der „Götterdämmerung“ bei Castorf nicht in der Gibichungenhalle, sondern an einer Dönerbude im Hinterhof spielen, mit Resten der Berliner Mauer zur Linken - wie tiefsinnig. Dass Siegfried pro forma zwar an irgendwelchen Schwerttrümmern herumschleift, den Kapitalisten Fafner dann aber doch mit einer Salve aus der Kalaschnikow niederstreckt - entsetzlich laut und entsetzlich plakativ. Dass schließlich Wotan und Erda ihr Streitgespräch im dritten „Siegfried“-Akt bei Spaghetti und Rotwein in einer Biertischkneipe am Alexanderplatz führen und die Urmutter den strauchelnden Gott mit einem Blowjob versöhnen will - was soll’s.

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