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: Arbeitsvermittlung in Zeiten des Internet

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          magr. Frankfurt, 1. Januar. Ein Graben trennt Europa: Nach Erhebungen der europäischen Statistikbehörde lag die Quote der Selbständigen im Jahr 2010 etwa in Griechenland mit mehr als 30 Prozent am höchsten, Italien rangierte auf dem dritten Platz und damit ebenfalls weit über dem Durchschnitt innerhalb der Europäischen Union von rund 15 Prozent. Auch in Portugal und Spanien sind immer noch relativ viele Erwerbstätige nicht abhängig beschäftigt.

          Im Norden der Europäischen Union dagegen sind selbständig Tätige rarer gesät. Dänemark und Schweden liegen auf den letzten beiden Rängen, und auch Finnland sowie Deutschland sind im unteren Drittel der Quotenrangliste zu finden. Und hier kommt Kjetil Olsen ins Spiel. „Wir machen Menschen in Griechenland oder Portugal Jobangebote, und die anstellenden Unternehmen aus den nördlichen Ländern können so profitabler arbeiten“, sagt Olsen.

          Der Norweger ist als Vizepräsident für das Europageschäft der amerikanischen Internetplattform Elance Inc. zuständig. Olsens Arbeitgeber vermittelt über seine Internetseite Freiberufler für einzelne Projekte. Die Menschen, die auf elance.com ihre Fähigkeiten feilbieten, programmieren Anwendungen, optimieren Suchmaschinenmarketing oder pflegen Datenbanken. Sie übersetzen und schreiben Texte oder designen Mode, haben sich auf Gesellschafts- und Vertragsrecht spezialisiert oder auf Buchhaltung. Ihnen allen gemein ist, dass sie über Elance ihre Dienste rund um die Welt anbieten können und 24 Stunden am Tag.

          Elance ist in der Vergangenheit sprunghaft gewachsen. Nach Unternehmensangaben haben in den vergangenen zwölf Monaten 256 000 Unternehmen Aufträge auf der Plattform ins Netz gestellt. Rund 2 Millionen Freiberufler sind dort registriert. Im vergangenen Jahr hat Elance Aufträge mit einer Summe von umgerechnet rund 160 Millionen Euro vermittelt - 26 Prozent mehr als 2011. Für jeden Auftrag nimmt das Unternehmen eine Vermittlungsprovision von 8,75 Prozent.

          Das Unternehmen kümmert sich dafür um die Zahlungsabwicklung zwischen dem Freiberufler und dem Auftraggeber und bietet Kontrollmechanismen, damit der Auftraggeber überprüfen kann, ob der Freiberufler das Projekt auch richtig angeht. Zum Beispiel kann die Plattform, wenn dies von beiden Seiten gewünscht wird, mit dem Werkzeug „workview“ in bestimmten Intervallen Bildschirmfotos an den Auftraggeber übermitteln. Wenn der Auftragnehmer ein Bildschirmfoto löschen will, weil er in der Zeit etwas anderes getan hat, statt am Projekt zu arbeiten, entgeht ihm ein Teil des Honorars.

          Elance ist nicht das einzige Unternehmen, dass daran mitverdienen will, dass europaweit und auch in Deutschland die Zahl der Freiberufler wächst. Nach Daten des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der Selbständigen hierzulande zwischen 1996 und 2011 von 3,2 Millionen auf etwas mehr als 4 Millionen gestiegen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung prognostizierte unlängst, dass auch in den kommenden Jahren die Selbständigen eine wachsende Größe auf dem Arbeitsmarkt sein werden.

          Von München aus versucht die Freelancer.Net GmbH von diesem wachsenden Markt zu profitieren. In Essen sitzt dagegen die Humangrid GmbH, die auf der Plattform clickworker.com nach eigenen Angaben mehr als 300 000 qualifizierte Selbständige vermittelt, damit Unternehmen „schnell, flexibel und effizient“ Projekte umsetzen können. Auch der Internetkonzern Amazon mischt mit: Sein Marktplatz für „Aufgaben, die menschliche Intelligenz benötigen“, heißt „Mechanical Turk“ - benannt nach einem falschen Schachroboter aus dem 18. Jahrhundert, in dessen Inneren ein Schachmeister aus Fleisch und Blut saß.

          Marktbeobachter schätzen, dass der Markt für die Online-Freiberuflervermittlung im vergangenen Jahr rund 1 Milliarde Euro betragen haben dürfte. In den kommenden Jahren dürfte das Vermittlungsvolumen aber stark steigen. Inwiefern dabei die Freiberufler Nutznießer oder Leidtragende sind, scheint dagegen noch nicht endgültig ausgemacht. Kritiker der Vermittlungsdienste mahnen an, dass sich die dort versammelten Freiberufler gegenseitig im Arbeitslohn unterbieten und so am Ende der mit dem günstigsten Preis auch den Zuschlag für ein Projekt erhält. Auf der anderen Seite reklamieren die Anbieter, dass niemand gezwungen werde, auf den Plattformen seine Arbeitskraft anzubieten.

          Um einen ersten, zweiten oder dritten Auftrag zu erhalten, müsse ein Freiberufler anfangs schon sensibel seinen Preis setzen, sagt auch Kjetil Olsen. Doch wenn die Qualität stimme, erhalte er danach gute Bewertungen seiner Auftraggeber, und damit steigen auch die Preise für weitere Aufträge. „Die Auftraggeber suchen nach Qualität“, ist Olsen überzeugt. „Und das verhindert am Ende, dass Auftragnehmer unterbezahlt sind.“

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