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Bau des Terminal 3 unsicher : Fraport-Arbeitnehmer fürchten um Ausbauprojekt

Simuliert: Die beiden Finger in der Mitte (dunkle Gebäudeteile) sollen laut Plan auf dem Flughafen in Frankfurt am Main neu gebaut werden. Bild: dpa

Nicht nur die Grünen, sondern auch Ministerpräsident Volker Bouffier stellt den dritten Terminal für den Frankfurter Flughafen in Frage. Der Betriebsratschef der Fraport AG ist beunruhigt.

          Edgar Stejskal ist alarmiert. Bisher hatte der Konzernbetriebsratsvorsitzende der Fraport AG den alten und wohl auch neuen hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) nicht als jemanden kennengelernt, der beim Flughafenausbau wankt. Doch nun, da aus Berlin das Plazet für einem Anlauf zu Schwarz-Grün in Hessen kam, stellt auch Bouffier das dritte Terminal in Frankfurt in Frage, nicht mehr nur die Grünen: Der Flughafenbetreiber müsse darüber nachdenken, ob sich die Investition noch lohne, meinte Bouffier.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Solche Einlassungen beunruhigen Arbeitnehmervertreter Stejskal. Tatsächlich hat Bouffier noch im Landtagswahlkampf stets entschieden für den Ausbau gestritten und dabei auch auf die rechtliche Basis, die Planfeststellung, das Baurecht, die Gerichtsurteile und die Mediation, hingewiesen. Diese Entschiedenheit sei offenbar verloren, befürchtet Stejskal. Überhaupt sei bis vor kurzem weder in der CDU noch in der SPD in Frage gestellt worden, dass der vollständige Ausbau nötig sei, um die besondere Funktion des Flughafens als weltweit bedeutendes Luftverkehrsdrehkreuz, als größte Arbeitsstätte Deutschlands und als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Hessen zu erhalten.

          Projektbeurteilung „grob fahrlässig“

          „Die Diskussion jetzt ist sachlich nicht begründet“, kritisiert Stejskal. Er hält es für geradezu absurd, wenn der Eindruck erzeugt werde, der Vorstand des Flughafenbetreibers prüfe nicht selbst kontinuierlich - und ohne, dass es Ratschlägen aus der Politik bedürfe -, wann es betriebswirtschaftlich sinnvoll sei, Investitionsentscheidungen zu vollziehen. Das geschehe nicht zuletzt in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat. Stejskal gehört dem Kontrollgremium als ein Vertreter der Arbeitnehmerseite an. Ein so langfristiges Großprojekt anhand von Verkehrszahlen mitten in einer Krise beurteilen zu wollen, hält er für „grob fahrlässig“.

          Gerade weil der Flughafenbetreiber die Volatilität des Geschäfts der Luftverkehrswirtschaft genau kenne, sei doch der Zeitplan für den Bau des Terminals flexibel gestaltet und der Beginn auch schon verschoben worden. Aus demselben Grund habe man das Terminal 3 in zwei Modulen geplant, die je nach Bedarf gebaut werden könnten.

          Wachstum darf nicht leiden

          Dass ein Verzicht auf das neue Terminal zugleich den Verzicht auf einen Großteil des mit dem Milliarden-Projekt anvisierten Kapazitätsgewinns bedeutet, weil ohne mehr Platz am Boden auch die Kapazität der neuen Landebahn nicht voll auszuschöpfen ist, weiß auch Stejskal. Damit sei die Rentabilität der gesamten Investition in Frage gestellt. In dieser Situation sei dann womöglich auch der Aufsichtsrat gefordert. „Man darf dabei nicht vergessen, dass wir eine AG sind“, hebt Stejskal hervor. Eventuell müsse man auch überlegen, wer für den finanziellen Schaden in Regress zu nehmen sei, falls sachfremde Erwägungen den Ausschlag gäben.

          Falls sich am Ende der Verhandlungen beim Terminal 3 und hinsichtlich weiterer Betriebsbeschränkungen tatsächlich die Grünen gegen die CDU durchsetzen, sieht Stejskal vor allem die Arbeitnehmer am Flughafen unter Druck. „Wenn die Konkurrenzfähigkeit leidet, dann wird das auch Arbeitsplätze kosten“, fürchtet er. Dagegen werde er als Betriebsrat „mit aller Entschiedenheit“ angehen. Dass die Fraport und das Land parallel zum Ausbau alles technisch Mögliche zur Lärmminderung unternehmen müssten, sei selbstverständlich. Alle Wachstums- und Beschäftigungsperspektiven dürfe dies aber nicht kosten, mahnt Stejska. Mit dieser Meinung steht er bei Fraport nicht allein, nur sagen will es zumindest in der Führungsebene zurzeit keiner.

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