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: Bankenkrise alarmiert New York

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lid. NEW YORK, 4. November. Die Turbulenzen der amerikanischen Banken versetzen auch die Verwaltung der Finanzmetropole New York in Alarmstimmung. Die Banken und ihre Mitarbeiter sind die wichtigsten Steuerzahler für die Stadt New ...

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          lid. NEW YORK, 4. November. Die Turbulenzen der amerikanischen Banken versetzen auch die Verwaltung der Finanzmetropole New York in Alarmstimmung. Die Banken und ihre Mitarbeiter sind die wichtigsten Steuerzahler für die Stadt New York und den gleichnamigen umgebenden Bundesstaat; die meisten großen Adressen der amerikanischen Finanzindustrie von der Citigroup über Goldman Sachs bis zu Merrill Lynch haben hier ihren Sitz. Ein Großteil von ihnen hat im Zuge der Verwerfungen auf den Hypotheken- und Kreditmärkten im dritten Quartal schwache Ergebnisse vorgelegt. Für den Tiefpunkt sorgte jetzt die Investmentbank Merrill Lynch mit dem höchsten Quartalsverlust ihrer Geschichte, der zur Entlassung des Vorstandsvorsitzenden Stan O'Neal geführt hat. Vor diesem Hintergrund fürchtet New York um seine Steuereinnahmen.

          Bürgermeister Michael Bloomberg hat nun prompt reagiert und einen Einstellungsstopp für alle städtischen Behörden und Einrichtungen verhängt, von der Polizei über Bibliotheken bis zur Müllabfuhr. Die Führungen aller dieser Einrichtungen müssen in den nächsten Wochen Pläne vorlegen, wie sie ihre Budgets im laufenden Fiskaljahr 2007/ 2008 (30. Juni) um 2,5 Prozent und im nächsten um 5 Prozent kürzen. Die Stadt will drohende künftige Haushaltslücken in Milliarden-Dollar-Höhe schließen, nachdem New York zuletzt noch Überschüsse erwirtschaftet hatte.

          Gleichzeitig warnte auch Thomas DiNapoli, der Vorsitzende des Rechnungshofes des Bundesstaates New York, vor Einnahmeausfällen. Nach einer Studie des Rechnungshofes stehen die Banken für 9 Prozent aller Steuereinnahmen der Stadt, beim Bundesstaat New York sind es fast 20 Prozent. Daneben ist aber auch die ganze lokale Wirtschaft auf die Mitarbeiter der Banken angewiesen, die weit überdurchschnittliche Gehälter haben und viel Geld ausgeben: in Restaurants, Geschäften und für Immobilien. Die wohlhabenden Banker sind maßgeblich für das hohe Preisniveau in der Stadt verantwortlich. Gerade die üblicherweise zu Jahresanfang ausbezahlten Boni lösen eine wahre Spendierwut aus. Das war noch in diesem Jahr so, denn 2006 brachte vielen Banken Rekordgewinne ein. Die Boni der Mitarbeiter erreichten der Studie zufolge einen Rekordwert von 23,8 Milliarden Dollar, fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit standen die Boni für knapp 40 Prozent der gesamten Wall-Street-Gehälter von 59,8 Milliarden Dollar. Vor allem Anbieter von Luxusgütern wie teuren Autos erlebten einen Ansturm von Bankern, und auch Immobilienmakler berichteten über glänzende Geschäfte. Der New Yorker Rechnungshof beziffert das durchschnittliche Wall-Street-Gehalt im Jahr 2006 auf fast 340 000 Dollar - ein Vielfaches des Durchschnittsverdienstes in ganz New York von weniger als 60 000 Dollar.

          Nicht zuletzt weil die Wall Street eine sprudelnde Geldquelle war, ging es der Stadt New York bis vor kurzem blendend. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wies die Stadt einen Überschuss von 4,4 Milliarden Dollar aus. Das war noch ganz anders, als Bloomberg im Jahr 2002 ins Amt kam. New York machte damals die schwerste Finanzkrise seit den siebziger Jahren durch. Die Stadt hatte gerade die Terroranschläge hinter sich. Touristen mieden New York, Unternehmen dachten über einen Wegzug nach, und die schon vor den Anschlägen schwächelnde Konjunktur wurde weiter abgebremst. Steuereinnahmen brachen weg, und die Stadt wies Defizite in Milliarden-Dollar-Höhe aus. Bloomberg sah sich zu Steuererhöhungen und Kostenkürzungen gezwungen. Er schaffte es, das Haushaltsloch zu verkleinern. In den folgenden Jahren kam ihm eine Konjunkturerholung zu Hilfe, und New York erwirtschaftete wieder Überschüsse.

          Trotz der zuletzt glänzenden Zahlen mahnte Bloomberg aber schon früh zur Vorsicht. Im April sagte er, New York müsse diszipliniert bei seinen Ausgaben bleiben. Der Überschuss sei kein Anlass, jetzt alles für "Wein, Weib und Gesang" zu verprassen. Die prächtige Haushaltslage habe viel mit Sonderfaktoren zu tun, die sich womöglich nicht wiederholen werden. Der Rechnungshof New Yorks rechnet schon in naher Zukunft wieder mit Haushaltslöchern und macht sich entsprechend Sorgen um Stellenstreichungen bei den Banken vor dem Hintergrund der jüngsten Turbulenzen. Die Citigroup hat schon angekündigt, 17 000 Stellen oder 5 Prozent der Belegschaft abzubauen.

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