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Aufsichtsratschef Thielen im Gespräch : „Bertelsmann ist voll auf Angriff programmiert“

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„Die Wachstumsdynamik muss größer werden“ Bild: REUTERS

Der Medienkonzern aus Gütersloh hat große Erwartungen an Thomas Rabe, der Anfang kommenden Jahres den Vorstandsvorsitz von Hartmut Ostrowski übernimmt.

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          Herr Thielen, warum wird Hartmut Ostrowski an der Vorstandsspitze abgelöst?

          Herr Ostrowski hat darum gebeten, weil er sich nicht sicher ist, ob er weitere fünf Jahre mit voller Kraft und voller Gesundheit arbeiten kann. Die Gesundheit ist wichtiger, als diesen Job zu machen. Und es ist auch wichtig für das Unternehmen, dass es von einem Mann in Topform geführt wird.

          Noch Ende August hat Ostrowski selbst bekundet, dass er gerne noch bis zu seinem 60. Lebensjahr Vorstandschef bleiben würde. Das passt doch alles nicht zusammen.

          Im August hat er offenkundig noch anders gedacht. Er ist ja nicht richtig krank. Daher war es schon eine schwere Entscheidung für ihn zu sagen: Ich mag nicht mehr.

          Mit Verlaub: Die lancierte Begründung, Ostrowski ziehe sich wegen eines drohenden Burnout zurück, klingt für viele Beobachter eher nach Gesichtswahrung als nach der Wahrheit.

          Sie können in keinen Menschen hineinschauen. Aber ich glaube ihm das. Der Weg zu einem möglichen Burnout ist ja nicht geradlinig. Das ist ein Auf und Ab, aber die Anzeichen wurden eben graduell stärker.

          Haben Sie bemerkt, dass Ostrowski unter Erschöpfung leidet?

          Nein, ich persönlich habe das nicht bemerkt.

          Normalerweise hätten Sie in diesen Wochen über eine Vertragsverlängerung mit Ostrowski sprechen müssen. Hand aufs Herz: Hätten Sie als Chefaufseher für eine weitere Amtszeit Ostrowskis votiert?

          Wenn er fit gewesen wäre, ja, auf jeden Fall.

          In der offiziellen Pressemitteilung werden Sie mit dem Satz zitiert, Ostrowski habe Bertelsmann "in schweren Zeiten geführt". Ein "sehr gut" oder "hervorragend" taucht da nicht auf...

          Das ist kein Urteil. Ich hätte auch schreiben können "sehr gut geführt". Ich selbst habe Hartmut Ostrowski damals als meinen Nachfolger an der Konzernspitze vorgeschlagen. Er stand dann vor der großen Herausforderung, Bertelsmann 2009 durch eine große Wirtschaftskrise zu steuern. Das war eine schwere Zeit für ihn, die ihn in der Tat viel Kraft gekostet hat.

          Liz Mohn, die mächtige Sprecherin der Eigentümerfamilie, soll eine große Rolle bei der Wechselentscheidung gespielt haben.

          Ja, sicher, Liz Mohn war von Anfang eingebunden. Liz Mohn ist Familiensprecherin und vertritt die Eigentümer als Vorsitzende der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft.

          Es heißt, dass sich Liz Mohn und andere Aufsichtsräte mehr Initiative und Dynamik an der Vorstandsspitze gewünscht und daher einen Wechsel betrieben hätten.

          Hartmut Ostrowski hat Bertelsmann gut durch die Krise geführt und entschuldet. Wir haben unseren Handlungsspielraum inzwischen zurückgewonnen. Aber erst seit sechs Monaten sind wir in einer Phase, wo wir wieder richtig Gas geben können.

          Sie selbst haben in einem Brief an die Mitarbeiter die Überzeugung geäußert, dass Thomas Rabe "Impulse für die Wachstumsstrategie und die Weiterentwicklung von Bertelsmann setzen wird". Auch das klingt so, als wenn Sie genau diese Impulse bei Ostrowski vermisst hätten.

          Nein, das ist keine Aussage gegen Ostrowski, sondern eine Aussage für Rabe. Thomas Rabe ist schon seit Jahren für wichtige Wachstumsfelder im Konzern verantwortlich. Gemeinsam mit der KKR und dem BMG Management unter der Führung von Hartwig Masuch hat er sehr geschickt das Musikgeschäft der BMG neu aufgesetzt. Weitere Expansionsschritte sind geplant.

          Sie meinen die Übernahme des Musikrechtekatalogs von EMI?

          Wir können uns zu laufenden Verfahren nicht äußern, aber wie gesagt, BMG wird weiter organisch und durch Akquisitionen wachsen. Außerdem hat Rabe die Federführung beim Einstieg in ein neues Geschäftsfeld, nämlich Education. Da haben wir uns in Amerika maßgeblich an einem spezialisierten Fonds beteiligt, der neue Education-Geschäfte aufbaut und gezielt investiert und dies unter Führung eines sehr erfahrenen und kompetenten Managements. Auch das ist ein sehr kluger Schachzug. Zudem ist er verantwortlich für die beiden Fonds Bertelsmann Digital Media Investments und Bertelsmann Asia Investments, die sich weltweit an mehr als 30 digitalen Geschäften beteiligt haben und dadurch für den Konzern interessante Investitionsoptionen schaffen.

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