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Alben der Woche: Deutsche Liedermacher : Den Beziehungsmüll bitte auf die Kompostella

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Ähnlich wie Niels Frevert mit „Evelin“ hatte Stoppok mit „Dumpfbacke“ in den neunziger Jahren einen Hit, auf den dann aber kein richtiger Durchbruch folgte. Auf den schielt er selbst wohl auch gar nicht, wichtiger ist ihm die künstlerische Kontrolle; das Album trägt den programmatischen Titel „Popschutz“ und erscheint, wie schon viele vorhergehende, in Eigenproduktion auf eigenem Label Grundsound.

Diesen Sound hat Stoppok, wie sich Stefan Stoppok nennt, über die Jahre perfektioniert: Er lebt von glasklar und unverfälscht aufgenommenen Gitarren- und Banjoklängen und einem immer sehr funky klingenden Bass des Amerikaners Reggie Worthy - und diesmal auch von Gastmusikern wie der Soulsängerin Astrid North und dem Pedal-Steel-Gitarristen Martin Huch. Ein Alleinstellungsmerkmal unter den deutschen Liedermachern hat Stoppok wohl darin, dass seine Studioaufnahmen wie Liveversionen klingen, die - was sonst kaum jemand angesichts kurzer Radioformate wagt - auch durchaus Raum für improvisierte Gitarrensoli lassen (und was für welche!). Das Klangbild des mit sechzehn Songs reichen Albums changiert zwischen karger Skifflemusik („Mach dich winterfest“) und entfesseltem Bluesrock („Nicht besser komm’ könn’“).

Aus der Fülle der Alben deutschsprachiger Künstler in diesem Herbst, der in dieser Hinsicht ein wahrer Frühling ist (weitere Blüten: Funny van Dannen, Jens Friebe, Die Sterne, Element of Crime), ragt noch ein weiteres Songwriter-Album heraus, das man zunächst gar nicht als solches erkennt: „Wechselt die Beleuchtung“ vom Berliner Frauenquartett Laing.

Es wird seit seinem Debüt „Paradies naiv“ (2013) meistens unter „Elektropop“ gehandelt; aber trotz aller berückend modernen, auch visuell durchkomponierten Bandästhetik steckt dahinter der Kopf einer Liedermacherin. Sie heißt Nicola Rost, sie schreibt, komponiert und „baut“ bei Laing auch die Beats, wie sie selbst sagt. Ihre Texte erinnern zuweilen ans Chanson der zwanziger Jahre.Hier gießt man sich schon mal „einen auf die Lampe, dass es kracht“. Dass sie aus der Tradition schöpft, zeigte sich schon an dem Lied, das Laing bekanntmachte: „Ich bin morgens immer müde“, ein Klassiker von Trude Herr als elektronisch gepimpte Version.

Rhythmisches Zucken in wechselndem Licht

Aber auch spielerisch antiquierte Titel auf dem nun erscheinenden zweiten Album wie „Sei doch bitte wieder gut“, über dessen Refrain das Echo der Berge hallt, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei dieser Sängerin um eine sehr heutige Person handelt.

Die männliche Spezies kommt in ihren Songs stets ein bisschen tierisch daher, etwa wenn sie sie an den Wasserstellen der Großstadt beobachtet („Komm, wir gehen auf Safari / Ich zeig’ dir seltene Arten / Wir nehmen die erstbeste Party / Stellen uns an die Bar und warten“) oder im Fitness-Studio kritisch deren Muskeln beäugt, während die Musik rhythmisch zuckt. Sehr gewinnend ist auch das Titelstück „Wechselt die Beleuchtung“, das zwischen szenischer Anweisung für das gelungene Rendezvous und einem programmatischen Aufruf an den Pop-Betrieb changiert, den Rost schon gelegentlich gewitzt kritisiert hat.

Tatsächlich wäre es sehr zu begrüßen, wenn auf solche Talente wie die hier vorgestellten etwas mehr Licht fiele, gerade auch im Fernsehen, das im Großen und Ganzen weniger talentierte und originelle Künstler ins Rampenlicht stellt. Zeit für einen Wandel.

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