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Australien : Naserümpfen über die bemalten Kleinbusse

  • -Aktualisiert am

Provozieren: Wicked Vans in Australien Bild: Charlotte Stieda

Junge Menschen entdecken Australien gerne in Vans, die mit deftigen Sprüchen bemalt sind: „Trink, bis sie hübsch ist“, steht auf einem. Manchen Australiern geht der Spaß zu weit.

          3 Min.

          Australien ist, vor allem für Ausländer, ein teures Land. Was liegt da näher, als jede Gelegenheit zu nutzen, um Geld zu sparen? Das haben sich wahrscheinlich auch viele der jungen Leute gedacht, die einen klapprigen Van von „Wicked Campers“ gemietet - und sich davor ausgezogen haben. Einen Tag im Wert von 40 australischen Dollar bekam man dafür geschenkt, wenn man das Foto auf ihrer Internetseite veröffentlichen ließ. Mittlerweile sind die Fotos verschwunden, aber auf Youtube kann man sich ein Best-of-Video anschauen, mit vielen Männern und Frauen, die nackt vor den Vans posieren, meistens nur mit Hüten ihre primären Geschlechtsmerkmale bedeckend.

          „Manche haben das Motto wörtlicher als andere genommen“, sagt John Webb, der das Unternehmen im Jahr 2004 gründete. Vor kurzem ist der „Penis-Discount“, wie er in Internetforen auch scherzhaft genannt wird, zwar abgelaufen, die Diskussion über Wicked und seine „dirty“ Vans nimmt aber erst jetzt richtig Fahrt auf. Schon im Jahr 2010 musste das Unternehmen unsichere Fahrzeuge stilllegen. Das australische Unternehmen ist auch schon länger berüchtigt für eher ungewöhnliche Rabatte. Preisnachlässe gab es schon für Geschichten, wie man seine Unschuld verloren hat, und für alle, die gerne Marihuana rauchen. „Wir machen diese Sachen, weil wir nichts davon halten, das Leben zu ernst zu nehmen, vor allem wenn man bedenkt, dass wir alle nicht lebend aus der Sache rauskommen“, sagt John Webb dazu.

          Diese Einstellung kommt bei den abenteuerlustigen und oftmals klammen Studenten an, den Hauptkunden von Wicked, was klassisch übersetzt so viel heißt wie „verhext“, aber auch „sündhaft“. Außerdem sind die Vans oftmals eine günstige Alternative zu denen bekannter Autovermieter, vor allem weil man in ihnen übernachten kann. Der Fuhrpark reicht vom japanischen Kleinwagen mit aufbaubarem Zelt auf den Dach bis zu einem alten, rostigen und klapprigen Van mit dreckigen Matratzen im Kofferraum. Das Unternehmen expandiert: Auch in Neuseeland, den Vereinigten Staaten, Kanada und Afrika kann man die Vehikel inzwischen mieten. In London, Barcelona und München seit kurzem auch, obwohl sich das Geschäftsmodell in Europa noch nicht durchgesetzt hat.

          In „down under“ hingegen schon. Auf australischen Straßen sieht man die Vans und Autos recht häufig. Vor allem auf beliebten Strecken wie der Great Ocean Road, einer 243 Kilometer langen Panoramastraße, die entlang der Südküste zwischen Torquay und Allansford verläuft. Auch im Outback, während einer stundenlangen Fahrt durch das Nirvana, von Alice Springs zu Australiens Wahrzeichen, dem in der Abendsonne rotleuchtenden Ayers Rock, kommen einem die nicht zu übersehenden Vans entgegen. Und auch der Osten des Landes, an der Sunshine Coast, ist mit seinen Bilderbuchstränden, den malerischen Buchten bei den jungen Leuten beliebt.

          „Trink, bis sie hübsch ist“

          Einer der schönsten Orte dort ist Noosa Heads, der sich in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten Urlaubsdomizile entwickelt hat und gerne mit dem Etikett „das australische Saint Tropez“ wirbt. Die Straßen des Ortes sind wie geleckt, wunderschöne Villen liegen direkt am Wasser, in der Einkaufsmeile reiht sich eine edle Boutique an die andere, gut angezogene, braungebrannte, ältere Menschen sitzen zufrieden in den Cafés. Heile Welt.

          Vor allem dort passen die Busse und wohl auch ihre Fahrer nicht zum Image, das die Region gerne festigen würde. Und das liegt nicht nur an den Austauschstudenten und Backpackern, die für ein Foto ein paar Sekunden ihre sonnengebräunten oder noch käseweißen, mehr oder weniger durchtrainierten Körper enthüllen. Denn die Vans sind eben nicht nur oft alte Rostlauben mit knallbunten Graffiti, die rauchende Joints, kopulierende Menschen, Tiere, Comicfiguren und was sonst noch Verkehr haben kann verziert, sondern auch mit Sprüchen wie diesen: „Trink, bis sie hübsch ist“. Oder: „Das beste am Oralsex ist 5 Minuten Stille“. Oder: „Fette Mädchen sind schwieriger zu kidnappen“. Das F-Wort darf natürlich auch nicht fehlen. „Als wir anfingen, die Busse zu bemalen,war es einfach nur ein billiger Weg, um Dellen zu überdecken“, sagt John Webb. „Jetzt ist es ein Spaß und gehört zum Marketing“

          Manchen geht der Spaß zu weit. „Beleidigende und anstößige Sprache auf Autos sind einfach nicht gut“, sagt Jason O’Pray, der Vorsitzende des Tourismusausschusses des 300.000-Einwohner- Bezirks Noosa. „Ich habe zwei kleine Mädchen und will nicht, dass sie so etwas sehen.“ Der eigentliche Grund dürfte aber eher dieser sein: „Die Gemeinden hier geben viel Geld aus, um Familien mit Kindern an die Sunshine Coast zu locken, und ich werde nicht zulassen, dass dieses Ziel gefährdet wird“, sagt O’Pray und fordert die Betreiber von Campingplätzen auf, den Wicked Vans den Zugang zu verwehren. Das wäre ein harter Schlag für die Wicked-Camper: Denn sogenanntes wildes Campen ist fast überall unerwünscht, und die kostenlosen Plätze sind rar und meist schlecht zu erreichen. Noch aber ist es nicht so weit.

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