https://www.faz.net/-1v0-7ksl9

Altgeräte im Hausmüll : Endstation Afrika für den Elektroschrott

Ausschlachten in Ghana: Eine sichere Wiederverwertung sieht anders aus. Bild: dpa

Auf die Bescherung folgt das große Wegwerfen. Doch viel zu wenige alte Elektrogeräte werden in einer Recyclinganlage entsorgt. Statt dessen landen alte Kühlschränke und Computer in Afrika oder Asien - und richten dort viel Unheil an.

          2 Min.

          Neuer Fernseher, neuer Tabletcomputer, neue Spielekonsole: Elektronik war zu Weihnachten wieder der Renner. Doch der Kaufrausch hat seine Schattenseiten, schließlich landen nach dem Geschenkerausch unzählige Altgeräte auf dem Müll. Rund 23 Kilogramm Elektroschrott „produziert“ der Durchschnittsdeutsche im Jahr, haben Wissenschaftler der Vereinten Nationen ausgerechnet. Und ein Großteil dieses Mülls, der neben wertvollen Metallen viele hochgiftige Substanzen enthält, landet nicht in einer Recyclinganlage, sondern im illegalen Export. Irgendwo in Osteuropa, Afrika oder Asien werden alte Kühlschränke, Computer und Monitore dann unter oft haarsträubenden Bedingungen auseinandergenommen, Brauchbares und Wertvolles aussortiert und der Rest verbrannt oder irgendwo in die Landschaft gekippt.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Deutschland hat zwar ein ausgefeiltes Registrierungs- und Rücknahmesystem für Elektroaltgeräte. Doch die erfassten und verwerteten Mengen sind seit mehreren Jahren rückläufig, wie die Statistiken der Stiftung Elektro-Altgeräte Register (EAR) zeigen: Nach den kürzlich veröffentlichten Zahlen für 2012 ist die Menge an Neugeräten um rund 100.000 Tonnen gestiegen, auf 1,776 Millionen Tonnen. An Elektroschrott hat das EAR, die sich im Auftrag des Umweltbundesamtes um den Elektromüll kümmert, rund 608 000 Tonnen erfasst, etwa 26.000 Tonnen weniger als 2011. „Der Trend verfestigt sich. Es wird weniger E-Schrott verwertet“, sagt Eric Rehbock, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Recycling (BVSE). Die Zahlen für 2012 „sind absolut enttäuschend und bleiben hinter unseren Erwartungen zurück.“

          Mit den Ergebnissen ist Deutschland allerdings auf der rechtlich sicheren Seite. Eine EU-Richtlinie verlangt bisher eine jährliche Sammelmenge von mindestens 4 Kilogramm je Einwohner und Jahr. „Deutschland hat dieses Ziel stets sicher erreicht“, schreibt das Umweltbundesamt. Tatsächlich lagen die Werte zuletzt bei knapp 10 Kilogramm. Aber die inzwischen neu gefasste EU-Richtlinie macht für die Zeit nach 2016 strengere Vorgaben. Zunächst wird eine Sammelquote, bezogen auf die in den drei Vorjahren verkauften Neugeräte, von 45 Prozent gefordert. Von 2019 an steigt sie sogar auf 65 Prozent. Deshalb macht die neue Bundesregierung Druck.

          Die Rückgabe soll leichter werden

          Im Koalitionsvertrag kündigt sie an, die Sammelmengen zu erhöhen und die Rückgabe von Gebrauchtgeräten zu erleichtern. „Die Europäische Elektroaltgeräterichtlinie wird zügig in nationales Recht umgesetzt“, heißt es dort. Dazu gehört, neue bequemere Rücknahmesysteme einzurichten. Für alte Elektrorasierer oder kaputte elektrische Zahnbürsten gilt heute eigentlich das Gleiche wie für den ausgedienten Fernseher: die Entsorgung über einen Wertstoffhof. Meistens aber wandern die Kleingeräte in die Mülltonne. Deshalb verlangt die EU, dass in Zukunft Händler solche Geräte zurücknehmen und sie ordnungsgemäß entsorgen lassen. Der Recyclingverband BVSE will dabei den gesamten Elektroeinzelhandel einbinden. Ähnlich wie bei der Rückgabe leerer Batterien könnten die Verbraucher kaputte Geräte dann beim Einkauf loswerden. Zusätzlich fordert der Verband, dass spezielle Container für Elektromüll aufgestellt werden.

          Der Koalitionsvertrag beauftragt die neue Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), auch den illegalen Export möglichst rasch einzudämmen. Die Ausfuhr von Elektroschrott ist zwar grundsätzlich verboten. Für noch funktionierende Altgeräte allerdings gibt es keine Handelsbeschränkungen - auch wenn diese oft genug nur zum Ausschlachten außer Landes geschafft werden.

          Wollen die Behörden die Ausfuhr verbieten, müssen sie den Exporteuren jeweils nachweisen, dass es sich um unbrauchbaren Schrott handelt. Künftig soll diese Beweislast umgekehrt werden: Die Händler müssen also ihrerseits belegen, dass die Altgeräte noch funktionieren. Der BVSE hält dies für einen wichtigen ersten Schritt. Ohne schärfere Kontrollen, so fürchtet der Verband, werde sich aber wohl nicht viel ändern. Auch im Inland müsse strenger geprüft werden. Denn bisher beginnen die Kontrollen erst dann, wenn sich das Material schon in der Recyclinganlage befindet. Dass Elektroschrott aus den Sammelstellen oder während des Transports in dunklen Kanälen verschwindet, ist für die Behörden bisher kein Anlass, näher hinzuschauen.

          Topmeldungen

          Heiteres Genie des Heldentums: Alexej Nawalnyj im Moskauer Anklagekäfig

          Nawalnyj im Hungerstreik : Ein Skelett mit Humor

          Der inhaftierte russische Oppositionelle Alexej Nawalnyj wird für seinen Witz und Mut von vielen Landsleuten bewundert. Bei einigen regt sich aber auch Neid. Jetzt haben sich russische Bürger seinem Hungerstreik angeschlossen.

          Zum Aus der Super League : Die Revolution ist gescheitert

          Die Fans laufen erfolgreich Sturm gegen die Super League. Der Schuss geht aber auch nach hinten los, weil die Möchtegern-Revolutionäre sich als Amateure erweisen.