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Appell an Bund und Land : Feldmann und Semmelroth: Denkpause für Romantikmuseum

Setzt sich seit neuestem auch für den Bau des Romantikmuseums ein: Frankfurts Rathauschef Peter Feldmann (SPD) Bild: Eilmes, Wolfgang

Im Ringen um den Bau eines Romantikmuseums in Frankfurt ertönt ein Appell aus dem Rathaus Römer: Bund und Land Hessen mögen ihre Zusagen nicht zurückzuziehen. Zudem ist von einer „Denkpause“ die Rede.

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          Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) ziehen, was das Romantikmuseum angeht, nun an einem Strang: Beide haben in einer gestern veröffentlichten gemeinsamen Erklärung die Bedeutung des Vorhabens für Frankfurt hervorgehoben und eine „Denkpause“ verlangt, um Förderer zu gewinnen, die den von der Haushaltskommission gestrichenen Anteil der Stadt an den Kosten für einen Erweiterungsbau des Goethe-Hauses übernehmen können. Nun gelte es, sagte Semmelroth im Gespräch mit der Rhein-Main-Zeitung, an Bund und Land zu appellieren, ihre Zusagen nicht zurückzuziehen. Berlin und Wiesbaden hatten sich bereit erklärt, das Projekt des Freien Deutschen Hochstifts mit jeweils vier Millionen Euro zu unterstützen. Zudem hatten Sponsoren mehr als drei Millionen Euro versprochen. Nach Semmelroths Auskunft haben die Deutsche Bank und die Grunelius-Stiftung schon signalisiert, ihre Zusagen aufrechtzuerhalten.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Stadt Frankfurt hatte sich ursprünglich verpflichtet, ebenfalls mit vier Millionen Euro den Bau und die Einrichtung eines Anbaus zu fördern, wo die Sammlung des Freien Deutschen Hochstifts zur romantischen Bewegung in angemessener Weise ausgestellt werden kann. Unterdessen hat sich der Aufsichtsratsvorsitzende des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main, der Stadtrat des Main-Taunus-Kreises Ulrich Krebs (CDU), zu dem Projekt bekannt und in Aussicht gestellt, einen substantiellen finanziellen Beitrag dafür zu leisten. Auch möchte er bei privaten Förderern dafür werben, das Vorhaben voranzubringen.

          „Finanzierungslücke kompensieren“

          Kulturdezernent Semmelroth sprach vom bürgerschaftlichen Engagement, das in dieser Situation gefragt sei. „Das Freie Deutsche Hochstift und das Kulturdezernat werden alles tun, um die Finanzierungslücke doch noch zu kompensieren.“ Er werde gezielt Bürger darauf ansprechen. Es freue ihn, dass in den vergangenen Tagen viele im Kulturdezernat angerufen hätten, um sich nach der Kontonummer zu erkundigen, auf die sie ihre Spende für das Romantikmuseum überweisen könnten. „Ich bin froh über jede Unterstützung“, sagte der Stadtrat, „und vor allem darüber, dass der Oberbürgermeister die Bedeutung dieses Vorhabens eingesehen hat und es jetzt unterstützt.“

          Die Resonanz der Öffentlichkeit auf den Entschluss der Haushaltskommission, die vorgesehenen vier Millionen Euro für das Romantikmuseum zu streichen, hätten gezeigt, dass es hier um ein Thema von nationaler Tragweite gehe, so Semmelroth. Obwohl auch die anderen Dezernate von harten Einsparungen betroffen seien, konzentriere sich das öffentliche Interesse auf die Kultur. Dies mache deutlich, dass es hier um Dinge gehe, die für viele Menschen von großer Wichtigkeit seien.

          In ihrer gemeinsamen Erklärung schreiben Feldmann und Semmelroth: „Die Welle der Sympathie für das Projekt bei den Bürgern und in den Feuilletons zeigt, dass es nicht aufgegeben werden darf.“ Bis Jahresende solle es eine Denkpause geben, „in der keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden“. Der Oberbürgermeister führte aus, er stehe „für ein tragfähiges, nachhaltiges, sozial ausgewogenes kulturpolitisches Konzept in einem hochattraktiven Frankfurt. Das ist am Beispiel Romantikmuseum meine klare Botschaft an unsere Freunde und Partner in Stadt, Land und Bund.“ Das klare Konzept, der perfekte Standort, die solide Finanzierung dürften jetzt nicht leichtfertig geopfert werden.

          Kehrtwende von Feldmann

          Damit hat Feldmann innerhalb kurzer Zeit eine Kehrtwende vollzogen. Noch auf dem Parteitag der Frankfurter SPD am vorigen Wochenende hatte er dem Projekt eines Romantikmuseums nichts Gutes abgewinnen können. In Römerkreisen hieß es, Feldmann sei über die Sparbeschlüsse auf kulturellem Feld hocherfreut gewesen. Mehrfach hatte der Oberbürgermeister sich in der Vergangenheit despektierlich über eine „Hochkultur“ geäußert, mit der seine Wähler nichts zu tun hätten.

          Unterdessen kündigt sich im Fall der „Fliegenden Volksbühne“ von Michael Quast noch keine Lösung an. Die Haushaltskommission der schwarz-grünen Koalition hatte beschlossen, der Truppe keine feste Spielstätte im Altsachsenhäuser Paradieshof zu geben, obwohl Quast schon seit zwei Jahren zusammen mit der Stadt den Einzug dort vorbereitet hat und auch Planungsmittel ausgegeben wurden. Wie beim Romantikmuseum hat auch diese Entscheidung für heftige Kritik vor allem in der Kulturszene gesorgt.

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