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: Barnier holt die französischen Geiseln in Bagdad ab

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mic./Her. PARIS/ISTANBUL, 22. Dezember. Die beiden vor vier Monaten im Irak entführten französischen Journalisten sind am Mittwoch abend auf dem Militärflughafen Villacoublay bei Paris eingetroffen. Dort wurden sie von Präsident ...

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          mic./Her. PARIS/ISTANBUL, 22. Dezember. Die beiden vor vier Monaten im Irak entführten französischen Journalisten sind am Mittwoch abend auf dem Militärflughafen Villacoublay bei Paris eingetroffen. Dort wurden sie von Präsident Chirac, der zuvor seinen Urlaub in Marokko unterbrochen hatte, und ihren Angehörigen begrüßt. Der französische Außenminister Barnier kam den Journalisten auf ihrer Heimreise von Bagdad nach Paris entgegen. Er traf am Mittwoch nachmittag in Larnaka auf Zypern mit ihnen zusammen und begleitete sie weiter nach Paris. Christian Chesnot und Georges Malbrunot hatten sich seit dem 20. August in der Gewalt der irakischen Terrorgruppe "Islamische Armee im Irak" befunden. Premierminister Raffarin sagte, die Befreiung sei nicht mit der Zahlung eines Lösegelds erwirkt worden, sondern Ergebnis "beständiger, schwieriger und diskreter Arbeit".

          In einer kurzen Fernsehansprache lobte Chirac den Zusammenhalt aller Franzosen in dieser "Bewährungsprobe". Die Entführer hatten zunächst eine Aussetzung des im September in Kraft getretenen Kopftuchverbots für muslimische Schülerinnen an öffentlichen Schulen gefordert. Der sozialistische Fraktionschef Ayrault sagte: "Wir haben uns nicht erpressen lassen. Ungeachtet politischer, religiöser oder philosophischer Standpunkte sind wir alle zusammengerückt." Die Linksopposition kündigte an, die Freude über die Rückkehr der zwei Journalisten nicht verderben zu wollen. Sie werde sich aber für eine schonungslose Aufklärung der Geiselaffäre einsetzen, sagte der sozialistische Parteivorsitzende Hollande. Der französische Auslandsgeheimdienst DGSE (Direction Générale de la sécurité extérieure) soll die Befreiung mit seinen Agenten erwirkt haben. Auf das Kommuniqué der "Islamischen Armee im Irak", in dem die Befreiung auch mit der französischen Irak-Politik begründet wird, wollten politisch Verantwortliche nicht reagieren. "Heute ist ein Tag der Freude, nicht der Polemik", sagte der UDF-Vorsitzende Bayrou.

          Einen Tag nach dem Besuch des britischen Premierministers Blair in Bagdad hat der polnische Ministerpräsident Belka den 2400 Soldaten seines Landes einen Weihnachtsbesuch abgestattet. Auch sein Besuch war aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich angekündigt worden. In Mossul verhängte das amerikanische Militär nach dem Anschlag, bei dem nach neuesten Angaben 18 amerikanische Staatsangehörige und vier Iraker getötet worden waren, am Dienstag eine Ausgangssperre.

          Als Folge der Anschläge in den schiitischen Pilgerstädten Nadschaf und Kerbela vom Sonntag hat Iran seine Grenze zum Irak geschlossen und seinen Bürgern Pilgerreisen in das Nachbarland verboten. Abermals sind im Irak am Dienstag Gotteshäuser und Gemeindezentren von drei Kirchen angegriffen worden. Die meisten Gemeinden hatten bereits mitgeteilt, in diesem Jahr aufgrund der Gefahr von Anschlägen sowie der wirtschaftlichen Lage keine Weihnachtsgottesdienste abzuhalten. (Siehe Seite 6 und Medien, Seite 40.)

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