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Filmfestival in Kairo : Visionen? Sicherheit geht vor

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Schwarzweiß, stilgenau, ein Höhepunkt des Festivals in Kairo: Parallele Leben einer Frau in „Decor“ von Ahmad Abdallah Bild: Festival

Was bleibt vom Aufbruch im ägyptischen Kino? Beim Filmfestival in Kairo zeigt sich, wie das unabhängige arabische Kino im Genre Zuflucht vor der Politik sucht.

          Das 36. Cairo International Film Festival (CIFF) fand unter aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen statt. Alle Aktivitäten wurden auf dem weitläufigen, aber eingezäunten Gelände der Neuen Oper auf der schicken Nil-Insel Zamalek zentriert. Die Besucher mussten mehrere umständliche Kontrollen passieren. Auch die Unterbringung der zahlreichen internationalen Festivalgäste im mondänen Marriott-Hotel erfolgte aus Sicherheitsgründen.

          Das CIFF zehrt von der herausragenden Bedeutung des ägyptischen Kinos, war aber in den letzten Jahren zum Symbol der gesellschaftlichen und politischen Stagnation unter Mubarak geworden. Dem katastrophalen organisatorischen Schlendrian der Jahrgänge vor der Revolution war 2012 ein äußerst turbulenter Relaunch gefolgt, der von neuen gewalttätigen Unruhen am nahegelegenen Tahrirplatz gegen Muhammad Mursi überschattet und von Boykottaufrufen zahlreicher Filmemacher gegen die vermeintlich immer noch mubarak-treue Festivalorganisation gestört wurde. 2013 wurde das CIFF dann wegen der politischen Spannungen komplett abgesagt.

          Keine Zensur mehr

          Jetzt, unter mannigfach angespannten Umständen, gab es einen völlig überraschenden vielversprechenden Teamwechsel: Der neue Leiter Samir Farid, ein unabhängiger Filmkritiker, benannte einen Vorstand aus Experten, um ein Festival umzukrempeln, welches jahrzehntelang immer von derselben Clique betrieben worden war. Um Dezentralisierung bemüht, beauftragte Farid verschiedene unabhängige Verbände mit der Organisation der einzelnen Festivalsektionen. Und seine erste Bedingung für die Übernahme des schwierigen Postens lautete: keine Zensur mehr. Unter den aktuellen Umständen - Verhaftung ausländischer Journalisten und unabhängiger Filmschaffender, Rücktritt kritischer Kolumnisten - ist das ein gewagtes Versprechen.

          Die nach wie vor chaotische Organisation einmal beiseite - das 36. CIFF bot nun ein solides inhaltliches Programm: viele internationale Premieren, ägyptische Erstaufführungen der neuen Filme von Godard, Cronenberg; Volker Schlöndorffs „Diplomacy“ und Fatih Akins „The Cut“; eine umfangreiche Rückschau auf das griechische Kino, und eine Vielzahl aktueller arabischer Filme aus Ländern von Marokko bis Palästina. Das beginnt bei Ali Mostafas „Hangover“-Adaption „From A to B“, einem Mainstream-Roadmovie, in dem drei Tunichtgute aus den Vereinigten Arabischen Emiraten quer durch die Wüste bis in den Libanon touren, und reicht bis zu dem lange nachwirkenden französisch-syrischen Essay „Silvered Water“ von Osama Muhammad. Der am Exil verzweifelnde Autorenfilmer setzt Bildern der unfassbaren Gewalt in seiner Heimat im Voice-Over den poetischen Fluchtraum der eigenen Gedanken entgegen.

          Hoffnung und neue Impulse

          Die Nagelprobe war aber die Frage nach dem gegenwärtigen Stand des einstmals großen ägyptischen Kinos - wie viel Hoffnung und neue Impulse konnten die Filmemacher aus dem Arabischen Frühling herüberretten?

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