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Angelina Hübner : Über den Dingen

Bei der Volleyball-EM tritt Angelina Hübner nicht mehr im Sportdress auf Bild: picture alliance / dpa

Angelina Hübner war jahrelang die populärste deutsche Volleyballspielerin. Doch für die Heim-EM fehlte ihr die hundertprozentige Motivation. Nun begleitet sie das Team aus anderer Perspektive.

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          Manchmal muss sich Angelina Hübner noch ein bisschen gewöhnen an ihre neue Rolle. Unter ihrem Mädchennamen Angelina Grün war sie jahrelang die populärste deutsche Volleyballspielerin gewesen, das Herz der Nationalmannschaft, sie hat knapp 300 Länderspiele gemacht, war zweimal bei Olympia.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vor gut drei Monaten dann gab die zuletzt beim aserbaidschanischen Topklub Rabita Baku unter Vertrag stehende Athletin bekannt, dass die EM im eigenen Land ohne sie stattfinden wird - ihr fehle die hundertprozentige Motivation, und wenn sie das Projekt Heim-EM angehe, dann ganz oder gar nicht. In dem Fall also: gar nicht.

          Stattdessen wollte sie mehr Zeit für ihr Privatleben, endlich, nach Jahren des Unterwegsseins als Profi. Vor gut einem Jahr heiratete die in Duschanbe (Tadschikistan) geborene Außenangreiferin den langjährigen Kapitän und derzeitigen Assistenztrainer der deutschen Volleyball-Männer, Stefan Hübner, nun erwarten die beiden Nachwuchs.

          So steht die 33 Jahre alte Angelina Hübner in diesen Tagen bei der EM gewissermaßen über den Dingen: Als Kommentatorin für den Fernsehsender Sport1 sitzt sie hoch oben auf der Tribüne. Eine ungewöhnliche Perspektive. „Ich muss mich da manchmal schon zurückhalten, dass ich keine Gefühlsausbrüche kriege“, sagt sie. „Da brodelt es schon mal unter den Kopfhörern, weil man natürlich mitfühlen kann, wie das ist, vor so einer Kulisse zu spielen.“

          „Das muss sich alles erst finden“

          Das weiß sie sehr gut, unter anderem von der EM 2011. Damals stürmten die Deutschen durch das Turnier, standen im Finale in Belgrad gegen die Serbinnen schon kurz vor dem Titel - ehe denen, mit dem phantastischen Publikum im Rücken, noch die Wende gelang. Deutschland gewann Silber.

          Es war die zweite EM-Medaille für Angelina Hübner nach Platz drei 2003, zudem wurde sie als beste Annahmespielerin geehrt. Vom deutschen Team 2013, das am Freitagabend in Berlin Belgien besiegte und am Samstag (20.00 Uhr / Live bei Sport 1) auf Russland im Finale trifft, hat sie einen positiven Eindruck, kämpferisch wie spielerisch.

          Knapp 300 Länderspiele machte sie noch unter ihrem Mädchennamen Angelina Grün

          „Die Nationalmannschaft hat sich über Jahre ein hohes Niveau erarbeitet“, sagt sie. Wie es bei ihr selbst weitergehen wird, ist offen. Seit 2005 hat sie ein Zuhause in Köln, nur konnten sie und Stefan Hübner das bisher kaum gemeinsam nutzen, mindestens einer war immer auf Achse. „Das verändert sich jetzt gerade ein bisschen“, sagt sie.

          Sie hat ein Sportmanagement-Studium abgeschlossen, mit einer Freundin arbeitet sie an einem Projekt zur Betreuung von Athleten, „aber das muss sich alles erst finden“. Klar ist nur eins: Eine Trainerkarriere, wie sie ihr Mann eingeschlagen hat, peilt sie nicht an. Ein Trainer in der Familie, sagt Angelina Hübner, sei genug.

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