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Archäologe in Rom : Beruflich in einem Scherbenhaufen sitzen

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

„Es ist ein Traum, in Rom an römischer Archäologie zu arbeiten“, sagt Philipp von Rummel. Er forscht im Deutschen Archäologischen Institut in Rom.

          Langsam erhitzen sich von Gras umwachsene Steine und weiße Säulen antiker Tempel unter der Sonne. Kaum eine Ecke gibt es hier, an der die ehemaligen Bewohner der Stadt nicht ihre Spuren hinterlassen haben. Jede kleinste Scherbe möchte unter die Lupe genommen werden. Rom ist ein archäologisches Paradies. Mitten unter all diesen Hinterlassenschaften der alten Römer weht eine blaue Fahne an einem unscheinbarem Gebäude nahe der Piazza dell’Indipendenza, auf der mit weißer Schrift das Logo des Deutschen Archäologischen Instituts prangt.

          Im vierten Stock dieses Gebäudes sitzt der 38-jährige Philipp von Rummel, der in Freiburg und Berlin Archäologie, Alte und Mittelalterliche Geschichte studiert hat, an einem großen Schreibtisch. An der Wand hängen ein Poster von einer Wandmalerei und Plakate der Ausgrabungsstelle Chimtou in Tunesien, in der Philipp von Rummel arbeitet. In einem großen Regal an der Wand stehen viele Bücher mit archäologischen Inhalten. Wenn der junge Archäologe nicht gerade in Tunesien ist, dann verdient er an diesem Ort sein Geld.

          Man setzt auf Geophysik und versucht, wenig freilegen zu müssen

          „Es ist ein Traum, in Rom an römischer Archäologie zu arbeiten“, erzählt er begeistert. Kein Wunder. Überall befinden sich irgendwelche antiken Überreste. Da es so viel in der italienischen Stadt zu erforschen und entdecken gibt, wurde das Institut als das erste in Rom am 21. April 1829 auf dem Kapitol gegründet, um all die vielen Entdeckungen in Italien zu sammeln und zu veröffentlichen. Damals war das Institut eine internationale Einrichtung. Deutsche, Briten, Franzosen und Menschen anderer Nationalitäten arbeiteten hier zusammen. 1871 wurde es jedoch in eine deutsche Anstalt umgewandelt, da es besonders von den preußischen Königen unterstützt wurde.

          Die archäologische Welt nicht nur in Rom hat sich seitdem geändert. Man fängt nicht mehr überall, wo etwas Altes entdeckt wurde, an, die Erde umzubuddeln. Mittlerweile stützt man sich eher auf moderne Forschungsmethoden, wie beispielsweise die Geophysik. Es wird versucht, möglichst wenig freilegen zu müssen. Das Deutsche Archäologische Institut ist auch nicht mehr dort ansässig, wo es gegründet wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg musste es aus dem Gebäude auf dem Kapitol ausziehen.

          Von Rapanui bis Peking, von Island bis nach Jemen

          Heute arbeiten die verschiedenen, in Rom ansässigen archäologischen Institute freundschaftlich zusammen. „Konkurrenz gibt es nur noch bei den Sommerfesten, nämlich darum, wer das Schönste veranstaltet“, lacht der Archäologe, der dunkelblaue Jeans und ein hellblaues legeres Hemd zu schwarzen Turnschuhen kombiniert. Das Institut in Rom ist mittlerweile zu einer Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts geworden, das zum Auswärtigen Amt gehört. Von der Insel Rapanui im Pazifik bis nach Peking, von Island bis nach Jemen - das Deutsche Archäologische Institut arbeitet auf der ganzen Welt.

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