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Amerikas Steuersätze : Warum Romney weniger zahlt als Zuckerberg

Zahlt mehr Steuern: Mark Zuckerberg Bild: dapd

Seit Jahren debattiert Amerika, ob die steuerlichen Vorteile von Partnerschaften gerechtfertigt sind. Im Wahlkampf muss sich besonders Mitt Romney erklären.

          3 Min.

          Auf bis zu 2 Milliarden Dollar wird die Steuerrechnung geschätzt, die im Zuge des Börsengangs des Internetunternehmens Facebook auf dessen Vorstandsvorsitzenden Mark Zuckerberg zukommt. Gut möglich, dass der Jungunternehmer damit in diesem Jahr zum größten Steuerzahler der Vereinigten Staaten aufrückt. Eine Bestätigung wird es aber nicht geben, denn die amerikanische Steuerbehörde veröffentlicht keine Angaben zu Einzelpersonen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Und im Gegensatz zu Kandidaten für politische Ämter verlangt die amerikanische Öffentlichkeit von Unternehmern oder Privatpersonen noch nicht, dass sie ihre Steuererklärung offenlegen. Die 400 reichsten Amerikaner zahlten 2009 durchschnittlich 48 Millionen Dollar Steuern an die Bundesregierung.

          Der Facebook-Mitgründer Zuckerberg wird - so steht es im Aktienprospekt - mit dem Börsengang Aktienoptionen ausüben, die er seit 2005 hält. 6 Cent muss er für jede der 120 Millionen Anteile zahlen. Bei einem erwarteten Aktienkurs von vielleicht 40 Dollar erzielte Zuckerberg einen Wertgewinn von rund 4,8 Milliarden Dollar.

          Zum föderalen Höchststeuersatz von 35 Prozent überwiese er so fast 1,7 Milliarden Dollar an das Finanzministerium. Hinzu kommen knapp 500 Millionen Dollar Einkommensteuer für den Bundesstaat Kalifornien. Diese Zahlung mindert wiederum die föderale Steuerschuld. Insgesamt wird der Facebook-Chef allein für die Aktienoptionen wohl rund 2 Milliarden Dollar zahlen.

          Steigt der Aktienkurs, wird es teurer. Zuckerberg will die Steuerrechnung begleichen, indem er in unbekanntem Ausmaß Aktien verkauft. Das belastet die Aussichten für den Börsengang und das frische Kapital, das Facebook aufnehmen will.

          Mit der Steuerrechnung des Internet-Unternehmers erhält die Debatte um die Besteuerung der Reichen in den Vereinigten Staaten eine neue Wendung. Deutlich wird, dass nicht alle Wohlhabenden wenige Steuern zahlen. Zuckerberg, dessen Vermögen nach dem Börsengang auf rund 28 Milliarden Dollar geschätzt wird, entrichtet 35 Prozent auf seine Aktienoptionen.

          Zahlt weniger Steuern: Mitt Romney

          Mitt Romney, der frühere Vorstandsvorsitzende von Bain Capital und führender Präsidentschaftskandidat der Republikaner, zahlte bei einem Vermögen von geschätzten 290 Millionen Dollar zuletzt nur einen durchschnittlichen Steuersatz von 14 Prozent. Die Diskrepanz zwischen Zuckerbergs und Romneys steuerlichen Verpflichtungen erklärt sich nicht dadurch, dass der eine ein "reales" Unternehmen führt und der andere für ein „windiges" Finanzhaus arbeitete. Der Unterschied liegt darin, dass der Unternehmer Zuckerberg als Vorstandsvorsitzender Angestellter von Facebook ist, während Romney bei der privaten Beteiligungsgesellschaft Bain Capital Partner war.

          Weil Zuckerberg Angestellter seines Unternehmens ist, sind die Aktienoptionen ein Lohnbestandteil, der als Einkommen zu versteuern ist. Der Partner Romney dagegen bezieht seine Einkünfte weitgehend als Kapitaleinkommen, das bei Haltedauer von mehr als einem Jahr mit dem Kapitalertragssteuersatz von 15 Prozent zu versteuern ist. Auch der Angestellte Zuckerberg wird seine künftigen Dividendeneinkünfte und Erträge aus möglichen Aktienverkäufen mit 15 Prozent versteuern; nur für erhaltene Aktienoptionen oder Entlohnungen durch Aktien gilt der Einkommensteuersatz.

          Jahrzehntelange Debatte

          Schon seit Jahrzehnten debattieren amerikanische Steuerrechtler, ob die steuerlichen Vorteile von Partnerschaften gerechtfertigt sind. Die Debatte angeheizt hat seit der Jahrtausendwende das rasante Wachstum der Beteiligungsgesellschaften („private equity") und Hedgefonds, deren Partner oft Milliarden Dollar verdienten. Die Regelung gilt freilich nicht nur für „Heuschrecken", sondern für alle Partnerschaften, von denen es einige Millionen in allen Wirtschaftsbereichen und Größenklassen gibt.

          Partnerschaften zahlen selbst keine Steuern. Der Gewinn wird an die Partner weitergereicht und erst von diesen - je nach Einkommensart - versteuert („carried interest"). Partner können Kapital und/oder Arbeitsleistung einbringen. Die Arbeitsleistung in Private-Equity-Gesellschaften wird meist weitgehend bezahlt durch einen 20-prozentigen Anteil an den Gewinnen. Vor allem für Private-Equity-Partner, die ihre Gewinnanteile während einer Unternehmenssanierung üblicherweise erst nach Jahren erhalten, fällt so die niedrige Kapitalertragssteuer an. Bei Hedge-Fonds, die kurzfristig investieren, greift oft die Einkommensteuer.

          Heftiger Widerstand der Finanzlobby

          Gegner der „carried interest"-Regel, die sich politisch vor allem unter den Demokraten finden, kritisieren diese als Steuerschlupfloch. Sie fordern, die Arbeitsleistung von Partnern sei als Einkommen zu versteuern, nicht als günstigerer Kapitalertrag. Seit 2007 sind dazu mehrere Gesetzentwürfe, die vor allem auf die ungeliebten Finanzgesellschaften abzielten, im Kongress gescheitert.

          Auch Präsident Barack Obama, der sich im Wahlkampf das Thema Steuergerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben hat, stieß mit seinen Vorschlägen auf heftigen Widerstand der Finanzlobby. Befürworter der Regel betonen, dass die niedrigere Besteuerung unternehmerisches Engagement und Risiko, Investitionen und Sparsamkeit fördere. Die Steuerlast an die Partner durchzureichen, verhindert ferner, dass Gewinne doppelt besteuert werden - erst von der Partnerschaft, dann von den Partnern.

          Zuckerberg hält sich aus dieser Debatte heraus. Er löst seine Aktienoptionen nicht ein, um dem Staat Gutes zu tun. Auch ihm geht es um eine Steuerminderung. Obwohl seine Aktienoptionen das Unternehmen nichts kosten, sondern allein den Wert anderer Aktien verwässern, kann Facebook den „Gehaltsbestandteil" als Betriebsausgabe steuerlich absetzen. Das Unternehmen erwartet so, im Jahr des Börsengangs keine Steuern zahlen zu müssen und steuermindernde Vorträge für das Folgejahr zurückzubehalten.

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